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Wo der Pfarrer von Heitenried den Zehnten seiner Herde lagerte

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: fahrettin calislar

brienz/heitenried Das Museumsobjekt besteht eigentlich aus zwei Teilen: einem Grundstock und einem Aufbau. Durch den Aufbau wurde ein Balken mit der gravierten Jahreszahl und einem Fries überdeckt, so dass man das Alter nur schätzen konnte. «Man hat nur noch die Striche der Initialen und der Jahreszahlen gesehen», sagt Edwin Huwyler, der wissenschaftliche Leiter des Freilichtmuseums Ballenberg.

Eine genauere Untersuchung im Zusammenhang mit der Verlegung brachte Überraschendes hervor: Der ältere Teil des Baus musste aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen, also 350 Jahre alt sein. Damit bestätigten die Wissenschaftler eine erste Vermutung des Bauernhausforschers Jean-Pierre Anderegg, der die Verlegung angestossen hatte.

Moderne Denkmalpflege

1761 wurde der Speicher aufgestockt, wie Huwyler erklärt. Er sei auch ein gutes Beispiel für die Art und Weise, wie man heute auf dem Ballenberg arbeitet. Es gehe nicht um eine vollständige Erhaltung eines Gebäudes in seinem Urzustand. «Wir wollen auch die Entstehungsgeschichte zeigen und die Veränderungen verständlich machen.» So hat man den Speicher in seiner vergrösserten Form beibehalten und nicht auf die Urform zurückgeführt. Warum der Speicher vergrössert wurde, weiss übrigens heute niemand mehr.

Highlights der Schindelkunst

Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich der überraschend hohe Wert der verwendeten Wandschindeln. Es war noch der Originalschindelschirm. Die meisten Schindeln waren also rund 240-jährig. Während dieser Zeit hatten sie Wind und Wetter ohne grösseren Schaden standgehalten.

In der Regel müssen Schindeln alle 50 Jahre ersetzt werden. Zwar bot das ausladende Dach einen gewissen Schutz, doch dass er es gerade mit dem wohl ältesten Schindelschirm im Land zu tun hatte, wusste Huwyler nicht. «Das ist sensationell», schwärmt er noch heute vom glücklichen Fund. «Deshalb haben wir uns bei der Verlegung auch grosse Mühe gegeben, diesen Schindelschirm möglichst unbeschädigt zu übertragen.»

Das Wenige, was beschädigt war, wurde gleich repariert, einige wenige Schindeln wurden ersetzt und der Rest fein säuberlich wieder aufgebaut. Dabei konnten die Verantwortlichen auf die handwerkliche Kunst von Greyerzer Schindelmacher zurückgreifen. «Sie sind wirklich Spitzenklasse.» Entsprechend ihrer Berufscharta, welche sich auch mit der Philosophie des Freilichtmuseums deckt, spalten sie die Schindeln noch von Hand und befestigen sie ohne den Einsatz einer Nagelpistole. Sie arbeiten vor allem an Alphütten.

Vor dem Zerfall gerettet

«Das Gebäude stand kurz vor dem Zerfall», erinnert sich Huwyler. Der Speicher wurde mit rund 90 Prozent der ursprünglichen Substanz verlegt. Er bildete gut 20 Jahre nach der Einweihung des Bauernhauses von Tentlingen den ersten Ausbauschritt der Sensler Hausgruppe und den ersten Versuch, das Ensemble zu vervollständigen. «Auf dem Katasterplan von Tentlingen war zum Haus auch ein Speicher eingezeichnet», sagt Huwyler.

Das FLM wollte diesen Schritt unter der Ägide von Jean-Pierre Anderegg schon länger machen und den Speicher übernehmen. Das Ofenhaus und ein Chabiskeller sollten folgen. Der alte Pfarreispeicher stand nach dem Nein der Pfarreiversammlung zu einem Sanierungsprojekt vor dem Abbruch. Anderegg meldete das den Verantwortlichen des FLM, das Gebäude wurde zerlegt und auf dem Hügel bei Brienz wieder zusammengesetzt; die Aktion kostete rund 100000 Franken, wovon Bund, Kanton Freiburg und private Sponsoren je einen Drittel übernahmen.

 

Sommerserie

Freiburg auf dem Ballenberg

Der Kanton Freiburg ist im Schweizerischen Freilichtmuseum (FLM) Ballenberg in Hofstetten bei Brienz gleich mit einem ganzen Ensemble präsent. Vier Gebäude bilden eine einzigartige Einheit unter den rund 100 Häusern: ein Wohnhaus mit angebautem Stall, ein Kornspeicher, ein Ofenhaus und ein Chabiskeller. Sie stammen alle aus dem Sensebezirk und sind Zeugen des Landlebens im Kanton Freiburg. In einer insgesamt sechsteiligen Serie erzählen die FN die bewegte Geschichte der Deutschfreiburger Bauernschaft anhand ihrer Häuser. Das Porträt über den Kornspeicher von Heitenried bildet den zweiten Teil der Serie. In den nächsten Ausgaben stellen wir die restlichen zwei Freiburger Gebäude vor und sprechen mit den Verantwortlichen. fca

www.ballenberg.ch

Der Speicher von Heitenried ist für den Ballenberg ein Glücksfund.Bild Fahrettin Calislar

 

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