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Wo sich die Welt auf Senslerdeutsch erzählt

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Was war das gerade? Das dürfte sich manch einer fragen, wenn er nach vier, fünf oder sechs Stunden zurückkehrt von dieser «Weltausstellung», die da gerade in Schwarzsee stattfindet. Eine Ausstellung? Eine Wanderung? Eine Performance? Ein Künstlergespräch? Eine Meditation? Kunst in der Natur oder Natur in der Kunst? Von allem etwas oder doch etwas ganz anderes?

Hinter der «Weltausstellung», die im Rahmen des Internationalen Bollwerkfestivals Freiburg stattfindet und die noch bis zum 7. Juli dauert, steckt der Sensler Künstler Martin Schick (die FN berichteten). Die Ratlosigkeit der Besucherinnen und Besucher nimmt er gerne in Kauf, denn er will kein Publikum, das einfach nur konsumiert, sondern eines, das mitmacht und mitdenkt. «Kunst ist für mich kein Produkt, sondern Produktivität», sagt er während seiner «Führung in Wanderschuhen». «Kunst soll immer der Anfang von etwas sein.»

Geheime Wandergruppe

Was das bedeutet, bekommen die Besucher der «Weltausstellung» rasch am eigenen Leib zu spüren. Das Programm empfiehlt für die Begehung, die vom Ufer des Schwarzsees auf das Bödeli und wieder zurück führt, Wanderausrüstung. So findet sich denn die «geheime Wandergruppe», wie Martin Schick sie nennt, pünktlich um elf Uhr beim Treffpunkt ein, die meisten ausgestattet mit Wanderschuhen, Rucksack, Trinkflasche und Sonnenhut. Doch auch ein deutsches Paar, das extra wegen des Bollwerkfestivals nach Freiburg gekommen ist, findet sich an diesem Tag unter den rund zwanzig Besuchern. Mit einer «Bergtour» hätten sie nun allerdings nicht gerechnet, sagen die beiden – und machen sich dennoch in Sandalen und leichten Turnschuhen mit auf den Weg. Gutes Schuhwerk hin oder her, spätestens beim Aufstieg auf das Bödeli wird es für alle schweisstreibend, und das soll auch so sein: «Ihr schwitzt den Publikumsstatus aus», sagt Martin Schick dazu.

Funktionale Skulpturen

Doch bevor es so weit ist, sind noch einige Stationen im Dorf zu bewältigen. Die Idee ist jedes Mal die gleiche: Wanderführer Schick macht seine Gruppe auf eine seiner «funktionalen Skulpturen» aufmerksam, die irgendwo in der Ferne zu sehen sind, erzählt eine Geschichte dazu und fordert die Leute auf, sich bei Gelegenheit die Zeit für einen eingehenderen Besuch zu nehmen. Inspiriert sind alle Stationen von den Reisen, die der 39-jährige Schauspieler und Performancekünstler in den vergangenen anderthalb Jahren im Rahmen des kantonalen Mobilitätsstipendiums unternommen hat – die «Weltausstellung» bringt so ein Stück der weiten Welt nach Schwarzsee.

Da ist zum Beispiel das «Boot Bartleby», das täglich mit einem freiwilligen Fährmann über den Schwarzsee schippert, der für diesen Einsatz – ganz im Sinne von Melvilles Bartleby («Ich möchte lieber nicht») – für einen Tag die Arbeit schwänzt. Natürlich sei eine Fähre auf dem Schwarzsee einigermassen sinnlos, sagt Schick, was aber wiederum durchaus Sinn ergebe: «Vielleicht hilft eine sinnlose Fähre beim Reflektieren darüber, ob das, was man im Leben tut, sinnvoll ist.»

Da ist die Aussichtsplattform am See, von der aus man die Hütte am Berg sieht, die Martin Schick vor kurzem erworben hat. Sie stehe während des Projektes jederzeit offen, so der Künstler, und wer wolle, könne vorbeigehen, einen Kaffee trinken oder auch dort übernachten. Sogar für die Notdurft ist gesorgt: Eine pyramidenförmige Skulptur, hinter den Bäumen kaum zu erkennen, beherbergt eine Trockentoilette. «Ich betreibe dieses WC als künstlerische Praxis», sagt Schick. «Wer es benutzt, wird Teil einer funktionalen Skulptur.»

Da sind die Fahnen, die deutsche Künstler im Auftrag von Martin Schick angefertigt haben und die vorübergehend die Schweizerfahnen von fünf Buvetten ersetzen. Es seien sehr persönliche Fahnen, die etwas über die Betreiber der Buvetten erzählten, erklärt Schick. «Sie konnten dafür ihre Träume und Wünsche äussern – aber Träume und Wünsche gibt es hier oben nicht so viele.»

Verschiedene Welten

All das erzählt der gebürtige Taferser je nach Publikum wahlweise auf Deutsch, Französisch oder Englisch – am liebsten aber auf Senslerdeutsch. Denn: «Die Welt erzählt sich hier am besten auf Senslerdeutsch.» Und das so gut, dass selbst die Besucherin aus Braunschweig überrascht feststellt, dass sie das meiste verstanden habe. Spielerisch gelingt es Schick, mit seiner «Weltausstellung» die unterschiedlichsten Welten zusammenzubringen: Er bringt seine Eindrücke von Neuseeland bis zum Amazonas nach Schwarzsee. Er skypt live mit einem Künstler aus Christchurch, der jeden Abend auf die Gutenachtwünsche aus der Schweiz wartet. Er vereint in seiner Wandergruppe Einheimische und Touristen. Und er bringt zeitgenössische Kunst in diese einfache Bergwelt, zu den «Berglern», die er so liebt und die den schrägen Künstlervogel ihrerseits ins Herz geschlossen haben.

«Die Welt ist offen», sagt Martin Schick am Schluss zur Wandergruppe. «Ich hoffe, es haben sich für euch ein paar Sachen aufgetan.»

Die «Weltausstellung» von Martin Schick ist noch bis zum 7. Juli zu begehen: täglich; Treffpunkt um 11 Uhr bei der Bushaltestelle Schwarzsee Bad. Bei jeder Witterung. Öffentliche Finissage: Fr., 7. Juli, um 19 Uhr im Club 89.

Bilanz

Publikum blieb Festival ausserhalb des Bollwerks treu

Nach neun Tagen ist die 34. Ausgabe des Bollwerkfestivals am Samstag mit einer Party auf dem Areal der Blue Factory zu Ende gegangen. Das Publikum sei den Festivalprojekten, die dieses Jahr an besonders vielen ungewohnten Orten zu sehen waren, mit Enthusiasmus gefolgt, schreiben die Organisatoren in einer Mitteilung. Trotz der ungewohnten Austragungsorte wurde mit rund 8000 Besuchern die gleiche Zuschauerzahl erreicht wie in den Vorjahren. Die Zahl der verkauften Tickets liegt mit 3500 etwas höher als letztes Jahr. Dies liegt auch an Projekten wie den Treephones, die über den gesamten Festivalzeitraum für 5 Franken zugänglich waren. Hinzu kommen geschätzte 4600 Besucher bei den Projekten mit freiem Eintritt. «Wir sind sehr glücklich über den Verlauf, den das Abenteuer dieser ungewöhnlichen Edition genommen hat», so Festivaldirektorin Anja Dirks. «Nach den intensiven Erfahrungen mit der Natur und zahlreichen Begegnungen überall in der Stadt freuen wir uns, im nächsten Jahr weder in die Mauern des Bollwerks zurückzukehren.»

uh

 

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