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Woher kommst du?

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Meinen jetzigen Bühnenpartner habe ich anlässlich eines Castings zum ersten Mal gesehen. Ein attraktiver junger Mann, dunkler Teint, pechschwarze Haare. Die dunklen Augen strahlen. Nicht erst durch das holprige Deutsch wird klar, dass er nicht in der Schweiz aufgewachsen ist. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut, und auf der Bühne harmonisieren wir grossartig, sind schnell ein eingespieltes Team. Seine quirlige, aufgestellte Art ist wohltuend und bereichert das ganze Ensemble. Ich möchte ihn aber nicht nur als Schauspieler sehen, sondern aus seinem Leben erfahren und – neugierig, wie ich gewohnt bin, durchs Leben zu gehen – frage ich ihn in einer Probenpause, woher er ursprünglich kommt. Und habe mich damit gleich zur Rassistin gemacht.

Denn Rahel El-Maawi, Dozentin für Soziokultur, erklärt auf SRF in der «10 vor 10»-Ausgabe vom 18. Juni 2020, dass eine Frage dieser Art verletzend sei, politisch nicht korrekt. Der Person gegenüber gäbe man damit zu verstehen, dass sie nicht «zu uns» gehöre. – Echt jetzt?

Die Bilder vom qualvollen Tod von George Floyd sind kaum auszuhalten und haben zum Glück einen weltweiten Aufschrei ausgelöst. Die Gesellschaft tut gut daran, sich lautstark gegen solche Grausamkeiten aufzulehnen. Anzuklagen, zu hinterfragen. Dem Rassismus darf kein Platz gegeben werden, nirgendwo auf der Welt. Jeder Mensch hat das Recht, mit Achtung und Respekt behandelt zu werden. Egal, welcher Herkunft, egal, welcher Hautfarbe, egal, in welchem Kontext. All Lives Matter! Wenn Statistiken beweisen, dass Personen mit Mi­gra­tionshintergrund auch in der Schweiz noch immer diskriminiert werden, dass «Andersfarbige» (auf Neudeutsch: «People of colour») noch immer öfter von der Polizei kontrolliert und von der Umwelt schikaniert werden, dann muss auch hierzulande dagegen angekämpft werden. Auch im Kleinen. Und da nützen auch Diskussionen um Mohrenköpfe, die allein durch den Ausdruck rassistisch konnotiert sind. Sie schärfen unser Bewusstsein. Und das tut not. Auch wenn solche Debatten – meiner Meinung nach – zuweilen ad absurdum geführt werden.

Nachdem ich die Aussage von Frau El-Maawi gehört habe, frage ich mich aber immer wieder, wie ich denn in Erfahrung bringen kann, woher ein Mensch stammt. Und dabei politisch korrekt bleibe. Was hast du für einen Hintergrund? Wo bist du aufgewachsen? Wo sind deine Wurzeln? Woher kommen deine Eltern? Geht alles auch nicht, denn mit jeder dieser Fragen gebe ich doch ebenfalls gleich zu verstehen, dass ich davon ausgehe, dass mein Gegenüber nicht von hier ist. Demnach nicht zu uns gehört. Also was? Wie vermeide ich, dass ich zur Rassistin abgestempelt werde?

Ich halte mich situativ an den gesunden Menschenverstand, denn in der momentanen Begegnung, in meiner offenen Haltung wird mein Gegenüber spüren, dass wir sehr wohl eins sind und meine Frage – welcher Art auch immer – einem ehrlichen Interesse entstammt. Denn wie gesagt: Ich bin doch nur gwundrig und freue mich, von der neuen Bekanntschaft mehr zu erfahren.

PS: Mustafa hat sich übrigens sehr über mein Interesse gefreut und mir sein Land, seine Leute, die Traditionen und Kulinarik leidenschaftlich und feurig nähergebracht. Die der Türkei.

Gerti Haymoz ist verheiratet, lebt und arbeitet in Muntelier. Sie ist Mitinhaberin und CEO einer Firma im Broadcastbereich und im Vorstand des Kellertheaters Murten zuständig für die künstlerische Leitung.

Gastkolumne

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