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wort zum festtag

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wort zum festtag

Fronleichnam gibt zu reden

Autor: Urs Zimmermann

Es war nach der Maiandacht. Man traf sich in der nahen Gaststube, und irgendwie kam das Gespräch auf Fronleichnam. Jemand wollte wissen, wann hier am Ort die Fronleichnamsprozessionen abgeschafft wurden.

Vor zwanzig Jahren, meinte einer, viel früher, sagten andere, vor fünfzig vielleicht. Ein Zugezogener rechnete nach. Er fragte sich, ob er in seiner Zeit hier jemals eine Prozession erlebt habe. Schliesslich kam man überein, dass die letzte vor etwa vierzig Jahren durchgeführt wurde.

«Schön war’s!», hörte man und «Schade, dass die Prozessionen abgeschafft wurden.» «Nein, es ist nicht schade», meinte ein anderer, «es war nötig, schon vom Strassenverkehr her.» Ausserdem sei ihm nie wohl gewesen. Er habe die Prozessionen als Machtdemonstration gegenüber den Protestanten empfunden.

Fronleichnam gibt zu reden. Der Tag war etwas Besonderes. Sein Brauchtum blieb in Erinnerung.

Wie steht es mit Fronleichnam heute? Mancherorts findet die Prozession noch statt. In vielen Pfarreien aber wird an diesem Tag «nur noch» ein Feldgottesdienst gefeiert. Vom Inhalt her vermögen diese Gottesdienste die Prozession zu ersetzen, in Bezug auf ihre äussere Form aber nicht. In vierzig Jahren wird niemand mehr von den Feldgottesdiensten sprechen. Sie haben im Unterschied zu den Prozessionen nichts Aussergewöhnliches.

So betrachtet, ging es in der Gaststube eigentlich nicht um das Thema «Fronleichnam». Es ging um den Fronleichnamstag und das damit verbundene Brauchtum.

Um was ginge es, wenn über das Thema Fronleichnam gesprochen würde? Es ginge um das Sakrament der Eucharistie und um die Gegenwart Christi. Prozession und Brauchtum beziehen sich auf das Sakrament und sind nur eine mögliche Form die Gegenwart Christi zu verehren

Nur eine mögliche Form. Die Gegenwart Christi ist ja nicht auf das Sakrament beschränkt. Er ist auch gegenwärtig in seinem Wort, in der Gemeinschaft der Gläubigen und, wie er es ausdrücklich erwähnte, im Nächsten, selbst wenn es sich dabei um den Geringsten handelt.

Nebenbemerkung: Ist die Gegenwart Christi im Nächsten nicht ebenso geheimnisvoll wie seine Gegenwart im Sakrament? Und ist es nicht eine ebenso grosse Herausforderung, ihm im Nächsten zu dienen, wie an einer Prozession teilzunehmen? Beim Gedanken an gewisse Zeitgenossen fällt mir die Antwort nicht schwer.

Wer mit Fronleichnam ernst machen will, geht nach draussen und weiss, dass ER da ist, selbst wenn das Sakrament nicht mehr durch die Strassen getragen wird. In diese Richtung argumentiert auch der grosse Theologe Karl Rahner, wenn er sagt: «Die wahrhafte Liebe zu Christus und der volle Glaube an ihn können gar nicht anderes sein als die Tat, die ihm getan wird: Die Tat der Nächstenliebe. Sie ist der Vollzug des Christentums schlechthin.»

Urs Zimmermann ist Pfarrer in Bad Zurzach, priesterlicher Mitarbeiter im Pfarreienverband Zurzach-Studenland und betreut die Wallfahrt zur heiligen Verena.

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