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Zusammenleben: Zurück zur Betriebsanleitung

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Die vom sozialethischen Institut Ethik 22 (siehe Kasten) organisierte Tagung am 12. Januar 2019 brachte Menschen mit muslimischem, buddhistischem, jüdischem, protestantischem und katholischem Glauben zusammen. Gedanken des ehemaligen Chef-Rabbiners des Britischen Commonwealth, Jonathan Sacks, begleiteten die Gespräche. Angesichts der Globalisierung, die viele Menschen verunsichert, betonte Sacks die Chancen der Religionen: «Wir können heilen oder schaden, reparieren oder vernichten. Der Einsatz war noch nie so hoch, und die Entscheidung liegt bei uns.» Rabbiner Sacks rät dazu, in Zeiten, in denen man nicht weiterwisse, zur «Betriebsanleitung» zu greifen. Dies war auch das Ziel der Tagung: die «Betriebsanleitung» für das Zusammenleben in der Einzigartigkeit und Echtheit religiöser Menschen zu ent­decken.

Wie zusammenleben

Der Tag begann nicht mit irgendwelchen Lehrsätzen, sondern mit der Frage nach den ersten Erinnerungen an den eigenen Glauben. Die konkreten Geschichten, wie Menschen ihren Glauben leben, Ausgrenzung erfahren und damit umgehen, gaben Hinweise darauf, wie wir mit der menschlichen Vielfalt in unserer Gesellschaft umgehen können. Dies zeigte die Tagung eindrücklich: Glauben ist in eine vieldimensionale Identität eingebettet. Es gibt untrennbare Verbindungen zwischen Kultur, Politik und Religion. Das führt zu grosser Verschiedenheit gerade auch innerhalb von Glaubensgemeinschaften. Überraschenderweise sind es genau diese einzigartigen und vielfältigen Erfahrungen, die uns die Angst vor dem Fremden nehmen und uns Menschen als Menschen nahebringen können.

Identitäten pflegen

Das menschliche Zusammenleben hängt davon ab, ob es gelingt, als Individuen und als Gesellschaft die Einzigartigkeiten unserer vielfältigen Identitäten zu pflegen. Denn in diesen farbigen Geschichten können wir einander echt begegnen, während eine Haltung, die alles gleich sieht und relativiert, Menschen, Religionen und Kulturen letztlich «flach», «eintönig», «langweilig» und damit auch bedrohlich macht.

Glaube als Gleichwertigkeit

Die Gespräche boten eine Vielfalt an Denkanstössen hinsichtlich der «Betriebsanleitung». So erzählte etwa die Muslimin Fatmire Panxhaj: «Mein Vater war Imam und hat mir erklärt: Zuerst sind wir Albaner, denn das können wir nicht ändern. Als Zweites sind wir Muslime, dies ist eine Entscheidung. Als Imam hat er mich immer gelehrt und mir vorgelebt, wie wir alle Menschen als gleichwertig behandeln müssen. So sagte er zu mir: Fati, wenn es dir nicht gut geht, kannst du in alle Gotteshäuser gehen und beten.» Muslim und Imam Sakib Halilovic stiess ins gleiche Horn: «Ich bin zuerst Mensch, dann Schweizer, dann Muslim, als Nächstes kommt meine Rolle als Imam und zuletzt bin ich Bosnier. So kann ich es überhaupt nicht verstehen, wie jemand andere Menschen im Namen Gottes töten kann. Das macht mich zornig und tut mir echt weh!»

Beten und Familie

Für Tamara Krieger ist die Familie der Antrieb für Glaube und Gemeinschaft: «Für mich als Jüdin ist das Wichtigste die Gemeinschaft, das Feiern und gemeinsame Essen mit der Familie. Zuerst bin ich Schweizerin, dann Jüdin und dann Israelin, weil meine Mutter von dort stammt. Mit der Politik von Israel bin ich aber nicht einverstanden.» Doch nicht jeder kann sich auf die Familie zurückbesinnen, und so findet er andere Wege des Rückzugs: «Beten, beten, beten ist für mich wichtig. Ich lerne so Geduld für die Schwierigkeiten des Lebens, die ich in Tibet wegen China und hier in der Schweiz als Flüchtling habe. Auf diese Weise kann ich auf das Ziel meines Glaubens hinarbeiten, meinen Verstand und meine Seele zu zähmen.» Jeder Weg ist anders, doch alle haben sie eines gemein: Für das Zusammenleben der Menschen lohnt es sich, zurückzugehen zur «Betriebsanleitung», die jede Religion kennt.

Gutes tun

Die Kernelemente der «Betriebsanleitung» für das Zusammenleben aller zeigten sich also in den Geschichten der unterschiedlichen Glaubenspraxis der Gäste und Teilnehmenden: Wir müssen Gutes für andere tun. Wir tragen Sorge für Gemeinschaften und schaffen so Zugehörigkeit. Durch das Erzählen und Teilen von Lebens-, Glaubens- und Ausgrenzungsgeschichten können und dürfen wir Vertrauensbeziehungen auch mit Menschen, die uns fremd sind, aufbauen.

Ethik 22

Ein katholisches Institut für Sozialethik

Ethik 22 gehört als Institut für Sozialethik zur KAB Schweiz und ist aus dem sogenannten Sozialinstitut KAB hervorgegangen. Seit 1999 leitet Dr. Thomas Wallimann-Sasaki das Institut, das gesellschaftliche Fragen und ihre Verbindung zu Werthaltungen und Moral im Lichte einer christlichen Sozialethik und in der Tradition der katholischen Gesellschaftslehre aufgreift und analysiert. Ethik 22 leistet so einen Beitrag zur Mitgestaltung der Gesellschaft in Wirtschaft, Politik und Kirche. 2016 entschieden sich die Delegierten der KAB Schweiz an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung für das sogenannte 2-Vereine-Modell. D.h., der Verband KAB Schweiz bleibt eigenständig, und das Sozialinstitut wird neu von einem eigenen Verein getragen. Es entstand auch der neue Name Ethik 22. Die Zahl 22 leitet sich vom geflügelten Wort «catch-22» aus dem englischen Sprachraum ab. Damit ist eine Zwickmühle, ein Dilemma oder ein Teufelskreis gemeint, aus dem man nur schwer herausfindet, Problemsituationen also, die in der Ethik – dem theoretischen Nachdenken über Werte und Normen – oft besprochen und untersucht werden. Entsprechend ist das Ziel von Ethik 22 auch, Raum zu schaffen für Wertediskussionen. Mit dem hauseigenen Magazin oder dem neu geschaffenen Ethikcafé versucht das Institut diesem Ziel gerecht zu werden. Daneben erscheinen auf der Homepage des Instituts immer wieder Analysen zu politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen.

tr

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