«Rock your Life» 13.03.2015

Studenten helfen bei der Lehrstellensuche

Nina Haldimann (rechts) und Lena Sutter engagieren sich für «Rock your Life».Bild Aldo Ellena
Im Rahmen des Programms «Rock your Life» begleiten Studierende Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen auf dem Weg von der Schule in die Berufswelt. Auch in Freiburg bauen Studierende einen Standortverein auf. Im Herbst sollen die ersten Tandems starten.

Fehlendes Wissen, geringe Sprachkenntnisse oder mangelnde Unterstützung von Eltern und älteren Geschwistern–es gibt viele Gründe, warum die Berufswahl und die Lehrstellensuche für Jugendliche schwierig sein können. Schülerinnen und Schülern aus sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen will das Programm «Rock your Life» deshalb eine Hilfestellung bieten. Das Konzept ist einfach: Ein Studierender trifft sich alle ein bis zwei Wochen mit einem Schüler. Dabei widmen sich die beiden der Berufswahl und den Zukunftsplänen des Jugendlichen, je nach Bedürfnis auch anderen Themen, welche den Jugendlichen beschäftigen.

«Auf Lebensweg begleiten»

Im Herbst 2013 startete das Programm mit 22 Paaren in Bern, im kommenden Herbst werden auch in Deutschfreiburg die ersten Tandems gebildet. «Rock your Life» stamme aus Deutschland, sagt Nina Haldimann den FN. Gemeinsam mit vier Kolleginnen hat sie das Programm 2013 ins Leben gerufen und eine gemeinnützige GmbH gegründet. Heute arbeitet sie bei der Dachorganisation «Rock your Life Schweiz» (siehe Kasten).

Am Aufbau des Standortvereins in Freiburg beteiligt ist auch Lena Sutter aus Frauenfeld. Sie studiert in Freiburg Psychologie, Pädagogik, Sozialarbeit und Sozialpolitik und hat in einem Seminar vom Programm erfahren. «Ich fand es eine spannende Aufgabe, mit Jugendlichen zu arbeiten, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten und ihnen zu helfen, etwas aufzubauen», erklärt sie. Deshalb habe sie sich als Mentorin in Bern beworben–und wurde sogleich von Nina Haldimann angeheuert, auch in Freiburg einen Standortverein zu gründen. Noch ist dies nicht erfolgt, die sechs Vorstandsmitglieder sind jedoch bereits gefunden. Dies sei nicht besonders schwierig gewesen, erklärt Sutter. «Es sind alles Kolleginnen und Kollegen, die mit mir studieren oder die ich bereits vorher gekannt habe.»

 Sobald der Verein offiziell besteht, wartet viel Arbeit auf die Studierenden: Noch vor den Sommerferien gilt es, Partnerschulen zu finden. Da vor allem benachteiligte Jugendliche Unterstützung benötigten, kooperiert «Rock your Life» mit Schulen in Quartieren mit hohem Sozialindex; dieser setzt sich zusammen aus der Ausländerquote, der Sozialhilfequote und der Einkommensquote. Nach den Sommerferien stellen Lena Sutter und ihr Team das Programm in den Klassen vor. In den ersten zwei Semesterwochen folgen dann die Gewinnung und die Bewerbungsgespräche mit den Studierenden. Ein Kriterium sei die Verbindlichkeit, sagt Nina Haldimann. Die Tätigkeit als Mentorin oder Mentor dauere zwölf bis zwanzig Monate. «Die Studenten müssen wirklich bereit sein, ihrer Aufgabe während dieser Zeit nachzukommen.» Ebenfalls wichtig seien Neugierde und Offenheit. Trotz dieser Ansprüche: Probleme, genügend Mentoren zu finden, habe sie noch nie gehabt, sagt Haldimann. «Die Studenten profitieren ja auch von den Tandems.» So könnten auch die Mentoren von den Schülern lernen, zudem mache sich ein solches Engagement gut im Lebenslauf. «Das Projekt ist zwar für alle offen, zwei Drittel der Studierenden kommen aber von der Psychologie her.»

Verschiedene Beziehungen

Damit die gleichgeschlechtlichen Tandems auch passen, lernen sich Mentor und Schüler bei einem Speeddating kennen und können danach ihre Wünsche angeben. Mit den bisherigen Ergebnissen aus Bern ist Nina Haldimann zufrieden, auch wenn sie noch keine abschliessende Bilanz geben kann. Zwar habe es einige Abbrüche gegeben, die grosse Mehrheit funktioniere aber gut. «Manche haben eine Arbeitsbeziehung, da geht es vor allem darum, eine Lehrstelle zu finden. Andere hingegen unternehmen auch in der Freizeit etwas zusammen; da nehmen die Studierenden wirklich die Rolle der älteren Geschwister ein.» Solche Beziehungen seien sehr wertvoll, betont Haldimann, denn: «Uns ist nicht nur die Lehrstelle wichtig, sondern auch, dass sie sich Kompetenzen wie etwa Selbstverantwortung oder Selbstbewusstsein aneignen.»

Zur Organisation

Drei Standortvereine sind im Aufbau

Dank Beiträgen von Stiftungen, Förderern und der öffentlichen Hand verfügt die Dachorganisation «Rock your Life Schweiz» heute über 230 bezahlte Stellenprozente. Sie kümmert sich hauptsächlich um die Ausbildung der Mentoren, die Weiterentwicklung des Projekts und den Aufbau von Standortvereinen. Solche bestehen bereits in Bern, Zürich und St.Gallen; in Basel, Winterthur und Freiburg sind sie im Aufbau. Die ehrenamtlichen Vereine sind zuständig für das operative Geschäft, also für die Suche nach interessierten Jugendlichen, die Gewinnung von Studenten, die Zusammensetzung der Tandems und die weitere Betreuung.rb