ZÜRICH 30.12.2017

Geduld ist gefragt am Tellerrand

Ein neues Lernspiel der Jungwacht Blauring befasst sich mit der ungleichmässigen Verteilung der Lebensmittel auf der Erde und der Frage, wieso es Arm und Reich gibt.

«Blick über den Tellerrand» heisst ein neues Lernspiel, das die katholische Kinder- und Jugendorganisation Jungwacht Blauring zusammen mit Fastenopfer entwickelt und auf den Markt gebracht hat. Die Redaktorin Regula Pfeifer hat es mit ihrer Familie getestet und gemerkt: Man lernt einiges, muss dafür aber viel Zeit und Leselust aufbringen.

Die Weltkarte in der Mitte

Wer die meisten Velokilometer fährt, darf das Spiel beginnen. So heisst es in der Anleitung des Spiels. «Das bin ich», ruft der kleine Nadim und nimmt den Würfel an sich. Eine Familie soll das Spiel testen, das die Jubla auf den Markt gebracht hat, war der Auftrag der Redaktion. Nun sitzt Familie Pfeifer auf dem Boden, den Karton mit dem Weltkarte-Teller in der Mitte, jeder mit einer Karte, dem «Food-Recycling-Ausweis» vor sich.

Abwechselnd würfelt man und bewegt dann die Figuren auf den Kreisen im Teller. Nadim würfelt eine Drei. Seine Figur hält auf einem roten Punkt. «In der Schweiz wird in der Regel 10,2 Prozent des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben», heisst es auf der gezogenen roten Ratekarte. Nun solle man schätzen, wie viel dafür auf den Philippinen ausgegeben wird. Das muss viel mehr sein, finden die Eltern und tippen gemeinsam mit Nadim auf 80 oder 90  Prozent. Nun ist die Anleitung gefragt. Der entsprechende Punkt zeigt: Es sind doch nur 36 Prozent. Immerhin dreimal so viel wie in der Schweiz.

Die achtjährige Tochter Amalia interessiert das Gerede weniger. Sie schnappt sich den Würfel, nimmt Anlauf und purzelt damit durch den Wohnraum. Eine Sechs. Abgezählt, landet sie auf Grün, zückt also eine grüne Fragekarte, und zwar eine zum Thema «Einkaufen auf den Philip­pinen». Die ganze Karte voller Text. Das ist zu viel für die Zweitklässlerin. Mami muss übernehmen. «Du lebst mit deiner Familie in einem kleinen Dorf auf Mindanao, einer philippinischen Insel. Wo erledigst du deine Wocheneinkäufe?», liest die Mutter vor. Fünf Wahlmöglichkeiten sind aufgezählt. Amalia tippt zur allgemeinen Überraschung richtig: Auf dem Markt im Quartier, und das Gemüse baut sie selber an. Stimmt.

Flair für Soziales ist wichtig

Viel Lesen ist angesagt in diesem Spiel, denn jede Aufgabe und jede Lösung muss nachgeschlagen werden. Ein Spiel also für Lese- und Wissenshungrige und für Menschen mit einem Flair für ökologische und soziale Zusammenhänge. Doch ab und zu gibt es überraschende Belohnungen. Etwa wenn jemand eine Karte zieht, worauf er oder sie quasi aus dem Nichts heraus für nachhaltiges Verhalten gelobt wird – und dafür ein «Goodie» kriegt.

Dieses Kartonteilchen – mit gezeichnetem Lebensmittel darauf – legt man auf seinen persönlichen «Food-Recycling-Ausweis», sofern dort ebendieses Lebensmittel hingemalt ist. Wer die Karte voll hat, hat gewonnen. De facto heisst das aber: Wer am meisten Teilchen hat, hat gewonnen. Denn nach einer Stunde hat die Testfamilie erst etwa einen Drittel des Spiels durchgespielt.

kath.ch