Düdingen 11.01.2018

Aus 22 Tonnen Schnee entsteht ein Kunstwerk

Das Modell für die Skulptur «Schlüsselmoment».
Mit viel Enthusiasmus und einem ehrgeizigen Konzept reist das Schweizer Team mit den zwei Düdinger Steinbildhauern an den Schneeskulpturen-Wettbewerb in Colorado. Dort baut es aus 32 Kubikmetern Schnee die Skulptur «Schlüsselmoment».

Es ist bereits das 15. Mal, dass die beiden Düdinger Steinbildhauer Daniel Kälin und Michael Wymann an einem Internationalen Schneeskulpturen-Wettbewerb teilnehmen. Und es ist das achte Mal, dass sie mit ihren Berufskollegen Daniel Christen aus Rothrist und Marcel Freiburg­haus aus Lyss in den Wintersportort Breckenridge im amerikanischen Bundesstaat Colorado reisen, um aus 22 Tonnen Schnee ein eisig-kaltes Kunstwerk zu schaffen.

Es wäre einfacher gegangen

Die vier haben sich wiederum viel vorgenommen. Eigentlich wüssten sie aus den Erfahrungen früherer Jahre, dass figürliche Skulpturen bei den Amerikanern viel besser ankommen als abstrakte Werke. «Doch wir wollten uns treu bleiben», sagt Daniel Kälin. Das heisst übersetzt, dass die vier auch dieses Mal eine aufwendige Form ausgetüftelt haben, die nicht nur ästhetisch gut aussieht, sondern auch in der technischen Umsetzung anspruchsvoll ist. «Schlüsselmoment» heisst die Skulptur, die am Ende des knapp vier Tage dauernden Wettbewerbs von der Jury und dem Publikum bewertet wird. Als Ausgangsmaterial steht ein Block von gepresstem Schnee mit den Dimensionen 3x3x3,5 Metern zur Verfügung. Die Skulptur besteht aus drei Pfeilern, die in verschiedene Richtungen zeigen und in der Mitte von einem ufo-ähnlichen Oval zusammengehalten werden. Dieses symbolisiert einen Moment im Leben eines Menschen, in dem sich der weitere Lebensweg entscheidet – der Schlüsselmoment. Die Pfeiler stehen für die Richtungen, in die sich das Leben weiterentwickeln kann.

40 Teams aus der ganzen Welt haben sich letzten Sommer für den Wettbewerb beworben. 16 bekamen die Zusage. Als das Schweizer Team im Herbst grünes Licht erhielt, fing die Detailplanung an. «Denn ein Grossteil der Arbeit geschieht zu Hause», verrät Daniel Kälin. Ausgehend von einer Grundidee, welche die vier Künstler zu Papier gebracht haben, wurde ein Tonmodell angefertigt. «Diese grobe Lehmfigur haben wir von allen Seiten fotografiert. So haben wir gesehen, was funktioniert und wo wir unsere Vorstellung anpassen müssen.» Nach diversen Änderungen haben sie eine genaue Zeichnung des Modells angefertigt. Diese technische Skizze enthält Angaben über die genaue Linienführung, über Ecken und Winkel. «Das hilft uns später vor Ort bei der Arbeit am Block.» Gerade für die Details sei es wichtig, die Übersicht zu behalten. «Einer von uns wird immer wieder ein paar Schritte zurücktreten müssen, um die anderen zu instruieren. Denn nur aus der Distanz wird ersichtlich, ob die Linien der Pfeiler stimmen.»

Wetter als Knackpunkt

Daniel Kälin und Michael Wymann sind zuversichtlich, dass ihr Team das aufwendige Projekt umsetzen kann. Ein Knackpunkt wird das Wetter sein. Bei der letzten Teilnahme am Schneeskulpturenwettbewerb in Breckenridge vor zwei Jahren sind die Temperaturen gegen Ende stark angestiegen. Die vier mussten bis kurz vor der Jurierung bangen, dass ihre Figur der Wärme standhält. Am Ende hat es knapp gereicht und das Schweizer Team erreichte den zweiten Platz (die FN berichteten).