14.02.2018

Ich sehe Gespenster

5545 Seelen leben in Wünnewil-Flamatt. Sagt die Einwohnerstatistik. Was sie nicht sagt: Dass da noch mindestens zwei Dutzend Arme Seelen umhergeistern. Eigentlich tot, aber trotzdem unheimlich lebendig, irgendwie. Und darum statistisch schwer einzuordnen. Was aber nichts daran ändert, dass sie da sind.

Schon mehrmals etwa habe ich den «Pfarrverweser» beobachtet. Läuten am Samstagabend die Kirchenglocken zur Messe, eilt er mit flatternder Soutane und irrem Blick vom Pfaffenholz in Richtung Pfarrkirche. Und wehe dem, der nicht schnell genug ausweicht, durch den geht der ruhelose Geistliche durch wie ein kalter Lufthauch durch eine offene Türe. Und noch Wochen später erwachen die Betroffenen nachts schweissgebadet und murmeln lateinische Messformeln vor sich hin. Was ein Hinweis ist, dass es sich um einen vorkonziliären Geist handeln muss. Über die Gründe für seine Verdammnis lässt sich nur mutmassen. Ich tippe auf Trunksucht oder Hurerei. Oder Unzucht im Suff.

Item. Von den Verantwortlichen gerne totgeschwiegen wird, dass seit jeher auf dem Golfplatz Blumisberg ein seltener Cousin des gemeinen Irrlichts sein Unwesen treibt – das Irrloch. Dieses – nicht so hell, aber genauso arglistig wie das Irrlicht – geistert zwischen dem 12. und 13. Loch herum und hat mit seiner unsteten Art schon manchen gestandenen Golfer um den Verstand und die Platzreife gebracht. Die bekannten Abwehrzauber wirken übrigens beim Irrloch nicht, sondern können auf denjenigen zurückfallen, der sie ausspricht. Aber ein Gegrüsstseistdumaria ist sicher nicht verkehrt.

Gar polizeilich aktenkundig geworden ist die unholde Jungfrau von Staffels. Diese Spukgestalt macht sich einen besonderen Spass daraus, in Vollmondnächten auf der Brücke über die Autobahn entgeisterten Autofahrern ihren entblössten Hintern entgegenzustrecken – laut Überlebenden ein schaurig-schöner Anblick, der Autos gleichermassen ins Schleudern bringt wie die Libido ihrer Lenker.

Den Hund von Bagewil und den hingemeuchelten Müllersknecht aus dem Mülital habe ich jetzt noch gar nicht erwähnt. Und auch den Poltergeist nicht, der sich im Kegelsaal des Köbù mit lautem Rumpeln bemerkbar macht, wenn oben die Cäcilienchörler ihr letztes Herrgöttli trinken.

Nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen: Ich habe nichts gegen die Geister; ich bin im Gegenteil ganz begeistert davon, was es zwischen Himmel und Erde alles gibt. Trotzdem hätte ich es nur fair gefunden, wenn der Gemeinderat uns beim Neuzuzügerabend zumindest in Grundzügen über diese Alteingesessenen der Gemeinde aufgeklärt hätte.