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Als Diebin ertappt – Ein Selbstversuch

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: irmgard Lehmann

Soll ich oder soll ich nicht? Einmal im Leben einen Diebstahl begehen, um endlich zu wissen, wie das so ist. Um zu wissen, wie man sich als – sonst doch recht ehrbarer – Mensch fühlt, wenn man sich in kriminelle Abgründe begibt.

So betrete ich also an jenem Mittwoch mit klarer Absicht eine Migros der Stadt Freiburg. Doch kaum stehe ich hinter der Schranke, befallen mich ernsthafte Zweifel über mein verwerfliches Vorhaben. Was, wenn mich Bekannte oder gar Freunde sehen? Was denken die Leser, wenn so etwas in der Zeitung steht? Wird man mir glauben, dass dies nur ein Testlauf für einen Artikel sein soll? Was wenn meine Lieben von der Tat erfahren?

Der Mut verlässt mich. Ich mache kehrt und setze mich ins nächste Restaurant. Bestelle ein Glas Wein in der Hoffnung, dass damit ein paar dieser offenbar natürlichen Hemmschwellen fallen.

Tatsächlich. Der erneute Anlauf gelingt. Zielgerichtet steure ich auf die Parfumerie-Abteilung zu. Inspiziere die Lippenstifte. Wenn schon, so will ich einen klauen, der auch passt, und umklammere den rosaroten. Jetzt folgt der heisse Teil: Ungeschoren durch das Kassenareal zu kommen, das ist die Kunst. Mit einem Einkauf, so denke ich, müsste es gelingen. Für etwa 30 Franken fülle ich den Korb.

An der Kasse lege ich meine Einkäufe aufs Band. Mein Herz pocht, der Blick starr, die Hände schweissgebadet, das gestohlene Gut fest im Griff. Die Kassiererin hockt da, unbeteiligt, fragt nichts, schaut nicht. «Geschafft!» juble ich innerlich. «Euer Sicherheitssystem ist für die Katz.»

Doch weit gefehlt. Mein hastiger Schritt Richtung Ausgang wird abrupt abgebremst. Eine blonde Frau mittleren Alters stürzt aus einer Seitentüre, steht plötzlich vor mir, hebt leicht den rechten Arm – als ob sie mich stützen müsste – und bittet mich in herzlichem Ton, ihr doch zu folgen. In einem schmalen Raum endet der kurze Horrortrip.

Dort steht ein Tisch mit Stuhl: eine Gefängniszelle. «Zeigen Sie mir doch die Quittung Ihrer Einkäufe», fordert sie mich auf. Beschämt folge ich ihren Anweisungen. «Den Lippenstift, den Sie da in der Hand halten, haben Sie nicht bezahlt», sagt sie. «Warum?» Ich stottere etwas zusammen, habe ich doch bei meiner mentalen Vorbereitung solche Fragen nicht in Erwägung gezogen. «Sie müssen diesen Lippenstift bezahlen plus eine Busse», sagt sie mit zurückhaltender, aber äusserst freundlicher Stimme.

Ich blättere die Noten hin, stumm, beschämt. 50 Franken Busse und Fr. 6.50 für den Lippenstift. Eine ihrer Kolleginnen erscheint und kassiert ein. Ein weiteres Mal spüre ich die unausgesprochene Verachtung. Ich, die Frevlerin, geächtet von Migros-Angestellten. Doch nicht genug. Aus der Schublade zieht die eine ein grosses Buch, trägt Name, Zivilstand und Wohnadresse ein. «Sie sind nun registriert und bei Wiederholung reichen wir Strafklage ein», sagt sie in bestimmt scharfem Ton. «Und Ihr Beruf?» fragt sie noch. «Journa- listin», sage ich. «Was?» entfährt es ihr. Ich erkläre. Dies sei ein Testlauf …

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