Archiv 27.10.2004

«Die Jungen wollen sich engagieren»

«Die Jungen wollen sich engagieren»

Jugendraum Tafers wird am Samstag wieder geöffnet

Vor knapp einem halben Jahr hat David Aebischer die Tätigkeit als Jugendarbeiter von Tafers aufgenommen. Er fand den Draht zu den Jugendlichen schnell und konnte zusammen mit ihnen einen ihrer grössten Wünsche erfüllen: die Wiedereröffnung des «Rümli».

Von IMELDA RUFFIEUX

David Aebischer ist die Aufgabe eines Jugendarbeiters etwa gleich angegangen, wie er auch seine früheren beruflichen Projekte angepackt hat. Das 20-Prozent-Pensum reichte kaum aus, um die Ideen umzusetzen, mit denen er an die neue Herausforderung ging. «Es macht mir viel Spass, mich mit den Jugendlichen zu beschäftigen.»

Wie Erwachsene behandeln

Durch seine bisherige berufliche Laufbahn (Inhaber einer Musik-Agentur, einer Musikschule und eines Tonstudios) hat David Aebischer bereits sehr viele Erfahrungen mit Jugendlichen machen können. Und er war gespannt, wie die Jungen von Tafers auf sein Konzept reagierten. Dieses sieht vor, die Jugendlichen ernst zu nehmen, sie wie Erwachsene zu behandeln, zusammen mit ihnen Pläne zu erarbeiten und sie aber bei ihren Ideen auch auf mögliche Nachteile und Gegenleistungen aufmerksam zu machen.

«Klare Positionen sind wichtig», hält er fest. «Die Jugendlichen haben viele gute Ideen, sie sind aktiv und wollen sich engagieren. Wenn man ihnen zeigt, was man mit Arbeit und Einsatz erreichen kann, dann sind sie zu motivieren.» Er versucht den Jugendlichen deshalb auch ein Stück Lebenserfahrung weiterzugeben. «Nicht zu viel Theorie, sondern eher praxisbezogenes Handeln.»

Online-Umfrage mit grossem Echo

Als Erstes wollte er die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen von Tafers im OS-Alter kennen lernen. Da er seit vier Jahren auch als Web-Designer arbeitet, benutzte er das Internet, um unter den Schülerinnen und Schülern eine Umfrage zu starten. Der Fragebogen stiess auf recht viel Echo, beachtliche 60 Prozent der Befragten gaben eine Antwort.

Hauptthema der Befragung war der Jugendraum, der vor etwa einem Jahr geschlossen worden war, nachdem es zu Problemen (Gewalt, Regelmissachtungen usw.) gekommen war. Den Jugendlichen war es ein Anliegen, dass das «Rümli» bald wieder geöffnet wird - das trat in ihren Antworten klar zu Tage. David Aebischer stellte auch Fragen bezüglich Öffnungszeiten, Einrichtung, Altersbegrenzung, Aufsicht, Aktivitäten und der Bildung eines Jugendteams. Er machte dabei den Jugendlichen auch klar, dass die demokratisch bestimmten Regeln auch von den Minderheiten akzeptiert werden müssen.

Viele wollen mithelfen

Und er appellierte an ihre Mithilfe bei der Umsetzung ihrer Ideen. Mit Erfolg - 28 Jugendliche zeigten sich bereit, sich in irgendeiner Form zu engagieren, ein Ämtli zu übernehmen und damit die Gesamtverantwortung mitzutragen. Daraus entstanden fünf Gruppen mit je fünf bis sechs Jugendlichen.

Das Medien- und Redaktionsteam erarbeitete eine Internetplattform, auf der Jugendliche ihre Meinungen und Wünsche kundtun können und wo jugendspezifische Themen abgehandelt werden. Erst im nächsten Jahr kommt das Ferienpassteam zum Einsatz, wenn den Kindern und Jugendlichen während den Sommerferien eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geboten werden soll.

Jugendraum
ist renoviert

Das Bauteam hatte die Aufgabe, den Jugendraum zu renovieren und neu einzurichten. Die Arbeiten sind jetzt abgeschlossen - wesentlich früher als ursprünglich geplant (siehe auch Kasten). Das Jugendteam übernimmt zusammen mit dem Jugendarbeiter die Verantwortung für den Betrieb des Jugendraums. Dazu gehört beispielsweise auch der Einkauf von Getränken und die Verwaltung der Kasse.

David Aebischer vermittelt den Jugendlichen den Anreiz, ein Projekt nach unternehmerischen Gesichtspunkten anzugehen: Konzept ausarbeiten, Mittel beschaffen, Betrieb organisieren, Probleme bewältigen. Das wird von den Jugendlichen geschätzt. Der Jugendarbeiter ist überzeugt, dass mit diesem Vorgehen der Betrieb im Jugendraum besser laufen wird als in der Vergangenheit, weil die Jugendlichen mitbestimmen können.

Behörden auf dem
Laufenden halten

Zu festen Zeiten (jeweils am Freitagnachmittag) ist der Jugendarbeiter in seinem Büro im Amthaus Tafers erreichbar. Er steht Jugendlichen und Eltern als Ansprechpartner zur Verfügung. Mit seinem Arbeitgeber, der Gemeinde Tafers, wurden die Rahmenbedingungen für seine Tätigkeit festgelegt.

Es sei ihm wichtig, dass der Gemeinderat und die Jugendkommission über die laufenden und geplanten Projekte auf dem Laufenden seien, erklärte David Aebischer. Deshalb unterhält er online ein internes Kommunikationsnetz, zu dem alle Verantwortlichen Zugang haben und auf dem sie individuell die Entwicklung der Projekte in Form einer Checkliste verfolgen können. «Transparenz ist sehr wichtig», hält er fest.
Wiedereröffnung
am Samstag

Am kommenden Samstag, 30., wird der Jugendraum von Tafers im Pfarreizentrum wieder eröffnet werden. Der offizielle Teil findet von 15 bis 18 Uhr statt. Vorerst ist vorgesehen, ihn am Freitagabend von 19 bis 23 Uhr offen zu haben, wie dies die Mehrheit in der Umfrage gewünscht hatte. Wenn es gut läuft, schliesst David Aebischer es nicht aus, das «Rümli» später an einem zweiten oder dritten Tag zu öffnen.

Weitere Informationen zum Jugendraum, zu den Jugendteams und zur Jugendarbeit finden sich unter: www.jugend-tafers.ch im