Millay Hyatt 04.06.2013

Die ungestillte Sehnsucht nach einem eigenen Kind

«Eine ungewollte Kinderlosigkeit ist wie der Verlust eines geliebten Menschen», schreibt Millay Hyatt. In ihrem Buch verarbeitet sie ihre ungestillte Sehnsucht. Sie erfuhr mit 32, dass sie kein Kind bekommen kann.

Millay Hyatt erfuhr mit 32, dass sie kein Kind bekommen kann. Der Wunsch aber ist intensiv. «Ein unerfüllter Kinderwunsch macht etwas mit uns. Er treibt uns um, manchmal bis zur Verzweiflung und zur Grenzüberschreitung», sagt sie. Im Sommer 2012 gab sie dieses Buch heraus; sie ist mittlerweile 39. Sie und ihr Mann, der sich schon als Junge in der Vaterrolle gesehen hat, warten auf den Entscheid einer Adoptionsbehörde.

Erfahrung von anderen

Sie beschreibt die Möglichkeiten von Alternativ- und Reproduktionsmedizin, Leihmutterschaft und Adoption, die sie selber ausprobiert hat, und lässt die Erfahrungen und Bemerkungen von anderen Betroffenen einfliessen. Was treibt diese Menschen an? Wie werden sie mit der Belastung fertig? Welche Rolle spielen dabei Familie, Freunde, die Gesellschaft? Es gehört zum Menschenbild, dass wir Kinder bekommen können und wenn dies nicht der Fall ist, geht es um den Verlust einer Selbstverständlichkeit. «Wir leben in einer Gesellschaft, die von einem grundlegenden Imperativ regiert wird: Du sollst alles haben können, was du begehrst. Und wenn du dich nur genug anstrengst, kannst du alles erreichen, was du dir zum Ziel setzt. Dass es Bereiche gibt, die sich dieser Verfügbarkeit und Kontrolle entziehen, ist umso schwerer zu akzeptieren», sagt die Autorin.

Ungewollte Kinderlosigkeit wird als Versagen empfunden, und Betroffene finden oft keine Worte: «Es fehlt etwas, das dazugehört», sagt die Autorin.

Der Wunsch wandelt sich

Die Autorin fragt sich, ob es ein Recht darauf gibt, ein Kind zu haben. Ist ein Kind ein Geschenk, das mir jemand zukommen lässt (die Medizin, abgebende Eltern, eine Behörde), um den eigenen Wunsch zu erfüllen? Der Wunsch nach einem eigenen Kind wandelt sich und Fragen nach dem Kindswohl stehen im Vordergrund. Sie hat keine grosse Hoffnung auf eine positive Antwort der Adoptionsbehörde und schliesst mit der Botschaft, dass es möglich ist, einen Teil des Wunsches zu erfüllen, wenn zu einem Kind ausserhalb der eigenen Partnerschaft eine tiefe Beziehung aufgebaut werden kann.

Das Buch rüttelt diejenigen auf, die eigene Kinder haben. Man wird sich ihres Wertes einmal mehr bewusst. Es ist aber vor allem ein einfühlsamer Wegbegleiter für alle, die das Schicksal Kinderlosigkeit teilen, und das Umfeld der Betroffenen.

Millay Hyatt stammt aus Dallas, lebt aber seit sie vier Jahre alt ist in Deutschland; sie arbeitet als freie Autorin und Übersetzerin.

Millay Hyatt: «Wenn der Kinderwunsch uns umtreibt», CH. Links, 2012.

Barbara Schwaller-Aebischerist Mitarbeiterin der Bibliothek Tafers.