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Belgier sagen nach 54 Jahren «Vaarwel»

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Die 14-jährigen belgischen Jugendlichen erwecken die Militärkaserne in Schwarzsee seit 1959 jeden Sommer erneut zum Leben. Während zweier Monate verbringen sie in verschiedenen Gruppen zehn Tage in Schwarzsee. Sie gehen wandern, fahren Kajak, machen Spiele in der Natur, unternehmen Ausflüge ins Freiburger Unterland oder auch zweitägige Wanderungen und vieles mehr.

Gestärkt vom Morgenessen im grossen Esssaal sind einige Mädchen an diesem warmen Sommermorgen besonders aufgeregt; für sie geht es heute nach Estavayer-le-Lac zum Wasserskifahren. Einige sind zum ersten Mal in der Schweiz, andere waren schon zum Skifahren hier; zum Beispiel in Leysin. Ihnen gefalle es in Schwarzsee sehr, sehr gut, betonen die Mädchen. Vor allem der See sei toll. Und natürlich auch die Berge, fügen sie nach einem eindringlichen Blick ihrer Leiterin an und lachen.

Berge weniger beliebt

Bart Vanhaecke heisst der Direktor des letzten Sommerlagers, das Intersoc im Sense-Oberland durchführt. «Wir müssen den Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm bieten», sagt der Belgier. Die veränderten Vorlieben der Kinder und Jugendlichen sind mit ein Grund, weshalb Intersoc den Vertrag zur Benützung der Kaserne mit dem Kanton Freiburg vorzeitig aufgelöst hat. Dieser würde bis 2016 laufen. «Sie wollen heute lieber an den Strand oder in Städte wie Rom oder Barcelona», sagt Bart Vanhaecke. Trotzdem verbringen allein diesen Sommer 2365 Jugendliche aus Belgien ein Ferienlager in Schwarzsee. Doch Intersoc führt seit Jahren auch in Fiesch (VS) Lager durch und will sich nun für den Sommer auf diesen Schweizer Standort konzentrieren. «Eine Option für ein Lager mit der Kombination Schweiz/Berge reicht heute aus. Wir können nicht mehr beide Unterkünfte füllen.»

 Es sei schade, dass sie nicht mehr nach Schwarzsee kommen würden, findet Vanhaecke. Er ist lange nicht der einzige Leiter, der bereits als Kind in der Militärkaserne übernachtet hat. Auch der 55-jährige Noël Deprez beispielsweise kam bereits als 12-Jähriger. Er ist einer der vielen Freiwilligen, die das Lager mitorganisieren.

«Es schmerzt»

In all den Jahren sind zwischen den Belgiern und den Plaffeiern Freundschaften entstanden. So geht auch die Verschwisterung Plaffeiens mit der Partnergemeinde Kasterlee auf diese Beziehungen zurück. «Es schmerzt, wenn so etwas nach über 50 Jahren aufgegeben wird», sagt der Plaffeier Ammann Otto Lötscher. Für die Gemeinde sei es ein herber Verlust. «Wir haben zwar das Gespräch gesucht. Aber vielleicht hätten wir schon viel früher etwas unternehmen sollen», hinterfragt Lötscher das Vorgehen des Gemeinderates. Nun hoffe er, dass der Verlust möglichst rasch kompensiert oder eine noch bessere Wertschöpfung generiert werden könne. Die Intention von Staatsrat Erwin Jutzet, die Kaserne in ein Sport- und Freizeitzentrum umzuwandeln (siehe Kasten), würde Otto Lötscher «sehr begrüssen». Schaffe der Staatsrat es zudem, den Zivildienst in die Militärkaserne zu holen, sei dies ein wichtiges finanzielles Fundament, das bisher die Armee sichergestellt hatte. Spätestens ab 2016 gibt auch sie den Standort auf.

Verlust für das Gewerbe

Das Ausbleiben der Intersoc-Lager hat Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Der Kanton hat die Einbussen vor vier Jahren auf 700 000 Franken geschätzt. Dem Staat geht zudem der Mietzins verloren, dem Freiburger Tourismusverband sowie der Gemeinde die Kurtaxen.

 Doch auch die lokalen Unternehmer verlieren Aufträge. So konnten die Metzgereien in Plaffeien und in Oberschrot einen Teil des Fleischs liefern, die Bäckereien Zosso in Zumholz und Fontana in Plaffeien Brot und Gipfeli, und der Laden in Schwarzsee lieferte Früchte und Gemüse. Die Menge habe zwar in den vergangenen Jahren stets abgenommen, erklärt Bäcker Anton Fontana, trotzdem können die Bäckereien diesen Sommer 100 bis 120 Kilogramm Brot pro Tag und am Sonntag jeweils 300 bis 400 Gipfeli in die Kaserne bringen. In zwei Monaten werde so ein Umsatz von 20 000 Franken generiert; im Laden in Schwarzsee ein Umsatz von zirka 15 000 Franken. «Das tut uns weh, das ist klar», sagt der Bäcker zum Weggang der Belgier. Deshalb hofft auch er, dass die Lücke möglichst rasch geschlossen werden kann.

Zukunft der Kaserne: Ein Sport- und Freizeitzentrum?

W eil nicht nur die Intersoc die Kaserne Schwarzsee verlässt, sondern spätestens ab 2016 auch die Schweizer Armee den Standort aufgibt, werden dem Kanton als Besitzer der Anlage Einnahmen fehlen (FN vom 8. Juli). Staatsrat Erwin Jutzet möchte die Militärkaserne deshalb in ein Sport- und Freizeitzentrum umwandeln, wie er Anfang Juli an der Generalversammlung der Kaisereggbahnen Schwarzsee erneut betonte. Dazu müssten gemäss Jutzet jedoch mindestens 20 Millionen Franken in die Erneuerung der Anlage investiert werden. Und für die Deckung der Betriebskosten und Abschreibungen müssen mindestens zwei Millionen Franken Einnahmen pro Jahr generiert werden. Um dies zu realisieren, will der Sicherheits- und Justizdirektor das Bundesamt für Zivildienst ins Sense-Oberland holen. Die Seminare für all jene, die Militärersatzdienst leisten, sollen ab Ende 2015 in Schwarzsee stattfinden. So würden pro Jahr 1 bis 1,5 Millionen Franken generiert.

Jutzet will dem Grossen Rat im Herbst nicht bloss einen Studien-, sondern wenn möglich einen Verpflichtungskredit für das Vorhaben unterbreiten. Angesichts der angespannten Staatsfinanzen müsse er aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten, so Jutzet – unter anderem im Staatsrat selbst. ak

Zahlen und Fakten

Es fehlen 30000 Übernachtungen

Ohne die Intersoc-Lager verliert die Militärkaserne Schwarzsee rund 30000 der insgesamt 40000 Übernachtungen pro Jahr. 5000 weitere kommen durch die Armee zustande, die restlichen 5000 durch andere Vereine. Der Betrieb kostet den Kanton Freiburg jährlich rund 400000 Franken. Hinzu kommen jeweils zwischen 100000 und 400000 Franken für Renovationen. Das Militär bringt Einnahmen von 250000 Franken, durch zivile Gäste fliessen 200000 Franken in die Kasse, davon 140000 Franken durch Intersoc, den Feriendienst der Christlichen Krankenkassen Belgiens.ak

 

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