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«Cardinal hat lange für sich gelebt»

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Für die einen soll es ein Technologiepark mit Start-ups und gewieften Unternehmen werden, andere sehen darin ein neues städtisches Quartier mit Kultur, Dienstleistungen und Gewerbe, und Manche haben das Ziel, darauf neue und gute Steuerzahler anzusiedeln. Eines ist seit der Schliessung der Traditionsbrauerei vor gut einem Jahr sicher: Das 53 000 Quadratmeter grosse Cardinal-Gelände ist von allen Seiten heiss begehrt. Dabei–das meint zumindest die zuständige Projektleitung–ist es noch zu früh, um ein genaues Bild des künftigen Quartiers und seiner Benutzer zu zeichnen.

Wirft man einen Blick über die Stadt- und Kantonsgrenzen hinweg, sieht man, dass auch andere Regionen von ihren einstigen Industrievierteln profitieren wollen. In Lausanne zum Beispiel hat sich der einstige Warenumschlagsplatz, der Flon, mit seinem Schienenverkehr und seinen Lagerhallen zu einem angesagten Stadtteil gemausert.

Zwischennutzungen

Einer, der sich von Beginn an für den Flon eingesetzt hat, ist Urs Zuppinger. Der pensionierte Raum- und Städteplaner hat vor kurzem ein Buch veröffentlicht, in dem er sein Engagement für Lausanne niedergeschrieben hat (siehe Kasten rechts). Eines, sagt er, habe er aus dem zwanzigjährigen Kampf gelernt: «Für solch grosse städtebaulichen Vorhaben braucht es eine partizipative Mitwirkung der Bürger.»

Auch für die Entwicklung des Cardinal-Geländes in Freiburg würde er es begrüssen, wenn die Nachbarn des Grundstücks und allgemein die städtische Bevölkerung sich an der Planung beteiligen könnten. «Doch das wird schwierig sein, denn das Industriegelände hat lange für sich gelebt, es war und ist noch heute völlig von der Stadt abgeschlossen. Wer würde sich da überhaupt angesprochen fühlen?» Im Flonquartier hingegen habe es stets Zwischennutzungen und damit betroffene Bewohner gegeben, selbst, als die kommunale Planung mehrere Jahre stecken geblieben war. «Der Flon hat immer zum Stadtzentrum gehört, auch wenn er offiziell nicht als solches anerkannt wurde», so Zuppinger, der selbst in der Nähe des Quartiers wohnt. Für das Cardinal-Gelände hatten die Vertreter von Kanton und Stadt anfangs Jahr einen offenen Ideenwettbewerb veranstaltet, 150 Private und professionelle Büros beteiligten sich. «Das ist eine gute Idee», findet Urs Zuppinger, «die weitergeführt werden sollte.»

In gewissen Momenten werde das auch der Fall sein, sagt Jean-Luc Mossier, Direktor der Wirtschaftsförderung und Präsident der Bluefactory-Projektleitung. «Wir sind immer offen, wenn es um neue Ideen für die Nutzung des Areals geht.» Hingegen seien die kommenden Schritte–ein Städtebauwettbewerb, die Änderung des Quartierplans und ein Architekturwettbewerb–auf Professionelle beschränkt. «Es sind eher technische und komplizierte Etappen, wo es Fachkundige braucht.»

Räumliche Grenzen

Der für September geplante Städtebauwettbewerb soll laut Mossier die urbanen Linien des künftigen Areals festlegen: «Wo soll es Ein- und Ausgänge geben, wie wird der Verkehrsfluss aussehen, wird es Fussgängerwege, Grünflächen geben, wie viele Neubauten sind auf dem Gelände möglich und in welcher Konstellation?» Die Teilnehmer sollen sich auch Gedanken machen über die Einbindung der umliegenden Verkehrsachsen, von der Perolles-Allee bis zum Bahnhof.

Seitens der Stadt hofft man, dass die Quartiere südwestlich des Bahnhofs dank des Cardinal-Geländes eine neue Einheit und Ausstrahlung erhalten. Doch der pensionierte Städtebauer ist skeptisch. «Sowohl die Eisenbahnlinie als auch das Strassennetz grenzen das Gebiet stark ab.

Dazu kommt der Höhenunterschied zum Beaumontquartier», meint er weiter. Insgesamt seien das Perolles- und das Beaumontquartier stark vom Zentrum abgetrennt. Zuppinger ist überzeugt, dass die geschichtliche und räumliche Abschottung überwunden werden muss, wenn man auf dem Areal neben dem wissenschaftlichen Leben auch ein städtisches schaffen will. «Es besteht eine gewisse Chance, dass eine gemischte Nutzung zustande kommt–wenn man ihr genügend Raum lässt.» Wichtiger als eine Debatte darüber, wie das Gelände genutzt werden solle, sei für ihn deshalb die Frage, wie es in das bestehende städtische Umfeld integriert werde.

Flon-Kampf: «Jeder hielt uns für verrückt»

A ls das Flonquartier, ein ehemaliger Warenumschlagsplatz aus dem 19. Jahrhundert, 1984 abgerissen werden sollte, stellten sich Urs Zuppinger und seine Frau Agneta quer. «Sie hatten eine vierspurige Schnellstrasse quer durchs Quartier geplant, um den Zugang zu den Einkaufszentren im Stadtkern zu erleichtern», erklärt er. Gegen diesen, aus heutiger Sicht irrwitzigen Plan ergriff das Paar, unterstützt durch Anwohner und Lokalpolitiker, das Referendum. Im Gegensatz zum Kanton Freiburg ist es im Waadtland möglich, eine Volksabstimmung über Bebauungspläne zu fordern. «Trotzdem», so Zuppinger, «hielt uns jeder für verrückt.»

Trotz niedriger Beteiligung gewannen die Opponenten die Abstimmung – «und die Häuser wurden einstweilen nicht abgerissen», meint der heute 73-Jährige stolz. Doch damit kam auch ein jahrelanges Tauziehen mit den Stadtbehörden auf die beiden zu. Schliesslich trat im Jahr 2000 ein Plan in Kraft – und ein anderer Verwalter übernahm die Zügel des fünf Hektar grossen Areals. «Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hatte Paul Rambert ein städtebauliches Entwicklungsprofil für das Quartier.» Dann sei es schnell gegangen: «Innert zehn Jahren hat der Grundeigentümer 250 Millionen Franken investiert.»

Pubertäres Quartier

«Das Quartier steckt jetzt wie in der Pubertät», meint Zuppinger, «wer weiss, in welche Richtung es in Zukunft gehen wird.» Auch wenn es heute nicht unbedingt dem entspreche, was sich Zuppinger einst vorgestellt hatte – er sei vor allem froh, die Abrisspläne verhindert zu haben. Denn sonst würde es den Stadtteil überhaupt nicht mehr geben. cf

Urs Zuppinger: «Luttes-ô-Flon» (franz.), Editions d’En bas, Lausanne (2012).

Stanislas Rück: Genügend Platz für Wünsche von Stadt und Kanton

D er Flon ist nicht Cardinal, und Cardinal wird sich sicher nicht genau wie der Flon entwickeln. Aber der Vergleich zeigt, wie aus einer abgetrennten Industriezone ein lebendiges Stadtquartier werden kann – und welche Herausforderungen der Wandel in sich birgt.» Stanislas Rück (CVP), Präsident der Baukommission im Freiburger Generalrat und selbst Architekt, ahnt, was in den nächsten Jahren auf die Stadt und ihre letzte Industriebrache zukommt. «Stadt und Kanton werden für Studien und Wettbewerbe viel Geld ausgeben.» Ende Juni hat er deshalb einen Besuch des Flonquartiers organisiert, um mit den Kommissionsmitgliedern ein städtebauliches Beispiel zu erleben.

Denn wenn man Kredite bewilligen müsse, sollte die Stadt ihre eigenen Interessen einbringen, meint Rück. Das heisst für ihn: «Auf dem Cardinal-Gelände soll ein lebendiges Quartier entstehen.» Die Idee des Kantons, einen Technologiepark zu errichten, entspreche sicher einem dringenden, wirtschaftspolitischen Bedürfnis. Aber: «Wir brauchen mehr als eine Denkfabrik, die um 17 Uhr und an den Wochenenden dichtmacht.» Die Stadt brauche zudem Steuerzahler – «deshalb sollte man einen Anteil Wohnungen nicht von vornherein ausschliessen». Anwohner, aber auch Kultur und Gewerbe würden dafür sorgen, dass das Areal auch nach dem Uni- und Arbeitstag nicht vereinsame.

Städtische Verantwortung

Der Architekt ist überzeugt: Auf dem fünf Hektar grossen Gelände wäre genügend Platz für die Visionen des Kantons und die Wünsche der Stadt – wenn sich denn die Gemeinde stärker in den Planungsprozess einbringen würde. «Ich habe Zweifel, ob die Stadt heute ihre Verantwortung genügend wahrnimmt», meint Rück, womit er niemandem einen Vorwurf machen wolle. Er hoffe dennoch, dass sich Freiburg an der Entwicklung des Flons ein Beispiel nimmt. cf

Jean-Luc Mossier: Kein abgeschirmter Park, sondern ein offenes Quartier

Die Planer des Technologiequartiers haben sich ebenfalls von anderen Orten inspirieren lassen. Jean-Luc Mossier, Direktor der Freiburger Wirtschaftsförderung und Präsident der Bluefactory-Projektleitung, hatte dabei oft den Innovationspark der ETH Lausanne vor Augen. Das Freiburger Gelände müsste jedoch besser mit den städtischen Strukturen verbunden werden, meint auch Mossier. «Etwa so, wie es im Flonquartier geschehen ist – auch wenn es kein Technopark ist.»

Damit aus den Infrastrukturen tatsächlich ein offenes Areal werden kann, wird noch 2012 ein Städtebauwettbewerb durchgeführt. «Daraus ergibt sich der Masterplan, der die Bauetappen festlegt. Erst wenn klar ist, auf welchem Teil des Geländes die Arbeiten beginnen, findet ein Architekturwettbewerb statt», erklärt Mossier. Dann werde man klären, welchen Einfluss das Quartier auf die Stadt haben wird.

Kein Verständnis

Welche Firmen genau in das Quartier einziehen werden, kann erst nach der Bauphase entschieden werden. Dass dieses Warten manche verunsichert, versteht Mossier. Hingegen hat er für die Forderung, neben einem Innovationsquartier auch Wohnraum zu schaffen, kein Verständnis. «Rund um das Cardinal-Areal werden derzeit genügend Wohnungen gebaut», so der Präsident. Das Gelände sei gerade gross genug und dürfe nicht noch in zwei Teile – für Firmen und für Wohnungen – zerrissen werden. «Hingegen wäre es möglich, Wohnraum im Rahmen der projektierten Projekte zu schaffen.»

Bis das Quartier sein neues Gesicht erhält, soll die Anlage aber nicht leerstehen. Ab September wird unter anderem das Förderprogramm Fri Up auf das Gelände ziehen. Weitere Projekte, die aus dem Ideenwettbewerb hervorgegangen sind, sind laut Mossier weit vorangeschritten und haben gute Chancen, es auf das Gelände zu schaffen. cf

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