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Der Hohberg rutscht langsamer

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Hellgelbe Schlüsselblumen und dunkelgelbe Sumpfdotterblumen blühen auf der abfallenden Wiese, es riecht nach Minze und frischem Gras: eine Alp in der Frühlingssonne. Doch so bald werden hier keine Rinder weiden. Am Boden tun sich Risse wie Gletscherspalten auf, Wurzeln ragen in die Luft, Zaunpfähle schweben über dem Boden, Bäume und Telefonmasten stehen schief. Die Alp befindet sich am Hohberg, wo sich seit Februar 23  Millionen Kubikmeter Erdmasse gen Tal bewegen (die FN berichteten).

«Hier Tiere draufzulassen wird sehr schwierig», sagt Franz Thalmann, Förster und lokaler Naturgefahrenberater, und zeigt auf das von tiefen Furchen durchzogene Stück Wiese. An anderen Orten könne man die Risse mit dem Bagger auffüllen oder auszäunen. Aber nicht überall wird das möglich sein. Die Folgen der Grossrutschung am Hohberg sind nur zu gut sichtbar.

Hintergründe erklären

Thalmann und weitere Experten informieren an diesem sonnigen Freitagnachmittag die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers Ge­rend­ach­erli während einer rund dreistündigen Begehung über die Hintergründe der Grossrutschung. Die Anwohner haben diesen Winter die Folgen davon hautnah erlebt: Auf ihren Vorplätzen bildeten sich Asphaltwülste, in ihren Häusern fielen Türen von selbst zu. Rund dreissig Interessierte sind gekommen und hören den Ausführungen Thalmanns interessiert zu. Die Stimmung ist entspannt; staunend und ehrfürchtig zugleich betrachten die Teilnehmer einen gespaltenen Baum.

«Ich habe gemerkt, dass viele Betroffene nicht verstehen, was hier genau passiert», sagt Thalmann nach dem Rundgang im Gespräch mit den FN. Mit dem Anlass habe man Klarheit schaffen wollen. Zwei gute Nachrichten hat Thalmann für die Anwohner. Die erste: Der Hohberg hat sich in den letzten elf Tagen zwar nicht stillgehalten, bewegt sich gemäss mehreren Messungen aber deutlich langsamer. Rutschte er zu Beginn noch um gut einen Meter pro Tag, so sind es momentan ein bis zwei Zentimeter oder noch weniger.

Einen Grund dafür sieht Thalmann im trockenen und warmen Frühling: Dadurch sei viel Schnee direkt verdunstet, statt ins Tal zu kommen, und die Schneeschmelze sei glimpflicher abgelaufen als befürchtet. Thalmann erwartet, dass sich die Lage bis im Juni weiter beruhigt. Es sei möglich, dass der Hang dann zehn bis zwanzig Jahre ruhig bleibe – mit Sicherheit könne er das aber nicht sagen. «Wir sind keine Propheten.»

Die zweite gute Nachricht: Ein grosser Erdrutsch, dass also der ganze Hang auf einmal runterkommt, sei praktisch unmöglich. Dafür sei das Gelände zu flach und zu weitläufig. Einzelne Murgänge nach Gewittern seien allerdings nicht auszuschliessen.

Stabilisierung sehr schwierig

Auf die guten Nachrichten folgt aber auch eine schlechte: Den Hang langfristig zu stabilisieren ist nicht möglich. «Der Untergrund besteht bis in siebzig Meter Tiefe aus Flysch und Sandstein», erklärt Bernard Loup, Geologe beim Bundesamt für Umwelt. Bis in 20  Metern Tiefe ist er in Bewegung. Eine Verankerung in diesem lehmigen Boden sei sehr schwierig. Nach der letzten grossen Rutschung 1998 bis 2001 habe man diverse Varianten studiert, jedoch keine langfristige Lösung gefunden.

Einzig das Graben von Drainagen hilft etwas. Sie verhindern, dass das Wasser versickert und den Hang noch in­stabiler macht. «Immerhin hat das 20  Jahre lang genützt», sagt Thalmann. Nun bleibt nur zu hoffen, dass der Berg weitere Jahre stillbleibt.

Infoanlass zum Hangrutsch: Hotel Alpenclub, Plaffeien. Mi., 9. Mai, 19 Uhr.

Erdgeschichte

Instabil seit der letzten Eiszeit

Am Hohberg haben Geologen in den letzten Jahren diverse Studien durchgeführt. Sie wollen herausfinden, wie der Boden beschaffen ist, um dadurch mehr über die Rutschung zu erfahren.

Bei Bohrungen im Gebiet sei man auf Holz gestossen, das 13 600 Jahre alt sei, sagt Geologe Bernard Loup. «Das zeugt von einer sehr langen Rutschgeschichte», erklärt er. Man gehe davon aus, dass der Hang seit dem Rückzug der Gletscher nach der letzten Eiszeit instabil sei. Dies liege am sehr heterogenen Boden aus wasserundurchlässigem, lehmigem Flysch und Sandstein.

nas

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