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Der Wunsch nach mehr Akzeptanz

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Karin Aebischer

«Heute habe ich mich und mein Leben einigermassen im Griff. Jetzt fange ich zu leben an», sagt die 44-jährige Anna J. Die vergangenen 20 Jahre ihres Lebens habe sie damit verbracht, den sexuellen Missbrauch, der ihr als Kind wiederfahren ist, zu verarbeiten.

Anna J. wurde als Elfjährige von ihrem fünf Jahre älteren Stiefbruder während drei Jahren regelmässig sexuell missbraucht. Ihre Stiefmutter schaute weg. Das traumatisierte Mädchen bekam Probleme in der Schule, war zusehends unkonzentriert und tischte den Lehrern oft Lügen auf, um ihre blauen Flecken zu erklären. «Man lügt, um zu überleben. Das ist ein Muster, das lange haften bleibt. Auch als Erwachsene wird man zur Schauspielerin», sagt Anna J.

Lange verheimlicht

Bis zum 35. Lebensjahr hat sie für sich behalten, was ihr als Kind angetan wurde. Heute kennen mittlerweile die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Horizont, mit denen sie sich seit bald vier Jahren regelmässig in Düdingen trifft, ihre Geschichte.

Mit «Wow, endlich!», beschreibt sie rückblickend ihre Gefühle beim ersten Treffen mit der Gruppe. «Ich konnte zum ersten Mal ohne Schamgefühle darüber reden. Man wird respektiert und verurteilt einander nicht.» Im Unterschied zu einem Gespräch mit einem Therapeuten fühle man sich nicht als Klient, sondern als vollwertiger Mensch. «Wir sind alles Betroffene, die eine Strategie zum Weiterleben entwickelt haben. In diesem Sinne sind wir alle Experten auf diesem Gebiet», meint sie.

In den Gruppengesprächen wird spontan eine Thematik aufgegriffen, die sich aus dem Wochenrückblick der Teilnehmerinnen ergibt. «Es ist für mich sehr lehrreich zu hören, wie andere z. B. mit Wut umgehen. Ich nehme immer etwas mit und gehe jedes Mal gestärkt hinaus», sagt Anna J.

In diesem geschützten Rahmen werde auch viel zusammen gelacht. «Wir reiten nicht auf der Vergangenheit herum, sondern analysieren das Hier und Jetzt.»

Viele Opfer von sexuellem Missbrauch im Kindesalter hätten als Erwachsene u. a. mit Spätfolgen wie einem tiefen Selbstwertgefühl, Panikattacken, chronischer Müdigkeit, chronischen körperlichen Beschwerden oder Zwangsstörungen zu leiden. «Uns verbindet eine innere Einsamkeit, die sich wie ein roter Faden durchs Leben zieht», sagt Anna J.

Wären da nicht die gesellschaftlichen Auswirkungen und die Verantwortung für ihre 19-jährige Tochter, würde sich Anna J. mit richtigem Namen und Bild in der Zeitung outen, um sich für andere Opfer sexuellen Missbrauchs einsetzen zu können. «Doch das ist leider heute noch nicht möglich, wir müssen uns immer noch vor der Verachtung schützen, werden von der Gesellschaft nicht ernst genommen und fallen so in die Opferrolle zurück», bedauert sie.

Trotzdem hält sie an ihrem grossen Wunsch fest, «dass es ganz normal wird, über das Kindheitstrauma des sexuellen Missbrauchs zu reden». Sie ist überzeugt, dass man dadurch viel mehr Kinder vor Übergriffen schützen oder sie frühzeitig daraus retten könnte. «Weil man aber über die Signale nicht Bescheid weiss, werden sie auch nicht erkannt.»

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