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Die grosse Galerie des Lachens

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Die grosse Galerie des Lachens

Autor: ANGELICA TSCHACHTLI

Die meisten von uns lachen täglich; das Lächeln ist der häufigste Gesichtsausdruck. Die seit einigen Jahrzehnten boomenden wissenschaftlichen Forschungen unterscheiden rund 20 Arten des Lächelns. Doch Lachen drückt ganz verschiedene Emotionen aus, von Freude über Scham bis zur Aggression, und manchmal gar keine, wie Höflichkeitslächeln. Die derzeit gezeigte Ausstellung in Lausanne und der Katalog dazu nehmen davon leider keine Kenntnis. Mit der üblichen frankophonen Verve werden alte philosophische Konzepte wieder aufgewärmt. Das ist mit ein Grund, dass die Ausstellung manchmal etwas verwirrt und irritierend wirkt. Doch die vielen unterschiedlichen Eindrücke sind auch anregend.

85 Künstler stellen aus

«In der Kunst war das Lachen bisher nur ein Randthema, nicht aber in der Literatur oder der Psychologie», erklärte Bernard Fibicher, Direktor des Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne und Co-Kurator der Ausstellung «Incongru. Quand l’art fait rire» («Inkongruenz. Wenn die Kunst zum Lachen auslöst») anlässlich der Eröffnung. «Doch in der zeitgenössischen Kunst ist das Thema zurzeit enorm präsent.» Ein guter Grund, dies zusammen mit einem historischen Rückblick auf die letzten 300 Jahre Kunstgeschichte in einer grossen Ausstellung zu thematisieren. Von 85 internationalen Künstlern sind Gemälde, Fotografien, Videos, Wandzeichnungen, Skulpturen und Installationen zu sehen.

Verteilt auf zehn Räume wird nicht einfach eine Geschichte des Lachens, sondern werden sieben Kapitel und mehrere Einzel-Installationen, welche die Vielschichtigkeit des mit viel «Kunst» ausgelösten Lachens beleuchten, präsentiert.

Die Ausstellung geht von der These aus, dass ein Gemälde oder eine Skulptur an sich sich selten lustig ist. Erst eine gewisse Unangemessenheit, eine Inkongruenz, löst ein Schmunzeln, Lächeln, Lachen oder Gelächter aus – eine These, die im 18. Jahrhundert entwickelt und bis ins 20. Jahrhundert diskutiert wurde.

Tinguelys Philosoph

Im ersten Raum werden Bilder gezeigt, die durch Hinzufügen von Sprache – sei es der Titel oder der Text direkt im Bild – für viele Betrachter eine Inkongruenz darstellen. Die Maschine von Jean Tinguely im ersten Saal ist ein gutes Beispiel: Die mannshohe Schrott-Assemblage bewegt sich quietschend und ungelenk mechanisch und trägt den Titel «Henri Bergson, Philosoph». Dieser veröffentlichte 1900 einen Essay über das Lachen und behauptete, die menschliche Gestik sei deshalb komisch, weil sie an einen blossen Mechanismus denken lasse. Das Komische liege im Kontrast zwischen Lebendigem und Mechanischem, was Tinguely mit seiner Maschine subversiv evoziert.

Den grössten Saal stellt der kleine Ausstellungsführer (gratis an der Kasse) als «Grosse Galerie des Lachens» vor. Beherrscht wird er in der Mitte durch eine Installation von Yue Min Jun (*1962). 25 identische, fast lebensgrosse Polyestermännerfiguren stehen breit grinsend und Zähne bleckend, doch mit geschlossenen Augen in Reih und Glied. Eine Phalanx des erstarrten Grinsens, das durch seine Grösse eher Ungemütlichkeit denn Vergnügen auslöst.

Anregend ist in diesem Raum auch die Gegenüberstellung von Nan Goldins (*1953) Fotografien lachender Frauen in Partystimmung und Szenen mit lachenden Personen in Gemälden aus dem 17. Jahrhundert.

Einige Bilder von verschiedenen Künstlern in der Rolle Demokrits, des lachenden Philosophen, verweisen auf Existenzielles. Lachen ist die letzte Rettung vor der Torheit der Welt und dem Schrecken des Todes.

Der Karikatur als Sozialkritik und dem Pasticcio (ein Kunstwerk, das den Stil eines bekannten Künstlers nachahmt) ist ein eigener Raum gewidmet. Hier ist Selbstironie das beherrschende Thema. Hier sind Werke zu sehen, in denen Künstler sich über die Kunstszene, gar über sich selber lustig machen.

Dann folgen Säle, die mit konzeptueller Kunst das Thema der Ausstellung verfolgen und die daher die Besucher intellektuell etwas mehr fordern.

Clown – Opfer und Täter

So die Video-Installation «Clown Torture» von Bruce Nauman, eines der wichtigsten Werke der Ausstellung, wie Direktor Fibicher betont. Bis zur Unerträglichkeit ein «rire jaune», ein gezwungenes Lachen, das gute Miene zu bösem Spiel macht. Noch bevor man den verdunkelten Raum mit den sechs Bildschirmen betritt, hört man die Installation – eigentlich kein Lachen, sondern ein wahnhaftes Geschrei, das der Clown von sich gibt.

Man weiss nicht, ob man hier einen Clown oder einen travestierten Bösewicht aus einem Horrorfilm Stephen Kings vor sich hat. Ein anderes Video zeigt einen verängstigten Clown, der dem Betrachter eine Geschichte erzählen will, diese aber nicht auf die Reihe bringt und daran verzweifelt. Einem anderen Clown fällt in einem Loop immer wieder ein Kessel auf den Kopf; zuerst mag man die slapstickartige Szene lustig finden; die ständige Wiederholung lässt das Lachen im Hals stecken bleiben.

Eine Installation des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov aus den 1990er-Jahren steht für Satire und das Lachen als politische Waffe. Er will zeigen, wie politische Propaganda und Ideologie selbst feststehenden Tatsachen wie der Kugelgestalt der Erde den Garaus machen können. Die Ikone einer Madonna mit Kind hat Solakov mit einer Sprechblase versehen: «It’s flat», sagt sie mit starrer Miene; das legt er auch Figuren auf einem Kupferstich eines Tugend- und Lasterzyklus von Brueghel in den Mund, einem Künstler aus dem 16. Jahrhundert – dessen Freund ironischerweise ein bedeutender Kartograf war.

Peinlichkeiten Bushs

Nicht zu verpassen ist auf dem Weg in den letzten Saal das dokumentarische Video mit George Bush, einige Minuten vor seiner Kriegserklärung gegen den Irak im Fernsehen. Bush wusste nicht, dass die Kamera bereits lief. Das Lachen vergeht der Betrachterin sehr schnell.

Eine politische Botschaft wie Solakov will auch der rumänische Künstler Dan Perjovschi dem Betrachter nahelegen. Er zeichnet und schreibt mit schwarzem Stift direkt an die Wand und bringt die Tagesaktualität der Zeitungen humorvoll und mit bissig-bösen Sprüchen auf den Punkt. Die Schweizer Banken nimmt er ebenso aufs Korn wie die Wahlen oder die Forschungen am Cern. Das Wichtigste an der Kunst sei für ihn die Freiheit des Ausdrucks, erklärte der Künstler am Schluss des Rundgangs durch die Ausstellung. Und diese Freiheit musste sich der 1961 in Rumänien geborene Künstler unter dem Kommunismus immer wieder nehmen.

Seine schwarz-weissen Wandzeichnungen sind für ihn die «einfachste und radikalste Art», sich auszudrücken und Kritik am Zustand dieser Welt zu üben. Auch wenn bei den todernsten Sachverhalten wieder mal das Lachen im Halse stecken zu bleiben droht, findet sich doch immer ein augenzwinkender Strich. Die Gewissheit, dass die Wand nach Abschluss der Ausstellung wieder weiss übermalt wird, steigert die Ironie.

Die Ausstellung in Lausanne dauert bis zum 15. Januar 2012.

Der lachende Maler Jean-Étienne Liotard in einem Selbstporträt um 1770.Bild zvg/MAHG

Glen Baxter, ohne Titel («Monet machte immer einen nachhaltigen Eindruck auf uns beide»), 2003.Collection Frac Haute Normandie/Bild zvg

Begleitveranstaltungen

Audioguides für Kinder, ein Konzert, ein Vortrag

Kindern ab acht Jahren wird ein spezieller Rundgang (auf Französisch) durch die Ausstellung mit einem Audioguide (Kopfhörer) angeboten – eine seltene Gelegenheit in Schweizer Museen. Für kleinere Kinder eignet sich der Mittwoch, 2. November: einMärchennachmittag «zum Lachen» (Eintritt frei). Familienführungen sind an zwei Sonntagen, am 6. November und am 4. Dezember, jeweils um 15 Uhr geplant. Für Erwachsene werdenöffentliche Führungen veranstaltet, die jeweils donnerstags von den Kuratoren oder einer Kunstvermittlerin geleitet werden: am 3. November um 12.30 Uhr, 10.11. (18.30 Uhr), 24.11. (12.30 Uhr), 1. Dezember (18.30 Uhr), 8.12. (12.30 Uhr), 15.12. (18.30 Uhr). Im Rahmen dieser Ausstellung wird am 10. November der Kunstgeschichte-Professor Martial Guédron aus Strassburg einenVortrag über die «Physiognomik des Lachens» halten (auf Französisch). Guédron ist Autor zahlreicher Publikationen über die Darstellung des Körpers in den Künsten. Wen die Wissenschaft weniger interessiert, kann sich beimKonzert «Fou (rire)» des EnsemBle baBel vergnügen (12., 13. und 15. Januar). An drei Samstagen ist der Besuch der Ausstellung gratis (5.11., 3.12., 7.1.) at

Prähistorischer Clown? Vik Muniz, «Clown Skull», 1989–1990.Daros Collection/Bild zvg

Interview:«Wir wollen zeigen, was es mit dem Lachen auf sich hat»

Marco Costantini gehört zum Dreierteam, das die Ausstellung «Incongru. Quand l’art fait rire» in zweijähriger Arbeit auf die Beine gestellt hat.

Was beabsichtigen Sie mit dieser Ausstellung?

Wir alle haben ein Bedürfnis nach Lachen, wir brauchen Lachgelegenheiten. Wir wollten untersuchen, was diese Lachgewohnheiten sind und welche Arten von Lachen es gibt. Es ist für uns alle ein wichtiges Thema, das uns alle betrifft, aber auch ein kompliziertes. Wir wollten nicht einfach nur Bilder zeigen, die das Publikum zum Lachen bringen. Wir wollten das Lachen dekonstruieren, es zerlegen und dem Publikum aufzeigen, was es mit Lachen auf sich hat.

Die Mittel, bei jemandem Lachen auszulösen, ändern sich im Laufe der Zeit. Was die Leute früher lustig fanden, provoziert heute vielleicht nurmehr ein müdes Lächeln.

Autoritätspersonen auf Bildern der Renaissance machen meist ernste Gesichter. Heute lacht uns jede Politikerin vom Wahlplakat entgegen; in der Werbung sehen wir ständig lachende Gesichter. Was hat sich geändert?

Die Konventionen haben sich verändert. Im 17. Jahrhundert interessierten sich immer mehr Künstler dafür, Leidenschaft, Emotionen in Bildern festzuhalten. Doch die Porträtmalerei blieb eine seriöse Angelegenheit. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Neben sozialen Regeln spielen auch ästhetische mit. Zum Beispiel gab es im 17. Jahrhundert noch keine «Freizeit», die wie heute mit Vergnügen verbunden ist. Natürlich gab es aber damals schon viele lustige Feste, die auch im Bild festgehalten wurden. at

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