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«Die Kommunikation wurde verbessert»

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Manfred Raemy, welche Rolle nehmen Sie rund um die Eröffnung des Asylzentrums Guglera ein: Sorgentelefon, Vermittler oder Polizist?

In den letzten Monaten hatte ich das Gefühl, eine Art Vermittler oder Koordinator zwischen Bund, Kanton und den Gemeinden zu sein. Das Oberamt ist zwar nicht direkt von der Guglera betroffen, aber der Oberamtmann ist die verantwortliche Behörde für die öffentliche Sicherheit im Bezirk.

Die Sicherheit ist also für Sie ein Thema?

Wenn ein Bundesasylzentrum im Bezirk eröffnet wird, ist automatisch die Sicherheit ein Thema. In der Bevölkerung waren Ängste da und sind zum Teil immer noch vorhanden. Es ist die Aufgabe eines Oberamtmanns, diese Ängste zu erkennen und aufzuzeigen, was die Behörden alles unternehmen.

Diese Vermittlerrolle steht wohl in keinem Pflichtenheft.

Tatsächlich gibt es keinen Leitfaden zu diesem Thema. Der Bund ist als Eigentümer für die Guglera zuständig, und er hat auch viele Gespräche mit den örtlichen Behörden geführt, aber die Kommunikation war nicht immer einfach. Die Verantwortlichen des Staatssekretariats für Migration diskutieren auf einer anderen Flughöhe. Für sie ist die Guglera etwas Selbstverständliches, weil es nicht das einzige Bundesasylzentrum ist. Für die Region ist es aber etwas sehr Spezielles.

Werden Sie nach dem Start des Betriebs in der Guglera weniger zu tun haben als zuvor?

In Zukunft werde ich wohl nicht mehr so viel Arbeit haben wie bisher. Weiterhin informiere ich mich über die internen Abläufe, etwa betreffend die Sicherheit. Und ich bleibe in ständigem Kontakt mit der Polizei, die im Sensebezirk für die Sicherheit zuständig ist. Sicher bin ich aber als Ansprechperson da, wenn irgendwo Probleme auftauchen sollten.

Welches sind Ihre Erinnerungen an den Informationsabend über die Umwandlung vom 25. Februar 2015?

Die Veranstaltung hatte ich bewusst nicht besucht, da wir im Bezirk bereits zwei Informationsveranstaltungen in Düdingen und Wünnewil hatten, die ohne Probleme verlaufen waren. Die Lage in Giffers war wohl unterschätzt worden, und und man dachte, ein weiteres Asylzentrum werde auch diesmal zu keinen Klagen Anlass geben. Der Eindruck vom Informationsabend zieht sich aber wie ein roter Faden durch das Dossier: Die Kommunikation zwischen Bund, Kanton und Gemeinden hat nicht gut funktioniert. Es begann bei dieser Informationsveranstaltung, mit der man die Leute überrumpelt hat. Es herrschte eine Ohnmacht, weil man vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.

«Bei der Kommunikation klappte nicht immer alles wie gewünscht.»

 

Inwiefern hatte diese heftige Reaktion später einen Einfluss auf Ihre Arbeit als Oberamtmann?

Als ich mein Amt als Oberamtmann antrat, war das Asylzentrum fast kein Thema mehr. Es wurde erst vor rund einem Jahr wieder aktuell, als Diskussionen über eine Bürger­wehr aufkamen. Wir haben dann relativ schnell mit den zuständigen Personen der IG Guglera, mit der Kantonspolizei und den Gemeindevertretern ein Treffen einberufen und uns aussprechen können. Es ist ganz wichtig, die Ängste in der Bevölkerung nicht unter den Tisch zu kehren.

Ist es auch die Rolle des Oberamtmanns, das Image des Bezirks aufzupolieren?

Selbstverständlich ist es in meinem Interesse, den Bezirk in einem guten Licht darzustellen. Ich glaube nicht, dass die Ereignisse der Vergangenheit unser Bild in der Schweiz getrübt haben. Aber man hat trotzdem pauschal über die Sensler geurteilt und sie alle in einen Topf geworfen. Das war nicht korrekt: Es gibt im Bezirk viele Nuancen. Das kam zu wenig zum Ausdruck und bereitete mir Sorgen.

Hat seither eine Entwicklung stattgefunden?

Die Medien haben diese Emotionen aufgegriffen und wiedergegeben. Spätere Anlässe wie der Tag der offenen Tür fanden medial weniger Beachtung. Nun hat sich die Stimmung ein wenig entspannt.

“Die Leute im Sensebezirk urteilen vorschnell” – Umfrage.

Haben die Erfahrungen mit den Asylunterkünften in Düdingen, Bösingen und Wünnewil zur Beruhigung beigetragen?

Die Guglera ist grösser, und es ist eine ehemalige Schule, die umfunktioniert wird. Das schafft ganz andere Emotionen, als wenn ein Zivilschutzraum einer Gemeinde zu einem temporären Asylzentrum wird. Wichtig war aber dennoch, dass die Bevölkerung realisierte, dass in diesen drei Gemeinden nie etwas Negatives passiert ist. Das lokale Gewerbe konnte sogar profitieren. Zudem wurden Asylbewerber in Bösingen als Patrouilleure beschäftigt. Auch im Fall der Guglera sieht man nun vor, Beschäftigungsprogramme mit gemeinnützigen Leistungen für die Gemeinden anzubieten.

Wie haben Sie den Tag der offenen Tür vom 24. März erlebt?

Ich habe weder Ausgelassen­heit noch Anspannung unter den Besuchern bemerkt. Sie kamen mit einem gewissen Interesse und waren dann überrascht, wie kühl das Gebäude eingerichtet ist. Viele waren wohl davon ausgegangen, dass in diesem ehemaligen Internat schöne Wohnzimmer eingerichtet werden. Es sieht aber eher aus wie in einer Kaserne. Das hat vielen Personen die Augen geöffnet.

Wie bewerten Sie das Besucheraufkommen am Tag der offenen Tür?

Es war schwierig vorauszusagen, wie viele Leute kommen würden. Schliesslich waren es rund 800 Personen, und das hat mich überrascht. Es waren die Kritiker, aber auch die Befürworter anwesend: Alle wollten sich persönlich ein Bild davon machen, wie das Zentrum aussieht. Ich hatte viele gute und sachliche Diskussionen, auch mit Personen, die in der Nähe wohnen. Daneben kamen Leute, die in der Guglera zur Schule gegangen sind. Bei ihnen herrschte eine grosse Wehmut, dass dort nun keine Schule, sondern ein Asylzentrum ist.

Haben Sie die Guglera seit der Eröffnung am 3. April besucht?

Der Austausch mit den verantwortlichen Personen findet seither regelmässig per Telefon oder vor Ort statt. Am 3. April kam ja erst das Personal. Die ersten Asylbewerber werden gegen Ende Monat erwartet. Es gibt noch viel zu tun, bis der Betrieb richtig läuft. Die Teams sind nun daran, die Abläufe einzuspielen, damit dann alles bereit ist.

Ihre Eindrücke vom Personal?

Sehr gut. Ich bin froh, dass wir direkt mit Giffers kommunizieren können. Vom Staatssekretariat für Migration und von der Firma ORS sind ganz gute Leute vor Ort im Einsatz. Auch die Kantonspolizei ist bereit. Wenn es ein Problem geben sollte, sind die Wege kurz. Der Austausch ist jetzt gut.

Die Guglera ist kein Gefängnis” – Interview.

Am Anfang hiess es, es werde schlecht über das Bundesasylzentrum Guglera informiert. Ist das mittler­weile korrigiert?

Teilweise. Wir haben versucht, die Kommunikation zu verbessern, aber es klappte nicht immer alles wie gewünscht. Nächste Woche wird beispielsweise ein Informations­blatt an die Bevölkerung verschickt. Dieses wird in den vier Gemeinden Giffers, Rechthalten, Plaffeien und Plasselb verteilt, die ja bei der Guglera aneinandergrenzen. Die letzte Information zum Tag der offenen Tür war nur nach Giffers und Rechthalten erfolgt. Das wurde kritisiert. Aus diesem Fehler haben wir wieder gelernt.

Glauben Sie, dass die Bevölkerung heute gut informiert ist?

Gerade über die Medien wurden zuletzt noch einmal viele Informationen vermittelt. Wie gut die Leute diese lesen, kann ich nicht einschätzen. Aber ich selber könnte keine ergänzenden Informationen liefern. Die Details wie das Polizeidispositiv sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es wird aber mit allen Partnern offen kommuniziert. Zudem trifft sich regelmässig eine Kontaktgruppe, in der je ein Vertreter der Gemeinden, des Kantons, des Bundes, der Polizei, des Vereins «Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk» und auf meinen Wunsch auch der IG Guglera dabei sind.

Können Sie sich vorstellen, dass in Zukunft ein permanenter Kontakt zwischen der Bevölkerung und den Bewohnern des Zentrums stattfindet?

Nein. Das Asylverfahren dauert maximal 140  Tage, davon rund 20  Tage in Boudry. Dann sind es höchstens 120  Tage in der Guglera. In vier Monaten ist es schwierig, dauerhafte Beziehungen aufzubauen.

Wird die Guglera eines Tages als öffentliches Thema verschwinden?

Nein, das wird es wohl nicht. Im Moment sind ja die Flüchtlingszahlen nicht sehr hoch, deshalb wird die Guglera vorerst wohl nicht die volle Auslastung erreichen. Falls der Bund einmal das Zentrum schliessen würde, müsste man sich dann wieder überlegen, was daraus werden soll. Das wäre wiederum von öffentlichem Interesse.

Serie

Mehrere Blickwinkel auf die Guglera

Das Ausreisezentrum des Bundes in der Guglera bei Giffers hat am 3. April offiziell seine Türen geöffnet. Vor und nach dem Start des Bundes­asylzentrums im Sensebezirk beschäftigen sich die FN mit verschiedenen Themen rund um das Zentrum Guglera. Es geht um Fragen wie: Welche lokalen Betriebe arbeiten mit dem Zentrum zusammen? Wie steht die Politik zur Guglera? Welche Meinungen vertritt die Bevölkerung in der näheren Umgebung? Wie werden die Asylbewerber integriert?

jp

 

 

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