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«Die Rollen der Schweizerinnen stärken»

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Seit fünf Monaten ist Dario Bettello Trainer des TS Volley Düdingen. Im Interview erzählt der 49-Jährige von seinen Plänen und Zielen mit den Power Cats.

 

Dario Bettello, Sie sind vom grossen Luzern ins überschaubare Düdingen umgezogen. Haben Sie sich schon eingelebt?

Ja, sehr gut. Düdingen ist zwar kleiner als Luzern, dafür ist der Verein grösser, das ist für mich das Entscheidende. Wenn ich das Bedürfnis nach Stadt habe, bin ich ja schnell in Freiburg oder Bern. Die Vereinsstrukturen sind hier sehr gut. Viele Leute engagieren sich mit Leidenschaft und Herzblut für den Club, und obwohl sie Amateure sind, machen sie sehr professionelle Arbeit. Man merkt, dass Düdingen bereits über zehn Jahre NLA-Erfahrung verfügt. In Luzern war alles viel laienhafter.

Nach 15 Jahren im Männervolleyball haben Sie vor Düdingen erst ein Frauenteam gecoacht. Ist es etwas anderes, bei Frauen an der Seitenlinie zu stehen als bei Männern?

Das werde ich immer wieder gefragt (lacht). Grundsätzlich ist es der gleiche Sport, aber es gibt natürlich Unterschiede im Wesen der Menschen. Wenn man mit Männern am Tisch sitzt, redet man automatisch anders, als wenn man mit Frauen am Tisch ist.

Wie äussert sich das konkret?

Bei den Männern darf ich als Trainer eher einen Spieler vor den Teamkollegen kritisieren. Bei Frauen habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie da sensibler darauf reagieren. Ich versuche immer, den Spielerinnen Kritik und Inputs individuell zu geben, und nicht vor den anderen. Und ich wähle meine Worte vorsichtiger. Die Sprache ist aber nur ein kleiner Aspekt, es gibt grössere Unterschiede.

Zum Beispiel?

Die Schweizer Spielerinnen sind es gewohnt, das zu machen, was ihnen gesagt wird. Das rührt daher, dass die meisten Trainer hier möglichst viel Kontrolle über das Team haben wollen. Wenn ich als Trainer eine Übung vorgebe, aus der Halle gehe und nach einer Viertelstunde zurückkehre, machen alle Spielerinnen die Übung noch genau so, wie du sie vorgegeben hast. Wenn du bei den Männern zurückkommst, machen sie eine ganz andere Übung, weil sie den Sinn der ursprünglichen Variante hinterfragt und sie ihren Bedürfnissen angepasst haben. Es gehört für mich dazu, eine gewisse Eigeninitiative zu entwickeln und nicht nur zu warten, bis einem etwas gesagt wird.

Diese Eigeninitiative vermissen Sie bei Ihrem Team?

Ja, wenn man so viel trainiert wie unsere Spielerinnen, dann sollte man auch Verantwortung übernehmen. Wenn man den Sinn von etwas nicht sieht, sollte man darüber diskutieren, und es nicht einfach so hinnehmen. Nur wenn man überzeugt ist von dem, was man tut, macht man das richtig. Das versuche ich momentan dem Team zu vermitteln.

In Ihrem Team hat es im Sommer bei den Ausländerinnen einige Wechsel gegeben. Haben Sie die angestrebt oder haben sie sich so ergeben?

Beides. Der Verein hat mir bei der Wahl der Spielerinnen freie Hand gelassen. Sabel Moffett wollte ich unbedingt behalten, auch Topskorerin Chantale Riddle. Sie hat allerdings das bessere Angebot von Schaffhausen vorgezogen. Auf den anderen Positionen habe ich bewusst Veränderungen angestrebt. Nicht, weil die Spielerinnen schlecht gewesen sind, aber sie entsprachen nicht meinem bevorzugten Spielertyp. Jeder Trainer hat seine Vorstellungen davon, wie das Team funktionieren soll, und wählt die Spielerinnen entsprechend den benötigten Skills aus.

Welchen Typ bevorzugen Sie?

Wenn man einer Spielerin zuschaut, kann man in den meisten Fällen anhand ihrer Spielweise erkennen, wo sie das Volleyballspielen gelernt hat. Jedes Land hat seine kleinen Eigenheiten. Mir gefällt die amerikanische Technikschule besser als jene aus dem Balkan. Das ist ein Faktor bei der Wahl der Spielerinnen, ein anderer sind die finanziellen Möglichkeiten. Volleyballerinnen aus Serbien sind sehr teuer, in Kroatien, Montenegro oder Tschechien sind die Preise weniger hoch. Sie sind aber nicht unbedingt besser als die in den USA Ausgebildeten.

Dass drei Ihrer vier Ausländerinnen aus den USA stammen, ist demnach kein Zufall.

Nein. Wir haben zudem versucht, Spielerinnen zu engagieren, die sich bereits kennen. So gelingt es schneller, das neue Team zu formen. Kerley Becker und Courtney Felinski haben zum Beispiel letzte Saison gemeinsam in Deutschland gespielt, Kerley und Thays Deprati waren zwei Jahre zusammen bei Aesch.

Die sportlichen Qualitäten der Spielerinnen sind das eine, die menschlichen das andere. Harmoniert Ihr Team auf und neben dem Feld?

Bevor man eine Spielerin engagiert, versucht man so viel wie möglich über ihre Persönlichkeit herauszufinden. Oftmals geschieht dies über einen Fragebogen. Ob die Spielerin dann auch tatsächlich charakterlich ins Team passt, zeigt sich erst, wenn man täglich zusammen trainiert und viel Zeit miteinander verbringt. Man muss viel Zeit investieren, um aus einer Gruppe eine Mannschaft zu machen. Das haben wir getan mit gemeinsamen Diskussionen, Ausflügen oder einem Wochenende in den Bergen. Wenn man die gleichen Ziele und Werte teilt, dann ist man eher bereit, einen Schritt auf den anderen zu zu machen. Wir arbeiten erst seit eineinhalb Monaten alle zusammen, aber ich habe ein positives Gefühl. Die Stimmung ist sehr gut.

Bei den Schweizerinnen hat es nur wenige Wechsel gegeben. Insbesondere der Verbleib von Passeuse Kristel Marbach dürfte Sie gefreut haben …

Die Geschichte lehrt uns, dass man meist dann Erfolg hat, wenn man viel in seinen Stammsechser investiert hat. Kristel ist die Nummer eins am Pass und mit ihrer Erfahrung und ihrer Spielübersicht eine wichtige Teamstütze. Es ist aber genauso wichtig, gute Ersatzspielerinnen zu haben. Sie kommen dann aufs Feld, wenn es dem Team nicht läuft, und sie müssen in diesem Moment etwas Positives bewirken. Das ist eine grosse Herausforderung. Mit Zora Widmer haben wir einen starken Back-up für Kristel, sie ist wohl die beste zweite Passeuse der Schweiz.

Erstmals seit Jahren stehen nur vier ausländische Spielerinnen im Kader der Power Cats. Was sind die Überlegungen dahinter?

Wir haben bewusst nur vier Ausländerinnen engagiert, weil wir den Schweizer Spielerinnen mehr Verantwortung übertragen wollen. Mein Ziel ist es, dass in jedem Spiel mindestens drei Schweizerinnen auf dem Feld stehen. Natürlich muss die Leistung stimmen, die Leute kommen nur zu den Matches, wenn du gut spielst und sie Spass haben beim Zuschauen. Aber man darf keine Wunder erwarten. Wir haben zwar einige sehr talentierte Nachwuchsspielerinnen, die das Potenzial haben, um den Sprung in die NLA zu schaffen. Aber sie brauchen noch Zeit.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für Ihre Premiere in Düdingen gesetzt?

Unser Minimalziel ist der fünfte Platz, damit wir auch nächste Saison im Europacup dabei sind. Ob uns das gelingt, hängt von unseren Gegnern ab und davon, ob wir von Verletzungen verschont bleiben. Was wir kontrollieren können, ist unsere eigene Leistung. Und da haben wir durchaus die spielerischen Möglichkeiten, um sehr gute Resultate zu erzielen.

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Mit Sabel Moffett und Kerley Becker haben wir zwei Mittelblockerinnen, die gemeinsam die Besten der Liga sind. Beim Pass haben wir viel Erfahrung und die Libera ist sehr gut in der Annahme. Auf den Aussenpositionen sind wir mit Courtney Feliniski, Ines Granvorka und Pamela Gfeller ausgeglichen besetzt, können ohne Qualitätseinbussen Wechsel vornehmen. Und auf der Diagonalposition haben wir als Ersatz für Chantale Riddle mit Danielle Harbin eine junge Spielerin, die mit einem unglaublichen Talent gesegnet ist. Wenn sie sich weiter so entwickelt wie in diesem Monat, dann wird sie sehr bald in eine stärkere Liga wechseln. Wir haben keine wirklich schwache Position im Team, das gibt mir Sicherheit. Zudem sind wir relativ athletisch. Ich gehe davon aus, dass wir im Block und in der Defense gute Leistungen zeigen werden.

Das hört sich sehr euphorisch an. Keine Schwachstellen?

Unser Handicap ist das etwas knappe Kader. Da müssen wir aufpassen mit Verletzungen und Trainingsüberlastung.

Welche Teams schätzen Sie am stärksten ein?

Es ist schwierig, eine präzise Vorhersage zu machen, weil viele Mannschaften ihr Kader stark verändert haben. Volero hat sicher ein weniger gutes Team als letztes Jahr, aber ist sicherlich noch mit Abstand am stärksten. Dahinter erwarte ich eine insgesamt ausgeglichenere Meisterschaft als letzte Saison.

TS Volley Düdingen

Kader Saison 2017/18

Name Nation Alter Grösse Position

Kerley Becker BRA 31 187 cm Mittelblockerin

Thays Deprati SUI 25 172 cm Libera

Courtney Felinski USA 24 186 cm Aussenangreiferin

Danielle Harbin USA 22 185 cm Diagonalspielerin

Pamela Gfeller SUI 25 172 cm Aussenangreiferin

Inès Granvorka SUI 26 180 cm Aussenangreiferin

Flavia Knutti SUI 19 165 cm Libera

Kristel Marbach SUI 28 180 cm Passeuse

Francine Marx SUI 19 185 cm Diagonalspielerin

Sabel Moffett USA 29 183 cm Mittelblockerin

Mona Rottaris SUI 19 180 cm Aussenangreiferin

Zora Widmer SUI 23 170 cm Passeuse

Trainer: Dario Bettello. Assistenten: Alfred Roth, Michal Tarabcik.

Nationalliga A

Gerangel hinter Volero Zürich

Die Hierarchie in der NLA der Volleyballerinnen hat sich trotz vielerorts grosser Veränderungen nicht verschoben. Hinter dem übermächtigen Titelverteidiger Volero Zürich – auf nationaler Ebene seit 185 Partien ungeschlagen – zeichnet sich ein Gerangel um die nachfolgenden Plätze ab.

Zu den Anwärtern auf Platz 2 zählen in erster Linie Aesch-Pfeffingen, Düdingen, Neuenburg UC, Franches-Montagnes und wohl auch Kanti Schaffhausen. Offen ist die Ausgangslage dabei primär, weil fast alle Verfolger grössere Veränderungen in ihren Kadern vorzunehmen hatten.

Zahlreiche Rochaden gab es auch auf den Trainerstühlen: Dario Bettello, der ehemalige Nationaltrainer der Männer, wechselte von Luzern (Rückzug aus der NLA) nach Düdingen, wo er Nicki Neubauer (neu in Schaffhausen) ersetzt. Frauen-Nationaltrainer Timo Lippuner zog es von Sm’Aesch-Pfeffingen in die deutsche Bundesliga, aus der die Baselbieterinnen als Ersatz Andreas Vollmer (ehemals Schaffhausen und Franches-Montagnes) in die Schweiz zurück holten.

Kann Aesch Volero fordern?

Auch mit dem neuen Trainer ist Aesch-Pfeffingen stark einzuschätzen. Im Supercup gelang dem Team, das in der letzten Saison die klare Nummer 2 war, bei der 2:3-Niederlage gegen Volero beinahe ein Exploit.

Um die restlichen beiden Playoff-Plätze hinter den nominellen Top 6 streiten sich Köniz, Lugano, Cheseaux und Galina Schaan. Weil die besten NLB-Teams kein Interesse an einem NLA-Abenteuer zeigten, erbte das Team aus Lichtenstein, die 7. (!) der NLB, den frei gewordenen Platz.sda/ms

 

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