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«Diese weissen Flecken in meiner Agenda…»

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«Diese weissen Flecken in meiner Agenda…»

Ruth Lüthi, abtretende Staatsrätin, über Politik, Freizeit und das neue Leben

Politisch will sie sich nicht mehr engagieren, hingegen in der einen oder andern Institution mitwirken: Nach 15 Jahren ist Ruth Lüthi von der Politbühne abgetreten. Im Gespräch mit den FN schaut die 59-Jährige nochmals zurück.

Autor: Mit RUTH LÜTHI sprach IRMGARD LEHMANN

15 Jahre auf Trab, drei Mal Staatsratspräsidentin, kaum Freizeit. Wie schafft man das?

Stunden dürfen nicht gezählt werden. Doch staune ich immer wieder, zu welchem Arbeitspensum man fähig ist, wenn man motiviert ist und die Arbeit gerne macht.Die Wochentage waren meist ausgefüllt mit Sitzungen und Besprechungen. Daneben gab es aber auch viele Repräsentationspflichten. Man ist eingeladen in ein Konzert, besucht 100-Jährige. Auch das ist Arbeit – aber solche, die entspannt und einem etwas wegbringt von den Dossiers und den Zahlen. Momente, die einem in Kontakt bringen mit der Bevölkerung.Immer wieder gab es Neues zu entdecken. Neue Menschen, neue soziale und kulturelle Ereignisse, die mir sonst fremd geblieben wären.

Ist es Ihnen gelungen, Freiraum zu schaffen?

Ursprünglich habe ich mir vorgenommen, einen Tag pro Woche ganz für mich und meine Familie offen zu halten. Doch das blieb sehr häufig ein Wunsch. Am Samstag fanden oft Generalversammlungen statt. Am Sonntag wiederum galt es, die Staatsratssitzung vom Dienstag vorzubereiten.Vor allem im Präsidialjahr blieb mir kaum ein Tag für mich persönlich. Vielfach musste ich am Wochenende Reden vorbereiten.Wenn ich es also nicht schaffte, am Wochenende in den Bergen Energie zu tanken, war der Arbeitsbeginn am Montag schwieriger.

Staatsräte haben keine Ghostwriter?

Rund 10 Jahre habe ich Reden selber geschrieben. Doch seit ein paar Jahren haben wir für den persönlichen Berater einen Betrag im Budget, sodass man auch Reden in Auftrag geben kann. Die Person hat mir zudem die französischen Texte korrigiert und Vorträge vorbereitet. Da war eine grosse Erleichterung.

Nun werden Sie viel Zeit haben – worauf freuen Sie sich?

Diese weissen Flecken in meiner Agenda… wunderbar. Die Zeit freier zu gestalten – auf das freue ich mich schon. Auch habe ich mir vorgenommen, wieder etwas mehr ans Klavier zu sitzen.In den letzten Jahren hatte ich kaum Zeit für den Sport. Alle meine Abos in Fitnesscentren sind unaufgebraucht liegen geblieben. In letzter Zeit blieb auch wenig Freiraum und Energie für Geselliges, Freunde und Familie.Meine Mutter ist 91-jährig – sie möchte ich nun regelmässig besuchen.

Und sonst? Politische Engagements, Präsidien, – wirklich gar nichts im Köcher?

Ich habe nur zwei Verpflichtungen angenommen: einerseits als Vorstandsmitglied von Pro Infirmis Schweiz und andererseits das Präsidium des Internationalen Filmfestivals von Freiburg. Darauf freue ich mich sehr.

17 Dienstchefs und Stabsmitarbeiter, rund 2500 Untergebene – damit waren Sie die Chefin mit der grössten Zahl an Untergebenen.

Das stimmt, aber eigentlich sollte man nicht so viele direkt Unterstellte haben. Diese Organisation zeigt aber die Vielfältigkeit der Direktion und hat mir auch ermöglicht, viele direkte Kontakte zu den Fachleuten zu unterhalten.

Die Spitalplanung hat Sie während ihrer Amtszeit am meisten beschäftigt. Das Dossier war ein harter Brocken. Sie mussten massive Kritik einstecken. Legt man sich mit der Zeit eine dicke Haut zu?

In der Politik muss man mit Kritik leben. Was mir aber zu schaffen machte, war unbegründete und ungerechte Kritik, wie etwa wenn man mir vorwarf, ich hätte kein demokratisches Verständnis, als es galt, die Spitalplanung zu Ende zu führen.

Sie konnten in Ihrer Amtszeit die Spitalplanung quasi abschliessen. Einzig in Merlach sind mit dem Rekurs der Krankenkassenvereinigung Santésuisse wieder Fragen offen. Inwiefern wird der Ausgang die Zukunft der Privatkliniken beeinflussen?

Das zukünftige Mandat an die Privatkliniken wird von der momentan durchgeführten Bedürfnisabklärung abhängen.

Sie haben es weit gebracht in Ihrem Leben. Wo wurden hiefür die Weichen gestellt?

Ich denke vorab in der Familie und da habe ich punkto politisches Engagement einiges mitbekommen. Mein Vater hat sich als Lokalpolitiker – er war u.a. Gemeinderat – sehr engagiert.Um sich einer politischen Wahl zu stellen, brauchte es vorab Selbstvertrauen. Ich denke, dass die Erfahrungen in der Schule als Lehrerin viel dazu beigetragen haben. Mit 20 Jahren standen wir vor 35 Kindern und mussten 70 Vätern und Müttern Red und Antwort stehen. Das war eine gute Lebensschule.

Wie muss ein Mensch beschaffen sein, um Politik zu machen?

In erster Linie muss das Interesse an der öffentlichen Sache vorhanden sein. Der persönliche Ehrgeiz als einziger Motor wäre fehl am Platz. Karrieredenken allein reicht nicht.Doch Frauen sind meist sachbezogener, Männer lassen sich eher vom Ehrgeiz treiben.Bilder: Alain Wicht, Vincent Murith, Aldo Ellena, Charly Rappo.

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