Eishockey 27.02.2019

Schwarzer Abend für Gottéron

Herber Rückschlag für Gottéron im Playoff-Kampf: Die Freiburger verloren gestern den Strichkampf gegen ein starkes Lugano 1:3. Weil auch sonst fast alles gegen sie lief, rutschten sie von Rang sechs auf Rang neun ab.

Es wäre ja auch überraschend gewesen, wenn Gottéron nach der Achterbahnfahrt der letzten Monate plötzlich durchgezogen hätte und sich ohne weitere Rückschläge bald einmal für die Playoffs qualifiziert hätte. Statt mit dem vierten Sieg in Folge Lugano vorentscheidend zu distanzieren und einen riesigen Schritt in Richtung Playoffs zu machen, verloren die Freiburger gestern das wichtige Duell gegen die Tessiner zu Hause diskussionslos 1:3.

Und weil ein Unglück selten allein kommt, lief auch sonst alles gegen die Freiburger. Da Ambri und Zürich ihre Spiele gewannen, wurde Gottéron in der Tabelle nicht nur von Lugano überholt, sondern gleich von drei Teams. Drei Runden vor Schluss liegt Freiburg damit auf Rang neun und wieder unter dem Strich.

Klasens wegweisender Treffer

Lugano ist in dieser Saison eigentlich nicht gerade für defensive Solidität bekannt. Mit 133 Gegentreffern ist das Team von Trainer Greg Ireland in dieser Sparte die viertschwächste Mannschaft der Liga. Gestern aber zeigten die Tessiner – die bereits am Montag in die Region gereist waren, um nicht am Spieltag eine lange Carfahrt auf sich nehmen zu müssen und somit für dieses kapitale Spiel perfekt vorbereitet zu sein – dass sie in wichtigen Spielen durchaus diszipliniert auftreten können.

So kreierten sich die beiden Mannschaften zu Beginn des Spiels so gut wie keine Gelegenheiten. In der 14. Minute zeigte sich dann allerdings ein erstes Mal, dass die Tessiner in der Offensive schlicht über mehr Talent verfügen und damit über mehr Spieler, die in wichtigen und umkämpften Spielen mit Geniestreichen für den Unterschied sorgen können. Der oft gescholtene schwedische Stürmer Linus Klasen, der in dieser Saison nicht selten überzählig war, weil sein Defensivverhalten nicht immer über alle Zweifel erhaben ist, bewies mit einem harten und platzierten Handgelenkschuss aus dem Nichts, dass er offensiv trotz allem immer noch ein Ausnahmekönner ist. «Zu Beginn war beiden Mannschaften die Nervosität anzumerken», sagte Gottéron-Stürmer Andrei Bykow nach dem Spiel. «Das Tor hat Lugano dann Sicherheit gegeben. Wir hingegen haben es nicht geschafft, ruhig zu bleiben. Überhaupt haben wir in dieser Saison grosse Mühe, ein Spiel zu drehen, wenn wir mal im Rückstand sind.»

Wie entscheidend es für die Freiburger ist, ob sie das erste Tor der Partie schiessen oder kassieren, zeigt ein Blick auf die Statistik: Zum 26. Mal in dieser Saison gerieten sie gestern 0:1 in Rückstand, zum 21. Mal gingen sie danach am Ende als Verlierer vom Feld.

Ärgernis Powerplay

Nach dem 0:1 zeichnete sich Gottérons Niederlage schnell einmal ab. Die Tessiner hatten bei 5 gegen 5 mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen. Und dass es im Powerplay vorerst keine Tore gab, war im Duell der beiden statistisch schlechtesten Powerplay-Teams der Liga keine Überraschung – selbst wenn Lugano und Freiburg gleichzeitig auch in Unterzahl die schwächsten Mannschaften sind. Während sich Lugano mit einem Mann mehr auf dem Eis immerhin in halbwegs gefährliche Schusspositionen brachte, war das Powerplay der Freiburger wie so oft ein einziges Ärgernis. Meist war das Heimteam selbst in Überzahl einem Gegentreffer näher als einem eigenen Tor.

Überhaupt stellte Gottéron einmal mehr unter Beweis, dass es gegen defensiv gut stehende Teams Mühe hat, zu klaren Chancen zu kommen, weil schlicht Kreativität und Durchschlagskraft fehlen. Einzig gegen Ende des Mitteldrittels hatte Freiburg eine Druckphase zu verzeichnen, als Verteidiger Ralph Stalder zweimal aus guter Position zum Abschluss kam.

Für einmal hatte Trainer Mark French auch in Sachen Ausländer kein gutes Händchen. Von den Flügelstürmern Jacob Micflikier und Andrew Miller kam gar nichts, da wäre vom torgefährlichen Franzosen Charles Bertrand, der gestern überzählig auf der Tribüne sass, wohl ein Tick mehr zu erwarten gewesen.

Hofmanns Geniestreich

Die Entscheidung fiel in der 45. Minute nach dem nächsten Geniestreich eines Tessiner Stürmers. Wunderschön täuschte Grégory Hofmann immer wieder einen Schuss an, liess so gleich mehrere Freiburger ins Leere laufen und bediente am Ende Dario Bürgler mit einem wunderschönen Querpass. Auf das 0:2 hatte das Heimteam nicht einmal mehr den Ansatz einer Antwort parat. Stattdessen beseitigte Alessandro Chiesa vier Minuten später mit dem 0:3 auch noch die letzten Zweifel. Torhüter Reto Berra, der zuvor sein Team mit einer starken Leistung lange im Spiel gehalten hatte, zeigte beim Handgelenkschuss überraschend überhaupt keine Reaktion und sah für einmal nicht gut aus. Jim Slaters Ehrentreffer 19 Sekunden vor Schluss, als Gottéron ohne Torhüter und mit sechs gegen drei Feldspielern agierte, änderte nichts mehr daran, dass es für die Freiburger im Kampf um die Playoff-Plätze ein schwarzer Abend war. Im nächsten Spiel am Freitag zu Hause gegen Servette ist für Gottéron damit ein Sieg nun wieder Pflicht.

Telegramm

Gottéron - Lugano 1:3 (0:1, 0:0, 1:2)

St. Leonhard. – 6033 Zuschauer. – SR: Kaukokari/Tscherrig, Altmann/Kovacs. Tore: 14. Klasen (Lapierre) 0:1. 45. Bürgler (Hofmann) 0:2. 50. Chiesa (Bertaggia) 0:3. 60. (59:40) Slater (Sprunger/Ausschlüsse Vauclair, Loeffel) 1:3 (ohne Torhüter). Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Freiburg-Gottéron, 9-mal 2 Minuten gegen Lugano.

Freiburg-Gottéron: Berra; Holos, Chavaillaz; Schilt, Stalder; Forrer, Schneeberger; Weisskopf, Micflikier, Slater, Marchon; Sprunger, Walser, Miller; Rossi, Bykow, Mottet; Meunier, Schmutz, Lhotak.

Lugano: Merzlikins; Löffel, Chorney; Chiesa, Wellinger; Ulmer, Vauclair; Jecker; Lapierre, Lajunen, Klasen; Bürgler, Sannitz, Hofmann; Bertaggia, Morini, Jörg; Fazzini, Romanenghi, Walker; Reuille.

Bemerkungen: Gottéron ohne Abplanalp, Furrer, Vauclair (alle verletzt) und Bertrand (überzähliger Ausländer), Lugano ohne Cunti, Riva (beide verletzt) und Haapala (überzähliger Ausländer). – Timeout Gottéron (57.).

Die FN-Besten: Meunier und Hofmann.