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Freiburg ist dem Rotmilan verpflichtet

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Seit vielen Jahren ist das Naturhistorische Museum Freiburg bekannt für die Beobachtung von Vögeln mit Hilfe der Satelliten-Telemetrie. Angefangen hat alles im Jahr 1999 mit dem wohl berühmtesten Sendervogel der Welt, mit Störchin Max, die im vergangenen Dezember in Spanien ums Leben gekommen ist. Ab dem Jahr 2000 folgten zahlreiche Rotmilane, die nach und nach mit Sendern ausgestattet wurden, bis heute insgesamt 17. Einer der interessantesten Sendermilane war Oscar, der 2004 in Prez-vers-Noréaz geschlüpft war und vor kurzem in Frankreich tot aufgefunden wurde.

Mit Max und Oscar hat das Museum innert kurzer Zeit zwei Rekordvögel verloren: Max war jenes Tier, das weltweit am längsten via Satellit verfolgt worden war; Oscar war das Tier, das am längsten ein und denselben Sender trug. Gerade der Tod von Max ha- be viele Reaktionen ausgelöst, sagt Projektleiter Adrian Aebischer. Ihn selber berühre der Tod von Vögeln, die er so lange beobachtet habe, zwar auch. «Aber das gehört dazu, und man muss immer damit rechnen», so der Biologe.

Fünf Milane mit Sender

Und auch wenn die beiden Rekordvögel tot sind, geht die Beobachtung via Satellit weiter. Während für Max keinNachfolger vorgesehen ist, sindderzeit noch fünf Rotmilane mit Freiburger Sendern unterwegs: Julie, die wie Oscar 2004 schlüpfte, Rossy (2005), Sirius (2007), Maho (2010) und Melina (2011). Die Wege al- ler fünf Vögel sind auf der Internetseite des Naturhistorischen Museums zu verfolgen (www.fr.ch/mhn).

Zwar sei Storch Max der mit Abstand bekannteste und beliebteste Sendervogel gewesen, sagt Adrian Aebischer.Die wertvollsten Forschungsergebnisse lieferten aber die Rotmilane, einerseits, weil mehr Tiere mehr Resultate brächten, andererseits, weil der Bestand dieser Art in der Schweiz und im Kanton Freiburg ausserordentlich gut sei. Trotz ihrer geringen Grösse zähle die Schweiz nach Deutschland, Frankreich und Spanien am meisten Rotmilane. «Wir haben darum eine internationale Verantwortung für diese Art», so der Biologe, der unter anderem auf den Rotmilan spezialisiert ist und 2009 gar ein Buch über ihn veröffentlicht hat.

Im Kanton Freiburg und in der Region Broye ist die Entwicklung des Rotmilan-Bestandes besonders gut dokumentiert, da sich hier seit 1995 eine Arbeitsgruppe damit befasst. Laut Aebischer, der selber die Winterzählungen in der ganzen Schweiz koordiniert, gibt es heute im Kanton Freiburg etwa 150 Brutpaare, davon etwa 40 im Sensebezirk. In der ganzen Schweiz dürften es 1200 bis 1500 sein, weltweit etwa 20 000–wobei weltweit gleichbedeutend ist mit Europa, da der Rotmilan zu den wenigen Arten gehört, die es nur in Europa gibt.

Bruterfolg und Sterblichkeit

 Nicht immer gab es in der Schweiz so viele Rotmilane: In der Mitte des 20. Jahrhunderts war die Art wie andernorts auch durch Abschuss, Vergiftung und Horstplünderung stark dezimiert. In den letzten Jahrzehnten aber hat sie sich nicht nur zahlenmässig er- holt, sondern auch hinsichtlich des Verbreitungsgebietes. Die Gründe dafür zu klären, ist ein wichtiges Ziel der Rotmilan-Forschung in der Schweiz. Das könne helfen, herauszufinden, warum der Bestand in anderen wichtigen Rotmilan-Ländern wie Spanien oderFrankreich weiter zurückgegangen sei, erklärt Aebischer.

Entscheidend sei einerseits der Bruterfolg, andererseits die Sterblichkeit. Der leicht überdurchschnittliche Bruterfolgder Schweizer Rotmilane sei noch nicht vollständig erklärt. Bei den Todesursachen hingegen sei der Fall klar: In vielen Ländern, darunter Spanien und Frankreich, würden Rotmilane noch heute oft abgeschossen oder vergiftet. Auch Oscar dürfte dieses Schicksal ereilt haben: Alles deute darauf hin, dass der Sendervogel vergiftet worden sei, so Aebischer.

Eine andere Forschungsfrage lautet, wo die Schweizer Rotmilane den Winter verbringen und ob es beim Zugverhalten Unterschiede zwischen Jung- und Altvögeln gibt. Fast alle Jungtiere verlassen laut Aebischer in den ersten zwei Lebensjahren die Schweiz und überwintern in Südfrankreich oder in Spanien. Im Frühling kehren sie in die Nähe ihres Geburtsortes zurück, auch wenn sie selber noch nicht brüten. Die brütenden Altvögel allerdings finden sich bereits im Februar an ihren Nistplätzen ein, während die Jungvögel erst im April ankommen.

Wird Julie wieder brüten?

Ältere Tiere verbringen den Winter öfter in der Schweiz, wenn sie merken, dass das Klima mild genug ist und dass sie ausreichend Futter bekommen. Auch die zwei Sendermilane Rossy und Sirius überwintern in der Schweiz, in der Nähe ihrer Geburtsorte: Rossy am Greyerzersee bei La Roche, Sirius im zürcherischen Hochfelden. An diesen Orten werden die beiden Vögel wie in den vergangenen Jahren brüten. Julie, Maho und Melina hingegen haben den Winter im Süden verbracht. Auch sie sind jetzt zurück in der Schweiz und bereiten sich auf die Brutzeit vor, Maho bei Léchelles, Melina in der Nähe von Basel.

Ein Spezialfall ist die neunjährige Julie: Sie überwintert jeweils in Spanien und hat bis 2011 immer in Cousset gebrütet. 2012 hat sie sich eine schwere Fussverletzung zugezogen, die nicht richtig verheilt ist. Trotzdem ist sie ins Freiburgerland zurückgekehrt, hat aber keine Jungen aufgezogen. Auch den Winter 2012/2013 hat sie überlebt und ist Ende März wieder in Cousset aufgetaucht. Ob und wenn ja, wo sie brüten werde, sei aber fraglich, sagt Adrian Aebischer. «Vielleicht behindert ihre Verletzung sie zu stark, oder sie findet deswegen keinen Partner.»

Oscar warf Fragen auf

Während die besenderten Milane einerseits helfen, gewisse Fragen zu beantworten, werfen sie andererseits auch neue Fragen auf. So hat Oscar in den Jahren 2005 und 2006 die Fachwelt in Erstaunen versetzt, indem er den Frühjahrszug vom Winterquartier in die Westschweiz doppelt unter die Flügel nahm. Innerhalb von wenigen Tagen flog er ein erstes Mal zurück in die Schweiz, machte dann kehrt, flog den ganzen Weg zurück nach Südfrankreich und kam schliesslich etwa zwei Wochen später erneut in die Schweiz. AuchExperte Adrian Aebischer weissnicht, warum Oscar das ge- tan hat. «Ich habe Fachleute auf der ganzen Welt kontaktiert, aber niemand hatte eine Erklärung», sagt er. Möglicherweise sei dieses Verhalten bei jungen Rotmilanen auch gar nicht so selten und man habe es dank dem Senderprojekt einfach zum ersten Mal beobachten können.

Auch andere Fragen rund um die Rotmilane sind noch offen und beschäftigen Adrian Aebischer und seine Kollegen weiter. In Freiburg und in der Schweiz stünden aktuell zwei Themen im Vordergrund: dieSterblichkeit von Altvögeln unddie Winterökologie. Wichtige Forschungsresultate liefert die regelmässige Kontrolle des Winterbestandes. Diese erfolgt durch Zählungen an allen bekannten Schlafplätzen, ausgeführt von ehrenamtlichen Vogelinteressierten.

Und das Naturhistorische Museum Freiburg wird weiterhin Rotmilane mit Satellitensendern ausstatten, wobei das Museum lediglich Träger des Projekts ist, die Sender selbst aber von privaten oder institutionellen Spendern finanziert werden. Oscars Rekordsender, der zusammen mit dem to- ten Vogel aufgefunden wurde, funktioniert laut Adrian Aebischer übrigens immer noch und soll bei einem anderen Vogel wieder zum Einsatz kommen. Vogelfreunde auf der ganzen Welt dürfen sich damit auf weitere Rekordmeldungen und Überraschungen aus Freiburg freuen.

Niemand hat eine Erklärung für Oscars doppelten Frühjahrszug.

Adrian Aebischer

Biologe

Alles deutet darauf hin, dass Oscar vergiftet worden ist.

Adrian Aebischer

Biologe

Der Winterbestand wird durch regelmässige Zählungen an den Schlafplätzen kontrolliert.Das helle Kopfgefieder ist ein Kennzeichen des Rotmilans.

Wiederansiedlung: Freiburger Rotmilane für die Toskana

W as das Freiburger Engagement für den Rotmilan für das internationale Gedeihen der Art bedeuten kann, erklärt Experte Adrian Aebischer am Beispiel der Toskana: Hier war der Rotmilan durch Abschuss und Vergiftung komplett ausgerottet, weil man ihn lange als Gefahr für andere Tiere und für die Landwirtschaft gesehen hatte. Vor fünf Jahren startete ein Wiederansiedlungsprojekt, an dem das Naturhistorische Museum Freiburg beteiligt ist. Seit 2008 hat es jedes Jahr einige Jungvögel aus Freiburg in der Toskana ausgewildert. Das Projekt verlaufe sehr erfolgreich, sagt Aebischer. «Bisher wurde noch kein einziger der neu angesiedelten Rotmilane gewildert, und bereits brüten wieder mehrere Paare.» Um dies möglich zu machen, habe es viel Aufklärungsarbeit gebraucht. «Jetzt wissen die Leute, dass vom Rotmilan keine Gefahr ausgeht.» cs

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