Fussball 02.08.2019

«Gespürt, dass es nicht mehr passt»

Will sich die Angebote genau anschauen und dann möglichst schnell entscheiden, wo er hinwechselt: Christian Schneuwly.
Christian Schneuwly spielt ab sofort nicht mehr für den FC Luzern. Im Interview erklärt der 31-jährige Wünnewiler, warum er den Club um eine Vertragsauflösung bat und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Überraschung am Mittwochmorgen: In einem Communiqué gibt der FC Luzern bekannt, dass der bis Ende Saison laufende Vertrag mit Christian Schneuwly per sofort aufgelöst wird. Auf «ausdrücklichen Wunsch» des Sensler Mittelfeldspielers, wie der Club schreibt.

Schneuwly stiess im Winter 2016 vom FC Zürich zu den Zentralschweizern. Er bestritt 138 Partien für den FCL und erzielte 18 Tore. Zwischenzeitlich trug er die Captainbinde. Zuletzt spielte er aber keine Hauptrolle mehr. In der aktuellen Meisterschaft der Super League wurde er in beiden Spielen bloss eingewechselt.

Seinen letzten Treffer für die Luzerner erzielte der 31-Jährige aus Wünnewil letzte Woche im Hinspiel der 2. Runde der Europa-League-Qualifikation, als er gegen KI Klaksvik in der Nachspielzeit zum 1:0 traf. Das Rückspiel schaute er sich gestern Abend dann bloss noch als Zuschauer im TV an. Zuvor sprach er mit den FN über die Gründe seines Entscheids.

Christian Schneuwly, wie haben Sie in der Nacht auf Donnerstag geschlafen?

Ich habe sehr gut geschlafen. Natürlich war der Mittwoch ein turbulenter Tag. Es ist nicht leicht, sich zu sagen, dass man seine Mannschaftskollegen von einem Tag auf den andern nicht mehr sehen wird. Aber die Vertragsauflösung ging ja von mir aus. Es war mein Entscheid, und ich bin überzeugt, dass er richtig ist. Deshalb kann ich voll dahinter stehen.

Was hat Sie zu dem Entscheid bewogen?

Es war ein schleichender Prozess. Der begann am Ende der Rückrunde der letzten Saison, als der Club mir gesagt hat, dass ich nicht mehr so viel Spielzeit erhalten werde. Seither hatte ich clubintern diverse Gespräche. Ich wollte die Rolle akzeptieren, aber gleichzeitig meinen Vertrag vorzeitig verlängern. Doch der Club wollte nicht. Daraufhin habe ich als Erstes meine Captainbinde abgegeben. Unter diesen Umständen wollte ich nicht mehr Captain sein, ein Captain muss auf dem Feld stehen. Zuletzt habe ich in meinem Bauch dann immer klarer gespürt, dass es für mich insgesamt nicht mehr passt und ich einen Schlussstrich ziehen muss.

Hatten Sie den Gedanken auf eine Vertragsauflösung schon lange im Hinterkopf?

Nein, ich versuchte zunächst, die Verantwortlichen von mir zu überzeugen – auf und neben dem Platz. Doch von der anderen Seite kam einfach nichts. Das soll nicht als Vorwurf verstanden werden, ich hege keinen Groll, weder gegen Sportchef Remo Meyer, noch gegen Trainer Thomas Häberli. Alles ist sauber abgelaufen.

Aber Sie verloren allmählich die Hoffnung, dass sich Ihre Situation verbessern könnte?

Naja, ich hatte ja erst drei Pflichtspiele absolviert, in denen es mir mit zwei Toren zudem ganz gut lief. Es wäre also vorstellbar gewesen, dass sich die Lage irgendwann wieder ändert. Aber ich habe schon gemerkt, dass man eher auf andere setzt. Ich bin schon lange dabei und kenne die Mechanismen, deshalb bin ich auch nicht frustriert. Aber in meinem Alter will man lieber bei einem Club sein, bei dem man Verantwortung übernehmen und viel spielen kann. Kommt hinzu: Wenn ich jetzt eine Saison mehr oder weniger auf der Bank sitzen würde, wäre es schwierig geworden, danach wieder einen guten Verein zu finden.

Momentan sind Sie vereinslos. Haben Sie schon eine Idee, wie Ihre Zukunft aussieht?

Nein, ich wollte zunächst das Kapitel Luzern beenden, um wieder offen für etwas Neues zu sein. Das ist zwar unkonventionell, normalerweise wartet man mit der Bitte um Vertragsauflösung, bis man etwas Neues gefunden hat. Aber ich wollte offen und ehrlich mit dem Club umgehen und nicht hintenrum Gespräche mit anderen Vereinen führen.

Haben Sie bereits Anrufe von anderen Clubs erhalten?

Ja, den Mittwoch verbrachte ich mehr oder weniger am Telefon. Es kam immer irgendeine Nachricht oder ein Anruf – auch von interessierten Clubs. Das hat mich gefreut, weil es zeigt, dass ich mir eine gewisse Wertschätzung erarbeitet habe. Ich werde mir nun die nötige Zeit nehmen, um mir die Angebote genau anzuschauen, werde mich dann aber möglichst schnell entscheiden, um schon bald wieder spielen zu können. Sicher ist, dass ich gerne in der Schweiz bleiben möchte, auch für meine Familie. Klar ist auch, dass ich noch lange weiterspielen will.

Aus Freiburger Sicht wäre eine Wiedervereinigung mit Ihrem Bruder Marco eine interessante Vorstellung. Ist der FC Aarau eine Option?

Ich schliesse momentan gar nichts aus und bin offen für alles. Es hat in der Vergangenheit gut funktioniert, mit Marco zusammenzuspielen. Wenn der Club interessiert ist und mir ein Angebot macht, schaue ich mir das gut an.

Sie wohnen mit Ihrer Frau und Ihrem zweijährigen Sohn in Luzern. Ist es Ihre Idee, dortzubleiben und weiter in dieser Region zu spielen?

Nicht unbedingt. Längerfristig ist es eher unsere Idee, wieder in die Region Freiburg zurückzukehren.

«Ich versuchte zunächst, die Verantwortlichen von mir zu überzeugen – auf und neben dem Platz. Doch von der anderen Seite kam einfach nichts.»