Belfaux 28.11.2019

Belfaux blickt nach Betrug voraus

In Belfaux laufen die Aufräumarbeiten nach dem Veruntreuungsfall.
Der Gemeinderat von Belfaux hat mit der Hilfe einer Begleitgruppe ein ausgeglichenes Budget 2020 erstellt. Die Arbeiten nach der Veruntreuung von bis zu sechs Millionen Franken gehen aber weiter.

Im vergangenen Sommer ist in Belfaux ein gewaltiges Loch in der Gemeindekasse zutage getreten: Es fehlten mehrere Millionen Franken, mutmasslich abgezweigt vom damaligen Gemeindekassier. Ging man anfangs von einem Betrag von bis zu vier Millionen Franken aus, hat sich inzwischen gezeigt, dass es tatsächlich nahezu sechs Millionen Franken sein dürften. «Die Untersuchung läuft noch, und es könnte sogar noch mehr zum Vorschein kommen», sagte Oberamtmann Carl-Alex Ridoré gestern vor den Medien.

Das Oberamt und die Gemeinde hatten die Medien eingeladen, um über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren und das Budget 2020 vorzustellen, das gestern an die Mitglieder des Generalrats versandt wurde. Das Budget hat der Gemeinderat zusammen mit einer Begleitgruppe ausgearbeitet, die der Oberamtmann im September eingesetzt hat. Es sieht bei Ausgaben von 13,37 Millionen Franken ein Defizit von 370 000 Franken vor, gegenüber knapp 300 000 Franken im Vorjahr. Das sei angesichts der Umstände im Rahmen, schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft an den Generalrat, der am 17. Dezember über den Voranschlag abstimmen wird.

«Keine bösen Überraschungen»

Das Budget sei eine wichtige Etappe, sagte Gemeindepräsidentin Rose-Marie Probst vor den Medien. Die Arbeit gehe aber weiter: «Der Gemeinderat will alles lückenlos aufklären, die Kontrollmechanismen prüfen und die Verantwortlichkeiten klären.» Wichtig sei, die finanzielle Stabilität und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu wahren.

«Für die Steuerzahler wird es keine bösen Überraschungen geben», betonte die für die Finanzen verantwortliche Gemeinderätin Jacqueline Gury Racine. Einbezahlte Steuergelder seien von der Veruntreuung nicht betroffen, und es sei auch keine Steuererhöhung zu befürchten. Hingegen sieht das Budget die Möglichkeit vor, bis zu fünf Millionen Franken zusätzliche Kredite aufzunehmen, um die Liquidität zu erhalten. Wie weit man dies ausschöpfen müsse, sei jedoch noch nicht klar, sagte Jean-Marc Morand, ehemaliger Gemeindeschreiber von Bulle und Mitglied der Begleitgruppe. Mehr Klarheit werde der Finanzplan 2020 bis 2024 bringen. Dieser befindet sich noch in Arbeit und wird dem Generalrat im kommenden Mai vorgelegt, zusammen mit der Rechnung 2019. Auch die Rechnung wird derzeit von Grund auf neu erarbeitet. Hier werde sich nicht nur der finanzielle Schaden zeigen, sondern auch Unregelmässigkeiten in der Rechnungsführung, so Carl-Alex Ridoré.

Bessere Kontrollen

Zusammen mit der Begleitgruppe hat der Gemeinderat Massnahmen aufgegleist, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Dazu gehören bessere Kontrollmechanismen und eine Professionalisierung. Der Oberamtmann hat das Mandat der Begleitgruppe bis Juni 2020 verlängert. Derweil sind die Straf- und die Administrativuntersuchung gegen den ehemaligen Gemeindekassier und allfällige weitere Verantwortliche im Gang. Näheres könne er dazu im Moment nicht sagen, so Ridoré.

Personen

Ein Rücktritt und ein neuer Kassier

Im Februar wird die für die Finanzen verantwortliche Gemeinderätin Jacqueline Gury Racine zurücktreten. Dies habe nichts mit den Vorfällen dieses Jahres zu tun, sagte sie. Sie habe ihre Demission schon im Januar angekündigt, und diese habe rein persönliche Gründe: Sie werde die Gemeinde verlassen und in den Jura zurückkehren, wo sie herkomme.

Derweil hat bereits ein neuer Gemeindekassier seine Arbeit aufgenommen: Dominique Chassot ist seit dem 4. November im Amt. Diese Anstellung sei für den Gemeinderat von oberster Priorität gewesen, sagte Gury Racine.

cs