Freiburg 13.06.2018

Grossandrang am Sonntagmorgen

Studierende warten am Sonntagmorgen auf die Öffnung der Bibliothek.
Wegen der hohen Betriebskosten sind sonntags an der Uni nur zwei Bibliotheken offen. In der Prüfungsphase ist der Platz zum Lernen knapp. Die Rektorin sagt, die Studenten hätten die Möglichkeit, sich selbst zu helfen.

Von wegen faule Studenten: Am Sonntagmorgen um Viertel vor acht ist der Eingangsbereich vor der Rechtsbibliothek voll. Studentinnen und Studenten mit Rucksäcken, Rollkoffern und Büchern voller Post-its warten auf die Öffnung der Bibliothek. «Letztes Wochenende war die Schlange schon um halb acht so lang», sagt die Medizinstudentin Naomi. Man merke, dass bei einigen Studiengängen die Prüfungen schon durch seien. Nicht so für Naomi: Sie steckt mitten in der Lernphase. Da liegt keine Pause am Sonntag drin. «Zu Hause kann ich nicht lernen, deshalb komme ich in die Bibliothek», erklärt sie. Am Sonntag hat sie dabei nur wenig Auswahl: Von acht bis 19.45  Uhr ist die Rechtsbibliothek geöffnet, von elf bis 17.45  Uhr zudem die Bibliothek für Geschichte und Theologie.

Alle anderen Bibliotheken sind am Sonntag geschlossen, auch die Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB). Weil sich dann sämtliche Lernenden in zwei Bibliotheken drängen, wird es eng und stickig. Be­sonders angenehm zum Lernen sei das nicht, sagt Naomi. Wirtschaftsstudentin Andreina weicht darum sogar sonntags nach Bern aus.

Universitätsrektorin Astrid Epiney hat Verständnis für die Studierenden. Sie relativiert aber: Der Grossandrang betreffe etwa vier bis fünf Sonntage pro Jahr. «Es kostet ziemlich viel, die Bibliotheken sonntags zu öffnen», sagt Epiney. Dafür brauche es nicht nur eine Aufsichtsperson, sondern auch Sicherheits- und Reinigungspersonal für das jeweilige Unigebäude. Das sagt auch Regula Feitknecht, stellvertretende Direktorin der KUB. Eine Aufsichtsperson koste rund 100 Franken pro Stunde und offene Bibliothek, rechnet sie vor.

In der Kommission mitreden

Die Universitätsbibliotheken haben einen gewissen Kredit pro Jahr zur Verfügung. In dessen Rahmen legen sie ihre Öffnungszeiten fest, erklärt Epiney. Für jede Bibliothek gibt es eine Kommission, die darüber entscheidet und in der auch Studierende Einsitz haben. Epiney spielt den Ball zurück: «Die Studierenden können sich dort mit ihren Anliegen einbringen und konkrete Vorschläge machen.»

Die Verlagerung von Öffnungszeiten sei bereits diskutiert worden. Das könne eine Möglichkeit sein, sagt Epiney – etwa mehr Schliessungen im November, dafür offene Sonntage in der Prüfungsphase. Konkrete Projekte aber gebe es ihres Wissens derzeit nicht. Das Gleiche gilt für die KUB: «Nach dem Um- und Ausbau wünschen wir uns eine Erweiterung der Öffnungszeiten», sagt Feitknecht. Details könne sie zurzeit nicht nennen.

Da bleibt Naomi und Andreina nur, sonntags weiterhin so früh wie möglich vor der Uni zu sein, um einen Platz in der Bibliothek zu ergattern.

«Es kostet ziemlich viel, die Bibliotheken sonntags zu öffnen.»

Astrid Epiney

Rektorin der Universität Freiburg