Freiburg 07.09.2019

«Theater verbindet»

Das Theater Orchester Biel Solothurn eröffnet mit seiner brandneuen Version von Ibsens «Peer Gynt» die Saison von Theater in Freiburg.
Von Shakespeares «Romeo und Julia» bis zum jüngsten Stück von Charles Lewinsky reicht der Horizont der bevorstehenden Saison von Theater in Freiburg. Am 24. September geht es mit einer neuen Inszenierung von Henrik Ibsens «Peer Gynt» los.

Shakespeares «Romeo und Julia», Ibsens «Peer Gynt», Brechts «Mutter Courage» und Dürrenmatts «Physiker»: Liebhaber von Theaterklassikern kommen in der bevorstehenden Saison von Theater in Freiburg gleich vier Mal auf ihre Kosten, mit Meisterwerken, die vom Ende des 16. bis ins 20. Jahrhundert reichen. Dass gleich vier von sechs Stücken aus der klassischen Literatur stammten, sei keine besondere Absicht gewesen, sagt Vorstandsmitglied Rosemarie Lutz. Die Programmgestaltung hänge jeweils vom Angebot und der Verfügbarkeit der verschiedenen Ensembles ab. «Diese Spielzeit ist etwas klassischer geprägt, doch auch das zeitgenössische Theater hat seinen Platz», so die pensionierte Deutschlehrerin, die selber eine Vorliebe für das moderne Theater und dessen Entwicklungen hat. Sie freue sich persönlich vor allem auf das 2016 uraufgeführte Stück «Wunschkinder» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, das das Ensemble des Euro-Studios Landgraf am 9. Dezember auf die Bühne des Equilibre bringt. Das Schauspiel erzählt von den Schwierigkeiten von Eltern mit ihren fast erwachsenen Kindern. «Es ist ein spannendes Thema, und das Ensemble verspricht einen unterhaltsamen Theaterabend mit Niveau», so Rosemarie Lutz.

Unmittelbar vor «Wunschkinder» steht mit «Alissa» das zweite zeitgenössische Stück der Saison auf dem Programm. Es stammt aus der Feder des Schweizer Erfolgsautors Charles Lewinsky, der es selbst als «altmodische Komödie mit Happy End» bezeichnet: Ein alter Herr soll das Genossenschaftshäuschen, in dem er fast sein ganzes Leben verbracht hat, verlassen, weil die Vorschriften besagen, dass Alleinstehende dort nicht leben dürfen – doch so einfach lässt er sich nicht vertreiben. Das Theater Überland aus Langenthal, das im vergangenen Jahr mit Franz Hohlers Komödie «Cafeteria» seinen Einstand im Equilibre gab, hat «Alissa» am 26. April uraufgeführt und zeigt das Stück am 20. November in Freiburg.

«Ein Treffpunkt für Deutschfreiburg»

Über die vier Klassiker im Programm freuen sich nicht zuletzt die Freiburger Gymnasiallehrerinnen und -lehrer. Sie profitieren traditionsgemäss vom Angebot von Theater in Freiburg, die Klassenlektüre mit einem Theaterbesuch zu ergänzen. Die Nachfrage sei dieses Jahr sehr gross, sagt Matthias Hospen­thal. Der 37-Jährige ist Deutschlehrer an der Fachmittelschule Freiburg und ist dieses Jahr als Verantwortlicher für die Kontakte zu den Schulen zu Theater in Freiburg gestossen. «Die Physiker» und «Mutter Courage» hätten bei den Schulen besonders grosses Interesse ausgelöst. Er freue sich, dass Theater in Freiburg so lebendig sei und das Programm auch beim jungen Publikum gut ankomme, sagt Hospenthal. «Das Theater ist eine Institution in Freiburg, die es unbedingt braucht.»

Das unterstreicht auch Oliver Hirt, der wie Matthias Hospenthal neu im Vorstand von Theater in Freiburg sitzt. Der 28-jährige angehende Gymnasiallehrer ist für den Online-Auftritt des Vereins zuständig. Das Theater hat für ihn neben der kulturellen Bedeutung eine wichtige soziale Komponente: «Es ist ein Treffpunkt für Deutschfreiburg und bringt viele verschiedene Leute aus dem ganzen Kanton zusammen, die ihre Liebe zum Theater eint.» Dass es im mehrheitlich französischsprachigen Kanton Freiburg ein deutschsprachiges Theater gebe, sei nicht selbstverständlich, aber unverzichtbar.

Für Oliver Hirt ist das Theater ein Raum der Entschleunigung. «Ausserdem mag ich es, Stücke, die ich gelesen habe, live auf der Bühne zu sehen.» In dieser Saison freut er sich besonders auf «Mutter Courage und ihre Kinder». Er habe eine Seminararbeit über Brecht geschrieben und das Stück gelesen, es aber noch nie gesehen. «Es ist eine faszinierend zwiespältige Geschichte, und ich bin gespannt auf die Umsetzung.»

Dass die Umsetzung eines Stoffs bei jeder Aufführung einmalig sei, das ist für Matthias Hospenthal eine der grossen Stärken des Theaters: «Theater ist nicht beliebig reproduzierbar; entweder man ist dabei oder man ist es nicht.» Darum sei auch der Austausch mit den anderen Zuschauerinnen und Zuschauern im Anschluss an die Vorstellung ein wichtiger Bestandteil des Theatererlebnisses: «Das hat etwas Verbindendes.»

Auch Rosemarie Lutz schätzt als Vorstandsmitglied den Kontakt mit dem Publikum: «Wir wollen anspruchsvolles Theater für ein anspruchsvolles Publikum bieten. Dessen Reaktionen sind wichtig für uns, um zu wissen, ob wir mit unserer Programmgestaltung richtig liegen.» Die Auswahl der Stücke sei Sache des Gesamtvorstands. Dieser stehe in engem Kontakt mit den verschiedenen Ensembles. Wann immer möglich, sehe er sich die Stücke im Vorfeld an. «Es ist ein Privileg, auf diese Weise den Puls der Theaterwelt fühlen zu können – aber es ist auch eine Verantwortung gegenüber dem Publikum», so Rosemarie Lutz. Wie ihre Vorstandskollegen ist sie überzeugt davon, dass das Theater nach wie vor einen wichtigen Platz in der Kulturlandschaft hat: «Das Theater kann sich mit seinen Mitteln behaupten. Lebende Personen auf einer Bühne haben eine ganz andere Wirkung als Film oder Fernsehen.»

Davon kann sich das Publikum von Theater in Freiburg ab dem 24. September wieder überzeugen. Dann startet die neue Spielzeit mit «Peer Gynt» in einer brandneuen Inszenierung des Theater Orchester Biel Solothurn, die unmittelbar nach den Premieren in Solothurn und Biel nach Freiburg kommt. Man darf gespannt sein, was das bewährte Ensemble unter der Regie von Katharina Rupp aus Henrik Ibsens Klassiker rund um die Kraft der Fantasie und die Suche nach Identität macht.

Programm

Die Spielzeit 2018/19 im Überblick

Di., 24. September: «Peer Gynt» (Drama von Henrik Ibsen). Theater Orchester Biel Solothurn.

Mi., 20. November: «Alissa» (Komödie von Charles Lewinsky). Theater Überland, Langenthal.

Mo., 9. Dezember: «Wunschkinder» (Schauspiel von Lutz Hübner und Sarah Nemitz). Euro-Studio Landgraf.

Do., 30. Januar: «Die Physiker» (Schauspiel von Friedrich Dürrenmatt). Tournee-Theater Thespiskarren.

Mi., 19. Februar: «Mutter Courage und ihre Kinder» (Theaterstück von Bertolt Brecht). Landestheater Schwaben, Memmingen.

Fr., 27. März: «Romeo und Julia» (Tragödie von William Shakespeare). Theater Orchester Biel Solothurn.

Familienaufführung ausser Abonnement:

Fr., 24. Januar: «Rotchäppli» (Märchenspiel in Dialekt nach den Gebrüdern Grimm, für Kinder ab vier Jahren). Märli Theater Zürich.

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Alle Aufführungen finden um 19.30 Uhr im Equilibre in Freiburg statt, das Märchenspiel «Rotchäppli» um 19 Uhr. Vorverkauf bei Freiburg Tourismus (026 350 11 00) oder auf www.theaterinfreiburg.ch