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«Hinweise wurden heruntergespielt»

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Der Kapuzinerorden war an der gestrigen Medienkonferenz durch den Provinzial seiner Schweizer Provinz, Bruder Agostino Del-Pietro, vertreten. «Mit dieser Untersuchung möchten wir gegenüber der Öffentlichkeit wie auch für uns selber eine dunkle Geschichte ausleuchten, die vor allem für die von den Übergriffen Betroffenen, aber auch für viele Mitglieder des Kapuzinerordens sehr schmerzvoll ist und noch lange nachwirken wird», sagte er und räumte sogleich ein: «Aufseiten unseres Ordens wurden Hinweise auf ein Fehlverhalten des Täters lange Zeit zu wenig ernst genommen oder gar heruntergespielt.» Im Bestreben, den guten Ruf des Ordens und der Kirche zu schonen, sei man bemüht gewesen, nach damaliger Gepflogenheit eine gerichtliche Anzeige gegen eine kirchliche Person und damit einen öffentlichen Skandal zu vermeiden. «Es wurde versucht, das Problem möglichst intern zu lösen», so Del-Pietro. «Ein übliches Mittel war die Versetzung des Täters in eine andere Provinz, in ein anderes Land.» Der Orden und andere kirchliche Verantwortliche hätten aber fatalerweise davor zurückgeschreckt, den Täter bei der Justiz anzuzeigen oder ihn dazu zu bewegen, sich selber anzuzeigen. Es habe auch viel zu lange gedauert, bis der Täter bei der Glaubenskongregation in Rom angezeigt worden sei. «Aus Scheu unterblieben Massnahmen, die in einer frühen Phase weitere Übergriffe verhindert hätten», sagte der Provinzial. Es seien schliesslich zwar Massnahmen ergriffen worden, aber viel zu spät. Dazu gehörten die Entfernung des Pädophilen aus allen kirchlichen Funktionen, die faktische Einschliessung in ein Kloster mit Ausgehverbot im Jahr 2005 und schliesslich die Anzeige bei der Glaubenskongregation im vergangenen Jahr. Diese Anzeige habe zur Folge gehabt, dass der Täter in den Laienstand versetzt und aus dem Orden ausgeschlossen wurde. «Der Fall ist damit für den Kapuzinerorden zivilrechtlich und kirchenrechtlich abgeschlossen», so Del-Pietro. So etwas dürfe aber nie mehr vorkommen, und es bleibe nur, die Betroffenen um Entschuldigung zu bitten.

«Problem besteht weiterhin»

Auch Daniel Pittet kam als Gast an die gestrige Medienkonferenz: jenes Opfer, das die öffentliche Diskussion um diesen Fall letztes Jahr mit seinem Buch «Mon Père, je vous pardonne» erst ermöglicht hatte (die FN berichteten). «Ich danke den Kapuzinern für diesen Bericht«, sagte er. «Das Problem der Pädophilie besteht aber weiterhin.» Immer noch lebten Tausende von Tätern und Opfern unter uns. Allerdings würden 80 Prozent aller Missbrauchsfälle in der eigenen Familie geschehen, 19 Prozent in Sport- und sonstigen Vereinen und nur ein Prozent im Rahmen der Kirche.

Bischof

Treffen mit Zeugen führte zu keinen neuen Erkenntnissen

Charles Morerod, der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, begrüsst die Ini­tiative der Schweizer Kapuziner, die Resultate der neutralen Kommission zu präsentieren, welche die Vorgänge um den pädophilen Kapuzinerpater untersuchte. Das teilte die diözesane Kommunikationsstelle gestern in einem Communiqué mit. Die Diözese habe der von den Kapuzinern beauftragten Kommission für ihre Untersuchung Zugang zu ihren Archiven gewährt. Sie habe auch den Kontakt mit Opfern oder Zeugen ermöglicht, die sich im letzten Jahr, seit der Veröffentlichung von Pittets Buch, an das Bistum gewandt hatten. Morerod habe darüber hinaus persönlich versucht, Licht in die Möglichkeit der Beteiligung von weiteren Personen innerhalb seiner Diözese zu bringen, unter Einbezug mehrerer Zeugen, die mit dem Täter zu tun hatten. Das Treffen mit diesen Zeugen führte jedoch zu keinen neuen Erkenntnissen.

«In diesem wie in anderen Fällen hat die Diözese die Justiz nicht informiert», räumte Bischof Morerod auf Anfrage der FN ein. «Das war schlecht, und nun weiss man es.» Er selber würde alle Missbrauchsfälle, die ihm zu Ohren kommen, umgehend der Polizei oder der Justiz melden. Das gelte im Prinzip auch für alte Fälle, sofern die Täter noch leben würden. Es gehe dabei auch darum, die Rückfallgefahr zu minimieren. «Das Leiden der Opfer ist gross», so Morerod weiter. «Wir haben die Pflicht, ihnen, so gut wir können, zu helfen – und zukünftige Fälle zu vermeiden.»

jcg

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