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«Ich fühle mich vor allem erleichtert»

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Autor: matthias fasel

Am Dienstag haben Sie im Stade de Suisse ihr letztes Spiel geleitet. Nach 160 Super-League-Spielen ist nun Schluss. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Ich fühle mich vor allem erleichtert. Mit YB – GC durfte ich am Dienstag zum Abschluss ein wichtiges Spiel pfeifen. Da ist natürlich auch der Druck sehr gross. Deshalb bin ich froh, dass das Spiel für mich gut gelaufen ist. Denn, wenn man im letzten Spiel einen Fehler begeht, bleibt das lange im Hinterkopf.

Kein bisschen Wehmut?

Doch, ein bisschen schon. Aber ich bin nun einmal letztes Jahr 45 geworden und habe damit die Alterslimite erreicht. Und ganz unglücklich darüber bin ich nicht. Irgendwann stumpft man ab und dann wird das Spiel zur Routine. Zudem ist das Pfeifen immer auch mit vielen Nebengeräuschen verbunden.

Nebengeräusche gab es auch im Februar. Die Schiedsrichter wurden damals vom Blick stark kritisiert. Auch Sie, weil Sie beim Spiel St. Gallen – Zürich auf eine Schwalbe reingefallen waren. Wie geht man damit um?

Es ist nicht leicht. Der Mediendruck hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Als ich vor elf Jahren anfing, gab es in den Stadien vielleicht drei Kameras, heute sind es acht bis zehn. Ganz zu schweigen von den Berichten in der Presse. Der Schiedsrichter wird ja meist nur erwähnt, wenn er einen Fehler gemacht hat.

Lesen die Schiedsrichter denn auch, was die Zeitungen über sie schreiben?

Ja, besonders als junger Schiri kauft man sich vermehrt am Morgen nach dem Spiel verschiedene Zeitungen. Obwohl uns zum Beispiel gesagt wird, dass wir uns die Blick-Note nach einem Spiel nicht anschauen sollen. Aber natürlich macht man es trotzdem. Wer sagt, er tue das nicht, der lügt.

Hatten Sie nach Fehlentscheiden auch schon schlaflose Nächte?

Ich hatte nach Spielen sowieso Mühe einzuschlafen, weil ich zunächst runterfahren musste. Aber nach wichtigen Fehlentscheiden war der Schlaf schon besonders schlecht.

Für Fehlentscheide sind teils auch die Spieler verantwortlich, weil sie die Schiedsrichter versuchen zu täuschen. Entsteht da auch eine gewisse Wut?

Es nervt natürlich schon. Ich habe auch schon einem Spieler, auf dessen Schwalbe ich reingefallen war, gesagt, er müsse dann beim nächsten Mal schon ganz gut fallen, damit ich wieder Foul pfeife. Schliesslich fällt man nicht gerne zwei Mal herein.

Wird denn viel mit den Spielern kommuniziert?

Das kommt ganz auf den Schiedsrichter an. Ich habe immer sehr viel kommuniziert, manchmal vielleicht sogar zu viel. Aber ich bin der Meinung, dass Worte manchmal mehr nützen als Karten. Am Dienstag hat mich zum Beispiel ein Spieler gefragt, ob ich eigentlich blind sei. Da hätten andere vielleicht eine Karte gezückt. Ich habe ihm hingegen einfach gesagt, er solle jetzt den Erfolg geniessen und Fussball spielen. Danach war er ruhig.

Die Spieler sind das eine, die immer gewaltbereiteren Fans wieder etwas anderes. Sind Sie schon bedroht worden?

Eine Zeit lang hat mich jeweils bei Spielen in Genf ein Fan bedroht. Er hatte sich sogar die Mühe gemacht, die Buchstaben für die Drohbriefe aus Zeitungen auszuschneiden. Nach einem Spiel des FCB habe ich zudem letztes Jahr eine Zeit lang Mails von Fans erhalten. Aber Drohungen sind im Schweizer Fussball doch klar die Ausnahme.

Trotzdem, als Schiedsrichter muss man eine ziemlich dicke Haut haben. Wo haben Sie immer wieder die Motivation hergenommen?

Ich konnte sehr viele Erfahrungen sammeln im Umgang mit Leuten. Ausserdem habe ich viele neue Leute kennengelernt und meist ein gutes Ambiente erleben können. Diese 98 Prozent schönen Szenen überwiegen deshalb die unangenehmen zwei Prozent deutlich.

Ist das Geld auch ein Motivationsfaktor?

Für ein Spiel in der Super League gibt es 1000 Franken. Da ist aber alles inbegriffen. Zum Beispiel musste ich alle zwei Jahre den Anzug und auch das jährlich obligatorische Trainingscamp auf Cran Canaria selbst bezahlen. Ich habe deshalb immer 100 Prozent gearbeitet. Für die Erholungszeit ist das nicht ideal. Deshalb würde ich es befürworten, dass die Schiedsrichter nur noch 50 Prozent arbeiten und 50 Prozent vom Fussballverband angestellt sind. Aber ich glaube nicht, dass das in naher Zukunft der Fall sein wird.

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