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«Ich hatte mehrmals schlaflose Nächte»

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An der heutigen Generalversammlung des SC Düdingen treten die drei Co-Präsidenten Beat Hirschi, Erwin Spicher und Alexander Schmutz zurück. Acht Jahre lang haben sie den hinter dem FC Bulle zweitgrössten Fussballverein des Kantons Freiburg geleitet. Eine Aufgabe, die viel Erfüllung, aber auch zahlreiche schlaflose Nächte beschert hat, wie Beat Hirschi im Gespräch mit den FN erzählt.

 

Beat Hirschi, man soll auf dem Höhepunkt abtreten, sagt eine Redewendung. Haben Sie den richtigen Moment erwischt, um als Präsident des SC Düdingen aufzuhören?

Die Junioren  A des SC Düdingen sind Schweizer Meister geworden, und auch die Junioren  C standen gerade eben im Schweizer Finalturnier. Das hatten wir in letzter Zeit noch nie erlebt. Aber ich weiss natürlich, was Sie ansprechen wollen.

Die erste Mannschaft des SCD ist in Ihrem achten und letzten Amtsjahr aus der 1. Liga abgestiegen …

Im Fussball ist es wie im Leben, es gibt Hochs und Tiefs. In dieser Saison haben wir erlebt, wie es runtergeht. Deswegen würde ich aber nicht sagen, dass ich den Moment für den Rücktritt verpasst habe. Einen Trainer kann man an den Erfolgen einer Mannschaft messen, die Leistung eines Präsidenten geht über das Sportliche hinaus. Aber klar: Wenn ich es hätte steuern können, dann wäre ich 2014, nach den Aufstiegsspielen zur Promotion League, zurückgetreten.

«Es hat drei Jahre gedauert, einen Nachfolger für das Präsidentenamt zu finden.»

Weshalb konnten Sie damals nicht zurücktreten?

Als ich 2010 zum SCD kam, war der Plan, fünf Jahre als Präsident zu machen. Nach den fünf Saisons war jedoch kein Nachfolger da. Auch in den Jahren danach fand sich niemand, der das Amt übernehmen wollte. Ich hätte zurücktreten können, im Stil von «nach mir die Sintflut». Ich fühlte mich aber verpflichtet, einen Nachfolger zu finden. Das hat schliesslich drei Jahre gedauert.

Warum war so schwer, einen Nachfolger zu finden?

Das ist eine gute Frage. Ich habe das Gefühl, dass das Gebilde SC Düdingen den Leuten von der Grösse her etwas Angst macht. Ein Budget von 600 000 Franken, über 20 Mannschaften, ein imposantes Stadion – davor haben viele Respekt. Viele scheuen auch den Zeitaufwand.

Wie viel Zeit haben Sie für den Verein aufwenden müssen?

Pro Tag waren es zwei bis drei Stunden, den Aufwand für spezielle Projekte wie den Bau des Stadions nicht eingerechnet. Hinzu kamen die Präsenzzeiten an den Wochenenden auf den Fussballplätzen, wo ich, wenn immer möglich, zwei Spiele der Aktiven und ein Juniorenmatch mitverfolgt habe.

Sie haben gesagt, dass ein Präsident nicht nur an sportlichen Erfolgen gemessen werden sollte. Woran möchten Sie gemessen werden?

Als ich 2010 beim SCD den Posten des Präsidenten übernahm, habe ich die drei Buchstaben FIS als Leitmotiv angegeben. F steht für Finanzen, I für Infrastruktur und S für Sport. In diesen drei Bereichen wollte ich etwas bewegen – und daran muss ich mich messen lassen.

Sportlich lief es für die erste Mannschaft nicht gut. Was waren die Gründe?

Der Abstieg kam ja nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Resultat eines Prozesses, der sich schon länger abgezeichnet hatte. Nach dem Höhepunkt im Jahr 2014 hat die Mannschaft wegen gewichtigen Abgängen wie jenen von Fabian Brügger, Lukas Schneuwly, Adrian Schneuwly, Daniel Spicher und Michael Stulz ein anderes Gesicht bekommen. Solche Abgänge kann ein SC Düdingen nicht von heute auf morgen gleichwertig ersetzen. Erst recht nicht, wenn der Anspruch da ist, dass es mit eigenen Spielern geschehen soll. Aus dem eigenen Spielerreservoir konnten wir nicht genügend Qualität ziehen, weshalb man angefangen hat, externe Elemente zusammenzusuchen. Dabei hatte man nicht immer ein glückliches Händchen.

Zum Beispiel?

In der Zusammenstellung des Teams würde ich im Nachhinein gewisse Sachen anders machen. Viele Leute haben sich daran gestört, dass plötzlich sechs Spieler im Team waren, die eine andere Hautfarbe hatten als die Sensler. Ich habe mich oft gefragt, in welchem Jahrhundert diese Leute leben. Dennoch hat die ganze Sache hohe Wellen geworfen, was ich tendenziell ein bisschen unterschätzt habe. Wenn es läuft, das hat man dieses Jahr bei YB gesehen, dann sind es immer «unsere Jungs», die gewinnen. Läuft es aber nicht gut, heisst es sofort: «Mit denen kann es ja nicht funktionieren».

Ein schlechtes Team zusammengestellt zu haben, war ein Vorwurf, den Sie sich in dieser Saison oft anhören mussten.

Als Präsident will ich mich da nicht aus der Verantwortung ziehen, schliesslich habe ich bei jeder Verpflichtung meine Unterschrift gegeben. Dennoch sollte man etwas differenzieren: In einem Verein, in dem ehrenamtlich gearbeitet wird, hast du als Präsident immer auch andere Leute um dich. Alle machen ihre Arbeit und versuchen, diese so gut wie möglich zu verrichten. Als Präsident bist du oftmals erst am Ende der Geschichte involviert und kannst nur noch beschränkt Einfluss nehmen. Kommt hinzu, dass es in der 1. Liga ganz allgemein immer schwieriger wird, gute Spieler zu bekommen.

«Das Geld hat in den letzten Jahren in der 1. Liga total überhandgenommen.»

Inwiefern?

Was in den obersten Fussballsphären mit den überrissenen Salären abgeht, wirkt sich leider auch nach unten aus. Das Geld hat in den letzten Jahren in der 1. Liga total überhandgenommen. Jeder Spieler hat heute den Anspruch, mit Fussball gut zu verdienen. In den letzten Jahren haben wir das Vereinsbudget um rund 60  Prozent auf 600 000 Franken erhöht. Vom Geld her hatten wir seit der Saison 2015/2016 den Plafond erreicht. Mehr konnten und wollten wir nicht mehr investieren.

Im Gegensatz zu anderen Freiburger 1.-Liga-Vereinen hatte der SCD seine Finanzen immer im Griff.

Das war immer unser Anspruch. Nur: Wenn du das Budget nicht erhöhst, der Markt sich aber weiterentwickelt, bekommst du für dein Geld immer weniger Qualität. Auf diese Saison hin hatten wir 12 Zuzüge getätigt, wir fanden aber nur zwei Spieler mit 1.-Liga-Erfahrung. Wir hatten dennoch die Hoffnung, eine Gruppe formen zu können, in der die Jungen über sich hinauswachsen und es doch irgendwie zum Ligaerhalt reichen könnte. Geklappt hat es nicht – wie gesagt, wenig überraschend.

«Ein Verein wie Düdingen darf sich nicht nur auf den Leistungsfussball fokussieren.»

Will der SCD dereinst wieder in der 1. Liga konkurrenzfähig sein, wird er deutlich mehr investieren müssen als bisher. Liegt das überhaupt drin?

Die Geldsummen, die derzeit in der 1. Liga ausgegeben werden, tun dem Fussball nicht gut. Da wollten wir nicht mehr mitmachen. Für mich ist klar, dass sich ein Verein wie der SC Düdingen mit seiner Struktur nicht bloss auf den Leistungsfussball fokussieren und dass er keine finanziellen Kapriolen schlagen darf, nur um in der 1. Liga vorne dabei zu sein. Das war nie unser Weg, und ich hoffe, es wird auch künftig nicht der Weg sein. Das durchzuziehen braucht allerdings Mut.

Der Weg, den der SCD künftig einschlagen will, führt vermehrt über junge Spieler aus der Region. Etwas, das man in Düdingen in den letzten Saisons vermisst hat.

Das ist ein Vorwurf, den ich oft zu hören bekommen habe, allerdings zu Unrecht, wie ich finde. Von den 23 Spielern, die Anfang Saison in unserem Kader waren, stammten 17 aus der Region.

Im Verlauf der Saison kamen aber noch einige Auswärtige dazu, und nur wenige Spieler aus der Region standen regelmässig dem Platz.

Die Herkunft kann nicht das einzige Kriterium sein, ob jemand spielt. Es braucht auch Qualität, wenn man den Anspruch hat, zur 1. Liga zu gehören. Natürlich hätte ich gerne ein Team gehabt, bei dem zwei Drittel der Stammelf Sensler sind. Das ist aber klares Wunschdenken. Momentan ist das Reservoir an 1.-Liga-tauglichen Spielern vor unserer Haustüre nicht gross genug. Vielleicht ändert sich das eines Tages wieder, bei den Junioren wird aktuell sehr gut gearbeitet. So weit sind wir aber noch nicht.

Deshalb forderten viele im Umfeld des SCD, der Verein solle lieber eine Liga tiefer mit Fussballern aus der Region spielen – und nicht in der 1. Liga mit lauter Auswärtigen im Team. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Jein. Als Vorstand hast du auf der einen Seite deine Aktionäre, die Clubmitglieder, die eine Stimme haben und auf die du hören musst. Auf der anderen Seite hast du aber auch Verpflichtungen gegenüber Sponsoren. Du hast ein Umfeld aufgebaut, das ebenfalls Ansprüche hegt. Da prasseln unterschiedlichste Vorstellungen und Erwartungen auf dich ein, und du musst versuchen, eine Balance zu finden. Meine Absicht war es immer, so lange in der 1. Liga zu spielen, wie es irgendwie geht.

Hätten Sie sich manchmal mehr Toleranz und Verständnis von den Leuten erhofft, anstatt immer nur kritisiert zu werden?

Als Präsident bekommt man sehr viel ab, obwohl man eigentlich gar nie auf dem Platz gestanden ist (lacht). Aber das gehört zum Business dazu.

Wie sind Sie mit der Kritik umgegangen?

Ich war acht Jahre Präsident, und inzwischen bin ich 56-jährig, da lernst du, mit Kritik umzugehen. Aber klar, wenn man immer zu hören bekommt, das sei nicht gut und das sei schlecht, dann geht es nicht spurlos an einem vorbei. Man ist ja kein Roboter. Es gab schon manche schlaflose Nacht, in der ich überlegt habe, was ich falsch gemacht habe und was ich besser machen müsste.

Haben Sie in den acht Jahren als Präsident nie mit dem Gedanken gespielt, den Bettel hinzuwerfen? Immerhin haben Sie ehrenamtlich gearbeitet.

Nein. Ich hatte Ja gesagt, mit dem SCD einen Weg zu gehen. Das habe ich so gut wie möglich durchgezogen. Aber es ist schon so, Applaus gibt es nicht, ausser von einer Handvoll Leute, die dich eng begleiten. Das ist aber nicht nur beim SCD so, sondern im Leben allgemein. In diesem Jahr habe ich schon gemerkt, dass ich müde und ausgelaugt war. Ich musste Sachen wie den Posten des Sportchefs übernehmen, weil dieser kurz vor Meisterschaftsstart plötzlich zurückgetreten war. Es war eine sehr intensive Zeit, und es ist gut, dass es jetzt den Wechsel gibt. Sowohl für mich wie auch für den Club.

Sie waren treibende Kraft beim Bau des Stadions auf dem Birchhölzli. Haben Sie zumindest dafür Applaus geerntet?

Als ich 2010 anfing, war die Infrastruktur schlecht. Jeder 3.-Liga-Club hatte eine bessere Ausstattung als wir. Ich bin vom Naturell her kein Verwalter, sondern einer, der etwas bewegen will. Also habe ich das Stadionprojekt lanciert und angefangen, im Privaten Gelder zu suchen, weil die Gemeinde das Stadion nicht finanzieren konnte. Es brauchte anfangs einiges an Überzeugungsarbeit, und ich bekam mehrmals zu hören, ich sei grössenwahnsinnig. Heute sind aber alle stolz auf das Stadion.

Sie hatten beim Bau darauf insistiert, dass ein Fussballplatz mit Kunstrasenfeld errichtet wird. Ein richtiger Entscheid?

Das war der beste Entscheid, den wir in den vergangenen acht Jahren gefällt haben. Düdingen hat so viele Teams, wir können nicht anders funktionieren als mit zwei Plätzen, die jederzeit bespielbar sind. Beim Rasenfeld hatte die Gemeinde als Besitzerin oftmals Einfluss genommen. Bei Regen etwa durfte man es nicht betreten. Wenn man leistungsorientierten Fussball in der 1. Liga haben will, muss das Team richtig trainieren können. Es kann nicht sein, dass es sich ein Terrain mit zwei anderen Teams teilen muss, weil das andere wegen Regenfällen gesperrt ist. Die Opposition gegen den Kunstrasen war sehr gross, ich habe den Entscheid regelrecht durchboxen müssen. Wenn man heute aufs Birchhölzli geht, heisst es, w i r hätten weise und weitsichtig gehandelt. Das ist gut so (lacht).

Sie waren auch dabei, als der FC Freiburg, Bulle und Düdingen zusammen das «Team Freiburg» bilden wollten.

Das habe ich schon fast vergessen. Ich konnte nicht so viel Herzblut in das Projekt investieren wie zum Beispiel ins Stadion. Es hatten schon andere Leute vorher versucht, die drei Clubs zusammenzuführen – was schon rein geografisch fast unmöglich ist. Zudem war ungünstig, dass die Initiative von Personen ausserhalb der drei Vereine ausging. Man hat rasch gemerkt, dass die Eigeninteressen einiger Personen im Vordergrund standen. Ich glaube nicht, dass in nächster Zeit eine Zusammenarbeit stattfinden wird.

Welche Herausforderungen muss Ihr designierter Nachfolger Pascal Klaus meistern?

In erster Linie die sportlichen. Ein Abstieg bietet die Chance für einen Neuanfang, er birgt aber auch Risiken. Die Relegation muss man erst verkraften, man darf den Kopf nicht in den Sand stecken.

Und welche Tipps geben Sie dem neuen Präsidenten mit auf den Weg?

Eine Linie einschlagen und versuchen, diese durchzuziehen. Es wird immer etwas Gegenwind geben, aber man muss auch mal etwas vertreten können, man darf nicht bei einem kleinen Misserfolg gleich alles über den Haufen werfen. «Augen zu und durch» lautet das Motto.

 

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