Freiburg 08.01.2019

Ein Programm für das psychische Wohl

Zur Förderung der psychischen Gesundheit gibt es im Kanton Freiburg zahlreiche Angebote.
Die Direktion für Gesundheit und Soziales hat ein kantonales Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit vorgestellt. Es umfasst 28 Massnahmen, die fortgeführt und verstärkt werden sollen.

«Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit.» Dies sagte Laurent Holzer, Ärztlicher Direktor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, gestern bei der Prä­senta­tion des kantonalen Programms zur Förderung der psychischen Gesundheit. Deshalb sei dessen Nutzen auch bedeutend.

Laut Holzer stärkt dieses Programm die Rahmenbedingungen, die Zusammenarbeit der Fachpersonen, den Zugang zu den Angeboten, gewünschte Verhaltensweisen und auch die personellen Ressourcen zur Gesundheitsförderung. Dadurch würden soziale Beziehungen, Chancengleichheit, das Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben und die Qualität des Umfelds von betroffenen Personen gefördert.

Ganzheitlicher Ansatz

«Das Programm ist eine Premiere für die Schweiz», sagte Gesundheits- und Sozial­direktorin Anne-Claude Demierre (SP). Beim Erarbeiten habe man alle gesellschaftlichen Akteure einzubeziehen versucht. Damit trage man auch dem weiten Gebiet Rechnung, welches die psychische Gesundheit darstelle.

Gemäss Demierre ist die psychische Gesundheit in die kantonale Strategie für Gesundheitsförderung eingebettet, welche der Kanton 2017 mit Zeithorizont 2030 erarbeitet hatte. Im Bereich der psychischen Gesundheit fand nun eine Bestandesaufnahme dessen statt, was erreicht wurde, und es wurde darüber nachgedacht, wo noch Massnahmen zu entwickeln sind.

Wie Demierre sagte, seien im Bereich der psychischen Gesundheit in den letzten Jahren zahlreiche Dienstleistungen entstanden. Diese Arbeit solle fortgeführt und weiterentwickelt werden. Ziel des kantonalen Programms sei vor allem ein koordiniertes Vorgehen.

Das kantonale Programm enthält 28 Massnahmen für diverse Zielgruppen von Kindern und Jugendlichen bis zu den Senioren (siehe Kasten). Ein konkretes Projekt ist ab 2019 neu. Allgemein sollen die Bemühungen im Bereich Kommunikation und Ausbildung verstärkt werden.

Zwei Millionen für drei Jahre

In den Jahren 2019 bis 2021 stehen gemäss der Gesundheitsdirektorin etwas über zwei Millionen Franken für die 28 Massnahmen zur Verfügung. Jährlich umfasst diese Hilfe jeweils 563 000 Franken zugunsten von Kindern und Jugendlichen und 158 000 Franken für Senioren. Die Gesundheitsförderung Schweiz beteiligt sich pro Jahr mit 179 000 Franken an diesem Betrag. Bei diesem Programm geht es also weniger um die Strukturen des Freiburger Netzwerks für psychische Gesundheit als um gesellschaftliche Aspekte, auf die eingewirkt werden soll.

In der Schweiz werden die Kosten für psychische Erkrankungen auf jährlich 17 Milliarden Franken geschätzt, davon sind über 6 Milliarden direkte Kosten.

Im Kanton Freiburg sind gemäss einer Erhebung 87 bis 96  Prozent der Schüler zwischen 11 und 15 Jahren nach eigener Einschätzung bei guter bis ausgezeichneter psychischer Gesundheit. Aber es ist eine Zunahme der Angst feststellbar. Bei jungen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren weisen 8,5 Prozent Depressionssymptome auf. Und bei den Senioren hänge die psychische Gesundheit eng mit der körperlichen Gesundheit zusammen.

Massnahmen

Vom Sprachkurs für Schwangere zur Senioren-Studenten-WG

Die 28 Massnahmen des kantonalen Programms lassen sich in vier Typen einteilen: Vernetzung (2 Massnahmen), Information (5), Interventionen (17), Strukturmassnahmen (4). Vier dieser Interventionsmassnahmen wurden gestern an der Me­dien­konfe­renz einzeln vorgestellt. Dazu gehört ein Sprachkurs des Flüchtlingsbetreuungs-Unternehmens ORS. Dieser ist inhaltlich spezifisch auf Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit ausgerichtet. Die Familien- und Paarberatung Freiburg stellte ihre Begleitung für Personen vor, welche Krankheit, Trauer und Trennung gegenüberstehen. Der Verein Reper präsentierte das Beispiel der Gassenarbeit in der Gemeinde Attalens. Und das Freiburgische Rote Kreuz informierte über eine Aktion, dank der Senioren und Studenten gemeinsam unter einem Dach leben. Weitere Massnahmen des Plans sind etwa das Konzept «Gesundheit in der Schule», Hilfe im Fall von Gewalt in Paarbeziehungen, der Umgang mit Suizidrisiko oder ein Entlastungsdienst für pflegende Angehörige.

uh