Freiburg 09.01.2020

Immersiver Unterricht soll innerhalb der Schulen organisiert werden

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Aldo Ellena/a
Freiburger Lehrpersonen werden nicht quer durch den Kanton reisen, um Unterricht in der anderen Sprachregion zu erteilen. Immersion soll an der eigenen Schule geschehen.

Die Idee der Grossräte Pierre Mauron (SP, Riaz) und Peter Wüthrich (FDP, Domdidier) schien einfach und einleuchtend. Immersionsunterricht findet nur an einigen Schulen statt. Damit aber alle Freiburger Schüler davon profitieren können, sollten Lehrpersonen ein bis zwei Tage pro Woche in einer Schule oder Klasse einer anderen Sprache unterrichten. Statt die Schüler in die jeweils andere Sprachregion zu bringen, sollten Lehrpersonen hin und her fahren.

Dem Grossen Rat gefiel die Motion der beiden Grossräte und 31 weiterer Mitunterzeichnenden: Er nahm die Motion mit 48 gegen 29 Stimmen bei sechs Enthaltungen an.

Ein Artikel betroffen

Der Staatsrat war somit zu einer gesetzlichen Regelung verpflichtet. Er lehnt aber die Grundidee der Motionäre ab und schlägt einzig vor, in einem Artikel die Förderung der Zweisprachigkeit zu ergänzen durch den Passus «... insbesondere durch Massnahmen, die den immersiven Unterricht bevorzugen».

Mit der ausdrücklichen Verankerung des Begriffs «Immersionsunterricht» im Schulgesetz, könnten bestehende Angebote unterstützt, ausgeweitet und verstärkt werden, schreibt der Staatsrat.

So erwähnt die staatsrätliche Botschaft vor allem, was im Kanton an Immersionspro­jekten bereits läuft. Es gebe ein Konzept, einen Leitfaden sowie die Ausbildung für bilingualen Unterricht an der Pädagogischen Hochschule. Zudem plane eine ämterübergreifende Steuergruppe weitere Projekte.

Zu viele Unterschiede

Den Lehreraustausch erachtet der Staatsrat aber als nicht machbar. Er verweist auf die unterschiedlichen Schulsysteme mit unterschiedlichen Schulorganisationen und Lehrplänen.

Inhaltlich seien die beiden Lehrpläne zwar gleichwertig, der Kompetenzaufbau erfolge jedoch zeitlich verschoben. Dies wiederum führe zu Unterschieden in den Stundentafeln. Ein Versuch an der OS Murten im Schuljahr 2012/13 sei wegen des kulturell unterschiedlichen Unterrichtsverständnisses abgebrochen worden, heisst es in der Botschaft. Zu­dem würden unterschiedliche Arbeitsorte die Arbeitsverträge der Lehrpersonen erschweren. Die administrativen Schwierigkeiten wären gross, die Fahrkosten hoch, und die Stellengarantie für Lehrpersonen würde tangiert.

Statt Schulleiter neu Direktor

Nebst der Verankerung des immersiven Unterrichts schlägt der Staatsrat dennoch eine weitere Änderung vor. So soll der wenig prestigeträchtige Titel eines Schulleiters verschwinden und in der Primarschule durch den Ausdruck «Schuldirektor der Primarschule» ersetzt werden. Diese Anpassung würde es erlauben, bestehende Ungleichheiten mit der OS auszuräumen, heisst es. Auf die Gehaltsklasse habe dies aber keine Aus­wirkungen.

uh