Freiburg 19.01.2018

Startschuss für die Green Factory

Ein idealer Standort, um Innovation in den Bereichen Lebensmittel, Landwirtschaft und Biomasse zu fördern.
Kantonale Stellen möchten in St-Aubin ein Innovationszentrum für Lebensmittel, Landwirtschaft und Biomasse verwirklichen. Mit einem Wettbewerb sollen bis zu 15 Projekte erkoren werden. Die meisten sollen auf dem Elanco-Gelände umgesetzt werden.

Vor sieben Jahren haben der Kanton und die Stadt Freiburg gemeinsam das ehemalige Cardinal-Areal gekauft, um darauf das Innovationsquartier Blue Factory mit seinem Schwerpunkt auf dem Bauen und Wohnen einzurichten.

Letztes Jahr hat der Grosse Rat dem Kauf von 277 000 Quadratmetern Land in der Arbeitszone und 986 000 Quadratmetern Landwirtschaftsland der Firma Elanco in St- Aubin (Broyebezirk) zugestimmt, und nun möchte der Kanton dort ein Innovationszentrum für Lebensmittel, Landwirtschaft und Biomasse einrichten. Die kantonalen Direktionen für Volkswirtschaft und Landwirtschaft, die Wirtschaftsförderung, der Cluster «Food and Nutrition» der Hauptstadtregion Schweiz sowie private Partner haben gestern in Grangeneuve das Projekt vorgestellt.

Know-how und Arbeitskräfte

«Das Terrain ist ideal für ein solches Projekt», sagte Staatsrätin Marie Garnier (Grüne) an der Medienkonferenz. «Freiburg bietet das perfekte Umfeld, um Innovation entlang der Produktionskette der Lebensmittel von der Saat bis zum Abfall zu fördern.»

«Die Schliessung eines Industriestandorts bietet oft die Chance für einen qualitativen Schritt. Diese gilt es zu ergreifen», sagte Staatsrat Olivier Curty (CVP). Wie er sagte, machen im Kanton Freiburg die Bauwirtschaft und die Lebensmittelpro­duktion rund 20  Prozent der Arbeitsplätze aus. Für die Bauwirtschaft habe man die Blue Factory geschaffen, für die Lebensmittelkette komme nun das Innovationszentrum in St-Aubin. «Freiburg verfügt über das Know-how und die Arbeitskräfte, um auf diesem Gebiet eine Pionierrolle zu übernehmen.» Drei Ziele sollen gemäss Curty mit dem Projekt verfolgt werden: die Innovationskapazität des Kantons zu stärken, für internationale Firmen interessant zu werden und ein dynamisches Bild zu vermitteln.

Über einen Projektaufruf

Speziell am Vorgehen ist, dass die künftigen Benutzer der Infrastrukturen in St-Aubin über einen Projektaufruf mit dem Namen «Agri & Co Challenge» erkoren werden sollen. Dieser beginnt am 1. März, und die ausgewählten Gewinner sollen am 7. November präsentiert werden. Das Auswahlverfahren wird koordiniert durch Nadine Lacroix Oggier, Managerin des Clusters «Food and Nutrition» mit Sitz in der Blue Factory. In der Jury sitzen insgesamt 14 Personen.

Gemäss Jean-Luc Mossier, Direktor der Freiburger Wirtschaftsförderung, richtet sich der Wettbewerb an Unternehmen in der Wachstumsphase, aber nicht unbedingt an klassische Start-ups. Sie können aus der Schweiz oder dem Ausland kommen.

Gemäss Mossier haben sich die Initianten 15 Projektrealisierungen zum Ziel gesetzt. Zehn der 15 Projekte sollen auf dem Innovationsgelände in St-Aubin realisiert werden und von den vorhandenen Infrastrukturen wie Büros, Labors, Landwirtschaftsflächen und Produktionshallen profitieren. Die ausgewählten Projekte werden zwei Jahre lang gezielt durch Coaching, Mentoring oder Networking begleitet, und pro Projekt gibt es ein Preisgeld von 30 000  Franken.

Fünf externe Projekte

Fünf weitere Projekte sollen ihren externen Standort behalten, erhalten aber ebenfalls ein Coaching sowie gezielte Partnerschaften und Geschäftsmöglichkeiten mit Freiburger Partnern. Auch können sie an Entdeckungswochen in St-Aubin teilnehmen.

An der Lancierung machen vier Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich mit: Nestlé, Cremo, Fenaco und Micarna. Olivier Quillet von Nestlé sagte, für sein Unternehmen sei es logisch gewesen einzusteigen: «Das Projekt ist gut durchdacht, strukturiert und präsentiert. Hier wird Innovation in drei unserer Kernbereiche gefördert. Und es kann eine weltweite Ausstrahlung haben.»

Noch hat das geplante Innovationszentrum keinen Namen. Gemäss Jean-Luc Mossier unterscheidet sich die Struktur von jener der Blue Factory. Die geförderten Projekte werden zwei Gebäude belegen. Daneben hat es, anders als bei der Blue Factory, Platz für Unternehmen mit industrieller Produktion. So wird etwa das geplante Zusammenarbeitsprojekt zwischen der Freiburger Translait und dem chinesischen Unternehmen Synutra zur Herstellung von Milchprodukten für Kinder auf dem Elanco-Gelände nicht beeinträchtigt (FN vom 15.12.). Man wolle niemandem die Türen verschliessen, so Mossier. Es sei auch möglich, dass die in diesem Jahr ausgewählten Förderprojekte sich dauerhaft in St-Aubin niederlassen.

www.agricochallenge.org

Zahlen und Fakten

Verschiedene Finanzquellen

Von der Lancierung bis zur Auswahl der preisgekrönten Projekte für das Innovationszentrum in St-Aubin ist ein Budget von 220 000  Franken vorgesehen. Die Fortsetzung und Begleitung wird dann mit Mitteln der Wirtschaftsförderung bezahlt. Der Kanton Freiburg wird mit 561 000 Franken den Hauptbeitrag an die Lancierung und Um­setzung leisten. Ausserdem werden 109 000 Franken durch die Neue Regional­politik finanziert und 50 000 Franken von privaten Partnern getragen. Anders als bei der Freiburger Blue Factory sind für den Bezug der Infrastrukturen des Elanco-Gebäudes wenig Investitionen nötig. Vor allem die Büros und Labors haben einen modernen Standard und können fast unverändert in Betrieb genommen werden.

uh