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Klimaexperte Martin Hölzle hofft nach den schwachen Ergebnissen in Glasgow auf Innovationen

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Die Klimakonferenz in Glasgow hat die Erwartungen an eine schnelle Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase zerschlagen. Martin Hölzle, Glaziologe an der Uni Freiburg und Mitglied des Beratenden Organs für Klimafragen des Bundes, setzt nun seine Hoffnungen in die Innovation.

Martin Hölzle, fast genau auf den Tag genau vor drei Jahren haben die FN mit Ihnen über den damaligen Appell des Weltklimarates gesprochen. Dieser hatte eindringlich gefordert, dass die Welt bis 2050 klimaneutral sein muss, soll die Erderwärmung bei 1,5 Grad gestoppt werden. Sind wir heute aus Klimasicht besser dran?

Wir sehen, dass sich der erhöhte Ausstoss klimaschädlicher Gase, wie CO2 und Methan, immer stärker in den meteorologischen Erscheinungen niederschlägt. Es gibt, wie von den Klimamodellen langfristig vorhergesagt, eine Zunahme der Extreme. Zu denken ist an die Hochwasser im letzten Sommer oder an die Dürren in den Sommern davor. Das trifft auch auf meinen Forschungsbereich der Kryosphäre zu, also die kalten Zonen mit Schnee, Gletschern und Permafrost. Dort ist ein kontinuierliches Abschmelzen festzustellen, was in Bezug auf die Gletscher beim Wandern in den Bergen auch von Laien gut beobachtet werden kann.

Gibt es seit 2018 keine messbaren Verbesserungen, die auf ein nachhaltigeres Handeln der Menschheit deuten könnten?

Nein. Der Lockdown im Corona-Jahr 2020 beispielsweise hat sich auf die CO2-Mengen kaum ausgewirkt – trotz weniger Flugverkehr. Denn dieser macht bloss etwa 2,5 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses aus. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel der fossilen Stromerzeugung wurde zudem weiterhin viel CO2 in die Atmosphäre ausgestossen. 

In Bezug auf das Netto-null-Ziel der CO2-Emissionen muss ganz klar festgehalten werden, dass die Weltgemeinschaft inklusive der Schweiz nicht auf dem richtigen Weg ist. Es läuft gar nicht so, wie es sollte und wie es die Klimawissenschaften schon lange fordern. 

Diese Grafik zeigt, dass die Schweiz mit den jetzigen Massnahmen ihre Ziele bis 2030 nicht erreichen wird. 
NZZ

Was müsste konkret geschehen, um auf den richtigen Weg zu kommen?

Bei der Corona-Pandemie konnten wir sehen, dass wir heute als modern entwickelte Menschen die Möglichkeiten haben, einer weiteren Erderwärmung entgegenzuwirken. Während der Pandemie haben wir etwa über Online-Meetings unnötige Reisen vermieden. Das zeigt, dass wir relativ schnell unser System umgestalten könnten. In der Schweiz, in der die Bevölkerung im Unterschied zu anderen Ländern selbst entscheiden darf, ist es wichtig, die Menschen davon zu überzeugen, dass jede Person mithelfen muss, die Transformation zu schaffen.

Das ist bei der Abstimmung über das CO2-Gesetz aber kläglich gescheitert.

Ja, leider. Das ist aus meiner Sicht schade, weil es uns geholfen hätte, uns ein wenig zu zwingen, die Veränderungen möglichst schnell voranzutreiben. Gerade als hoch entwickeltes Land könnten wir zeigen, wie eine andere Lebensweise ohne grossen Verlust des Wohlstands möglich ist.

Auch Glasgow zeigt, dass es schwierig ist, die Klimaziele auf politischem Weg zu erreichen. Was ist die Alternative?

Ich hoffe auf die Innovationskraft der Menschen. Es gibt bereits so fortschrittliche Technologien, dass sie die alten in den Schatten stellen. So muss ehrlicherweise gesagt werden, dass der Verbrennungsmotor schon heute tot ist. Ein Elektro-Auto verbraucht viel weniger Energie, und seine Reichweite ist vergleichbar. Der grösste Ausstoss an CO2 in der Schweiz geht mit 32 Prozent auf den Verkehr zurück, dennoch haben wir in diesem Bereich zu wenig schnell Fortschritte gemacht.

Das Argument, dass die Innovation das Klimaproblem löst, wurde bisher immer von bürgerlicher Seite propagiert, um die Bevölkerung ja nicht mit staatlichen Einschränkungen vor den Kopf zu stossen. Wird damit die Wirtschaft tatsächlich zum letzten Ausweg?

Ich sehe in der Wirtschaft jedenfalls eine grosse Bewusstseinsveränderung. Unternehmen wie die Swiss Re oder die Zürich-Versicherung halten ihre Mitarbeitenden beispielsweise zu ökologischerem Verhalten an und berücksichtigen den CO2-Verbrauch in ihren Firmenbilanzen. Auch grosse Firmen wie Nestlé sind bestrebt, etwas zu verändern. Das wird einen Einfluss auf die weitere Entwicklung haben.

Glasgow lehrt aber auch: Der Wirtschaftshebel funktioniert unter dem Gesichtspunkt des kurzfristigen Profits, des Machtanspruchs autokratischer Staaten, wie China oder Russland, sowie der Interessenslage aufstrebender Industrienationen, wie Indien, nicht schnell genug.

Wichtig wäre darum, diese Staaten davon zu überzeugen, dass neue Technologien mindestens so gut und günstig sein können und dass es sich nicht lohnt, in alte Technologien wie Kohle zu investieren. Wenn die Innovation stark genug ist, müssen auch diese Länder nachziehen, wenn sie keine massiven wirtschaftlichen Verluste erleiden wollen. Darum verstehe ich auch nicht, weshalb die Schweiz mit der Transformation immer noch wartet. Wir haben dafür alle Ressourcen, auch die nötigen finanziellen Mittel. Dass es geht, zeigen die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Dänemark. 

An was hapert es denn in der Schweiz, dass wir es ihnen nicht gleichtun?

Die Schweizer Regierung müsste klare gesetzliche Vorgaben machen, an die sich die Wirtschaft halten muss. Damit tun wir uns aber schwer. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Schweiz bei den Autos mit Verbrennungsmotoren nicht deutlich macht, dass grosse Autos hier nichts mehr zu suchen haben, und wenn doch, dass diese wenigstens elektrisch angetrieben sein müssen. 

Wenn es die Rolle des Staats ist, die richtigen Rahmenbedingungen und Signale für Innovation zu setzen, dann ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die Schweiz auch in Glasgow wieder dafür ausgesprochen hat, Investitionen in Klimaschutzprojekte im Ausland als eingesparte Emissionen gutzuschreiben.

Dazu kann ich nur sagen: Bis 2050 muss jedes Land klimaneutral sein. Wenn wir jetzt anderen Ländern helfen, CO2 einzusparen, ist das eine gute Idee. Aber damit befreien wir uns nicht von der eigenen Pflicht, das Netto-null-Ziel zu erreichen, und zwar sehr schnell.

Es gibt Annahmen, dass die Erderwärmung bis 2100 um 2,7 Grad Celsius ansteigt, wenn weiterhin nichts dagegen unternommen wird…

Das wäre einfach eine Katastrophe. Mich wird das nicht mehr treffen, aber für unsere nachkommenden Generationen ist das schlicht untragbar. Das können wir nicht verantworten. Die Konsequenzen werden zudem vor allem die ärmeren Länder tragen müssen. Wir in der reichen Schweiz können uns vielleicht noch besser schützen. Aber auch uns wird es teuer zu stehen kommen. Die hohen Kosten, die heute oftmals ins Feld geführt werden, um Massnahmen zu verhindern, sind einfach ein unlogisches Argument. Die Behebung der zukünftig entstehenden Schäden kommt uns später viel teurer zu stehen.

Welche Phänomene, die Sie in ihrer Arbeit als Glaziologe in den letzten drei Jahren festgestellt haben, sorgen Sie am meisten?

Am meisten gestresst hat mich, dass sich auch der vergangene relativ schlechte Sommer in keiner Weise positiv auf die Schweizer Gletscher ausgewirkt hat. Im Gegenteil, auch dieses Jahr gab es einen Massenverlust. Das ist auch bei den meisten Gletschern in Zentralasien und anderen Gebirgsregionen so.

Was mich aber noch mehr beunruhigt, ist, dass grössere Systeme wie die Westantarktis oder Teile Grönlands immer schneller abschmelzen. Dann werden wir innert kurzer Frist doch sehr grosse Veränderungen erleben, wie der Anstieg des Meeresspiegels.

Wenn das geschieht, werden viele Millionen Menschen bedroht sein, die in der Nähe des Meeres leben. Die Folgen der Migration werden uns ebenfalls treffen, noch stärker als heute.

Was auch immer in Glasgow entschieden wird: Bei 200 teilnehmenden Staaten wird es immer der kleinste gemeinsame Nenner sein. Das ist in jedem Fall unzureichend…

Ja. Dennoch hoffe ich nach wie vor auf die Energie aus lokalen Initiativen. Norwegen hat wie andere Staaten beispielsweise beschlossen, ab 2025 Verbrennungsmotoren zu verbieten. Wenn dort keine solchen Autos mehr zugelassen sind, weiss auch die deutsche Autoindustrie, dass sie dorthin keine Benziner mehr liefern muss.

Sie sind Mitglied des Beratenden Organs für Klimafragen des Bundes. Dieses wird per Ende Jahr aufgelöst. Noch gibt es dazu aber keine Alternative. Wie ist das möglich, angesichts der anstehenden Herausforderungen?

Das ist unklar. Einerseits macht es Sinn, ein neues und erweitertes Gremium zu schaffen, um es inter- und transdisziplinär zu machen. Mich stört aber, dass es im Moment keine Anschlusslösung gibt für ein Land wie die Schweiz, das eine führende Rolle bei der Klimaproblematik einnehmen muss. Der politische Druck ist jedoch so gross, dass ich guter Dinge bin, dass ein neues Gremium hoffentlich bald kommen wird.

Zur Person

Der Gletscher-Experte

Martin Hölzle ist Professor für physische Geografie an der Universität Freiburg. Er ist Mitglied des Beratungsgremiums für Klimaänderungen (OcCC) des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), wissenschaftlicher Berater des World Glacier Monitoring Service (WGMS) und ehemaliger Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Schnee, Eis und Permafrost. Hölzle beschäftigt sich seit bald 30 Jahren mit der Entwicklung moderner, stark interdisziplinärer Strategien zur Beobachtung der alpinen Kryosphäre und ist Experte im Bereich komplexer Prozessketten in Hochgebirgen. rsa

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