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Lädelisterben oder Strukturwandel?

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Lädelisterben oder Strukturwandel?

Probleme und Strategien des Detailhandels in Murten

Im Laufe dieses Jahres haben einige Detailhandelsgeschäfte im Städtchen Murten ihre Türen für immer geschlossen. Die leer gewordenen Lokalitäten vermieten sich nur schwer wieder. Für den Detailhandelsobmann Bernhard Aebersold ist dies jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Von CORINNE AEBERHARD

Flaniert man durchs Städtchen in Murten, dann fällt auf, dass einige Ladenlokale leer stehen und entweder gemietet werden können oder zum Verkauf stehen. Ihre Geschäftstätigkeit in den letzten Monaten aufgegeben haben beispielsweise die Eisenwarenhandlung Blatter, die Metzgerei Marthaler, die Bébé-Stube und das Schuhgeschäft Donna Mania. Die Schliessung angekündigt hat das Haushaltwarengeschäft Brechbühl. Ende März 2004 wird gemäss Besitzer Christian Brechbühl der Mietvertrag ablaufen und dann wird auch er die Geschäftstätigkeit einstellen.

Unterschiedliche Gründe stehen hinter dem Verschwinden der Detailhandelsgeschäfte. Während sich die einen neuen Aufgaben zuwenden wie etwa Marthalers, die seit Oktober die Schulkantine der OS Murten führen und weiterhin einen Partyservice anbieten, so hat sich Berthy Steffen entschlossen, ihre Bébé-Stube zu schliessen, weil sie zu wenig Umsatz erwirtschaftete. «Ich hätte investieren oder aber das Sortiment erweitern müssen und das wollte ich nicht», sagt sie und begründet dies auch mit ihrem Alter. Ihr Geschäft führte sie während acht Jahren.

Wirtschaftliche Gründe

Den Entscheid der Schliessung lange hinausgezögert hat Christian Brechbühl. «Die Kunden zeigen aber Verständnis dafür», sagt er. Trotz der verschiedenen Hintergründe sind es aber doch vor allem wirtschaftliche Argumente, welche die Geschäftsleute zur Aufgabe oder zu einer Neuorientierung zwingen.

«Die Tendenz stellen wir allgemein fest», bestätigt denn auch Bernhard Aebersold, Obmann der Murtner Detaillisten. Es sei aber nichts Neues und davon betroffen sei nicht nur Murten. Ähnlich sehe es in Burgdorf, Langnau oder Langenthal aus: Städte, die mit Murten vergleichbar sind. Aber «die Situation spitzt sich zu» und es gehe schleichend weiter. Aebersold weiss auch, «dass sogar in Bern die Umsätze der Geschäfte in der Innenstadt in den letzten fünf Jahren um fünf bis zehn Prozent zurückgegangen sind».

Unterschiedliche Bedingungen

Einen Grund für den schlechten Geschäftsgang sieht er in der Parkplatzsituation von Murten. «Wenn man den Zubringerdienst zu fest einengt, dann hat dies Auswirkungen.» Negativen Einfluss habe auch das Streichen von Parkplätzen im Zentrum, die hohen Parkgebühren sowie «die aggressive Bewirtschaftung der Parkplätze».

Gehe der Kunde auf die «Grüne Wiese» einkaufen, dann stünden dort «eine Fülle von Parkplätzen zur Verfügung» und selbstverständlich seien diese gratis. Der Kunde könne relaxed einkaufen, brauche nicht immer auf die Uhr zu schielen, weil er eine Busse befürchtet.

Die guten 90er Jahre seien vorbei, sagt Aebersold. Häufig erreiche man zwar noch immer den gleichen Umsatz, dies sei aber mit einem hohen Aufwand verbunden. Von Seiten Detaillisten habe man versucht, Gegensteuer zu geben. Man habe das Probon-System eingeführt oder Kundenkarten lanciert. Weiter versucht man mit Aktionen und Wettbewerben die Kunden anzulocken. Diese Bemühungen wirken sich aber auf die Margen des Einzelhandels aus. Einen Wettbewerb müsse man ja irgendwie finanzieren. Weiter kamen neue Abgaben hinzu, die man tragen muss wie etwa die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, deren Kosten abgewälzt werden. Steigende Löhne und ein höherer Administrationsaufwand sind weitere Gründe, die manchen das Geschäften verleiden lassen.

«Man muss einen grossen Aufwand betreiben, um das gleiche Resultat zu erreichen, oder aber man hat weniger in der Kasse», fasst Aebersold zusammen. Ganz klar sei man mehr gefordert und damit können die einen Geschäftsleute besser umgehen als die anderen. «Einige verlieren den Mut», und bei manchen verspüre er eine «gewisse Müdigkeit». Er habe Verständnis dafür, meint er. Es sei schwierig, diese zu motivieren. Zudem müsse man vermehrt politisch Einfluss nehmen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Sei ein Geschäftsinhaber demotiviert, dann betreibe er nicht mehr denselben Aufwand, ist Aebersold überzeugt. Schlimmer noch sei, wenn man dann den Frust an der Kundschaft rauslasse. Von all dem ist auch Aebersold selber mit seinem Laden betroffen. Er aber lässt sich nicht unterkriegen und «gibt Vollgas».

Auch im Verband sei man aktiv, suche das Gespräch mit der Politik, «um die Sache positiv zu beeinflussen». Mit einem Vorstoss möchte man «eine ausgleichende Gerechtigkeit» erreichen. Konkret sollen die Geschäfte innerhalb des Städtchens die gleichen Bedingungen haben wie jene ausserhalb. Oftmals sei man bei Umbauten sehr eingeschränkt und habe hohe Auflagen. Das erkläre dann auch das Abwandern, wovon im Übrigen nicht nur der Detailhandel betroffen ist, sondern auch viele Versicherungen, No-tare oder Architekten sind in den letzten Jahren in Büros ausserhalb des Städtchens gezogen.

Zu dieser Entwicklung beitragen würden gemäss Aebersold auch die Hausbesitzer, welche die Mietpreise auf dem Niveau der 90er Jahre belassen haben. Einzelne liessen ihre Ladenlokale lieber über längere Zeit leer, statt sie zu einem tieferen Mietzins zu vermieten.

Ökologisch handeln

Gemäss Aebersold ist die Gemeinde gefordert, was die Rahmenbedingungen anbelangt, «sonst haben wir ein Problem». Aber auch in den eigenen Reihen müsse man «eine Dynamik entwickeln», rät er seinen Kollegen. Damit könne man den Geschäftsgang beeinflussen und mit Spezialitäten sowie mit einem positiven Marketing – u. a. auch in Zusammenarbeit mit Murten Tourismus und dem Regionalverband – könne man etwas erreichen. Dabei müssten aber alle mithelfen, betont Aebersold. In seinem Geschäft wird er demnächst eine Kampagne lancieren. Mit einem Flugblatt sowie mit bedruckten Einkaufstaschen informiert er die Kundschaft, dass sie mit ihrem Einkauf in der Region Arbeitsplätze sichern, aber auch ökologisch verantwortungsbewusst handeln.
«Positive Signale
ausgesendet»

«Ziemlich erschöpft» seien er sowie seine Angestellten, sagte Bernhard Aebersold einen Tag nach Weihnachten. Man habe vor dem Fest sehr viel zu tun gehabt. Dementsprechend zieht er auch eine positive Bilanz, was das Weihnachtsgeschäft anbelangt. Ähnliches hat er auch von anderen gehört, die in der Lebensmittelbranche tätig sind. Mit weiteren Detaillisten habe er zwar nicht gross sprechen können, aber aufgrund der hohen Frequenzen schätzt er, dass auch sie ein gutes Weihnachtsgeschäft hatten, sagt Aebersold. Das sei in der Regel so. «Positive Signale ausgesendet hat der Weihnachtsmarkt», ist Aebersold überzeugt. Das habe Auswirkungen gehabt und viele Leute habe dies animiert, nachher nochmals in Murten einzukaufen. «In dieser Richtung wollen wir weitergehen», sagt der Detaillistenobmann. ca

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