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Lug und Trug an der Uni

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Lug und Trug an der Uni

«Der zerbrochene Krug» im Abonnements-Theater

I n der Aula der Universität Freiburg gastierte das neue Theater Halle. Das Lustspiel von Heinrich von Kleist, «Der zerbrochene Krug», wurde in sehr traditioneller, textnaher Art und Weise inszeniert. Die Posse rund um Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit bringt auch den postmodernen Zuschauer zum Lachen und Nachdenken zugleich.

Die Geschichte wird in der Form eines analytischen Dramas erzählt. Die Protagonisten haben Geheimnisse zu verbergen, die im Laufe des Stückes enthüllt werden, und so verfolgt der Zuschauer die Handlung, wie in einem Krimi, oft mehr ahnend als die Bühnenfiguren selbst. Die Geschichte spielt sich in einem einzigen Raum ab: Dem Gerichtszimmer in einem kleinen, niederländischen Dorf. Eine Frau klagt gegen den jungen Verlobten ihrer Tochter Eve, er habe ihren Krug zerbrochen. Was geschah aber wirklich in jener Nacht der Krugzertrümmerung? Welche Rolle spielte ihre Tochter dabei und warum tut der Dorfrichter Adam alles um die Wahrheit zu vertuschen? Da gibt es noch den zwielichtigen Schreiber mit dem sprechenden Namen Licht und den Gerichtsrat Walter. Werden sie den Tatvorgang durchleuchten?

«Dem Zuschauer nichts wegnehmen»

Das Bühnenbild war funktional und symmetrisch in einer Dreieckskomposition aufgebaut. Je zwei Türen links und rechts, in der Mitte der grosse Richterstuhl für den korpulenten Adam und dahinter eine Öffnung, durch die Gerichtsrat, Klägerin oder Zeugin ein- und austreten konnten. Trat eine Figur durch diese Türe, ertönte jedes Mal das Donnern eines sich im Anzug befindenden Gewitters, als Sinnbild für die sich zuspitzende Situation.

Das Stück bestach vor allem durch Sprachwitz und Charakterkomik: Dorfrichter Adam, der die Wahrheit hervorbringen sollte, bewirkt genau das Gegenteil, indem er diese mit gekonnter Fabulierlust verdreht und verbiegt, dass sich die Balken biegen.

Aus Liebe verrät Eve
den wahren Täter nicht

Während Adam die Realität neu erfindet, schweigt Eve aus Liebe zum Angeklagten, da Adam sie gewarnt hat, ihr Verlobter müsse den Tod im Dienste des Staates finden. Damit ihr Geliebter seine Pflicht nicht ausüben muss, verrät sie den wahren Täter (Adam) nicht. Eine durchaus dramatische und tragische Ausgangslage, welche die Frage aufwirft, wer Recht definiert, wer richten darf und nach welchen Regeln das geschehen soll. «Der zerbrochene Krug» wurde auch schon innovativer oder gar auf das aktuelle Geschehen in der Weltpolitik Bezug nehmend inszeniert. Dazu Thomas Neumann vom neuen Theater Halle: «Ich habe mich nicht bemüht das Stück zu aktualisieren, weil ich dem Zuschauer nichts wegnehmen will. Es ging uns darum möglichst nahe an Kleist dranzubleiben und die Sprache zum Klingen zu bringen.»

Adam (Hilmar Eichhorn) ist ein komischer Held insofern, als er komisch für den Zuschauer, für sich selbst eher tragisch ist. Es ist seine Phantasie und Lügerei, die zum Lachen reizt. Sein Selbstmitleid erinnerte ein bisschen an Molières Figuren (le malade imaginaire). Von Anfang an war dem Publikum klar, dass es sich um eine lächerliche Person handelt. Eichhorn wirkte als Adam manchmal wie ein Clown und wurde immer wieder zum Zentrum des Witzes, sei es durch Wortspiele oder gemurmelte Worte, die nur fürs Publikum gedacht waren und es so zu Mehrwissenden werden liess.

Sein Kostüm verstärkte das ulkige an ihm noch: Hosenträger, die eine rote Pumphose zusammenhielten, spannten sich über den fetten, nackten Bauch. Nur das Richtergewand konnte ihm ein bisschen Respekt vor der Dorfgemeinde ermöglichen. Nebst Adam spielt auch Eve (Mila Bruk) eine wichtige Rolle. Sie verkörpert die Figur des Mädchens, welches bis zur Selbstverleugnung liebt und dabei von allen herumgeschubst und manipuliert wird. Obwohl Eve erst im zweiten Teil des Stückes so richtig zu Wort kommt, hat sie eine wichtige Präsenz. Auch Schweigen muss schliesslich gespielt werden.

Auch Nebenrollen gut besetzt

In den Nebenrollen begeisterten Adams frivole Dienerinnen das Publikum. Kuhmagd Liese (Daniela Voss) und Magd Margarete (Alexandra E. Kuziel) sorgten für manchen Lacher. Ohne freches Kichern, gegenseitiges Anschubsen oder ein zweideutiges Liebeslied auf den Lippen, konnten die beiden die Bühne nicht betreten. Auch sie liessen an Molières Dienerpersonal denken, welches bekanntlich alles andere als devot ist. Ob sie nun, an niederländische Malerei erinnernd, zum Tableau erstarrt, aus dem Fenster schauten oder einfach nur den Prozess in provozierend-neugieriger Art und Weise verfolgten, die beiden Nebenrollen waren eindeutig das Salz in der Suppe des kurzweiligen Lustspiels. hl

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