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Neuerlicher Dämpfer für Gottéron

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Die Euphorie war gross gewesen. Für teils weit über 100 Franken wechselten auf der Online-Auktionsplattform Ricardo Stehplatztickets für das Spiel vom Samstag den Besitzer. Ein beachtlicher Preis, bedenkt man, dass ein Spiel im ausverkauften St. Leonhard von den Stehplätzen aus zu verfolgen ähnlich komfortabel ist wie zur Rush Hour in Tokio U-Bahn zu fahren. Auf den Sitzplätzen hatte derweil die Freiburger Polit-Prominenz Platz genommen, von Ständerat Urs Schwaller bis Nationalrat Jean-François Rime – Persönlichkeiten, die man im St. Leonhard sonst kaum einmal antrifft. Kurz: Freiburg war bereit. Bereit, bei der vierten Endspielteilnahme der Clubgeschichte erstmals überhaupt in einer Finalserie in Führung zu gehen.

Frühe Ernüchterung

Aber der Abend sollte sich als Aneinanderreihung von Dämpfern erweisen. Nach dem Spiel waren es die Berner Fans und Spieler, die feierten. Vor Genugtuung jauchzend klatschte der am Samstag letztmals gesperrte Tristan Scherwey vor der Berner Garderobe mit jedem einzelnen Spieler ab. Sein Team führt in der Serie nun 3:2. Dem SCB fehlt noch ein Sieg zum Titel. Für Freiburg ist der erste Titelgewinn der Clubgeschichte derweil wieder in die Ferne gerückt.

Die erste Ernüchterung für die Freiburger gab es am Samstag bereits früh. Mit dem ersten Schuss ging der SCB nach zweieinhalb Minuten durch Pascal Berger in Führung. Wie wichtig dieses Tor war, zeigt die Tatsache, dass in dieser Serie immer die Mannschaft gewonnen hat, die das erste Tor erzielte. «Es ist schwierig, Rückstände aufzuholen. Beide Teams verteidigen sehr gut», sagte nach dem Spiel Benjamin Plüss.

14 Schüsse – 3 Tore

Die frühe Führung spielte den Berner Defensivstrategen in die Hände. Denn es bleibt eine spezielle Finalserie, in der die Freiburger ihr Schicksal in den eigenen Händen halten. Der SCB tut wenig für das Spiel und kreiert sich wenige Torszenen. Berner Chancen waren auch am Samstag an einer Hand abzuzählen, und nur ganze 14 Mal schoss der Gast aufs Tor. Doch wenn Freiburg den lauernden Bernern in Form von Unsicherheiten etwas zuwirft, stürzen sich die Berner wie die Hyänen drauf. Nachdem Freiburg in den siegreichen Spielen drei und vier kaum Fehler begangen hatte, gab es im fünften Spiel wieder zu viele dieser Szenen, in denen Gottéron dem effizienten Gegner ermöglichte zuzuschlagen. Eine davon spielte sich in der 17. Minute ab: Der Puck lag hinter dem Freiburger Tor auf dem Netz des Gehäuses, als Ryan Gardner am schnellsten reagierte, mit dem Stock gegen das Netz schlug und so die Scheibe hochkatapultieren liess. Freiburgs Torhüter Benjamin Conz erfasste die Situation zu spät und lenkte den Puck ins eigene Netz. Da Gardners Stock hinter dem Tor zwar zu hoch war, er aber den Puck nicht berührte, gab der Schiedsrichter nach Videokonsultation das Tor zurecht.

«Die Chancen waren da»

Es war ein Tor, das den Freiburger Fehlstart perfekt machte. Der 0:2-Rückstand nach 20 Minuten sollte sich als zu grosse Hypothek erweisen. «Bern war von Beginn an bereit, wir etwas weniger», sagte Plüss. Tatsächlich fand Freiburg lange Zeit kein Mittel gegen Berns Riegel in der Mittelzone. «Bern spielt dieses System seit zwei Jahren. Es war klar, dass sie sich nicht jedes Mal überraschen lassen», so Sprunger. Zwar fand Freiburg im Mitteldrittel besser ins Spiel. Doch während der Freiburger Druckphase fiel nach einem zu optimistischen Vorpreschen Gottérons bei einem Konter das 3:0 für die Gäste (31.). Zwar zeigte das Heimteam in der Folge Charakter, kämpfte, verkürzte in Überzahl noch im Mitteldrittel durch Sprunger auf 1:3 (34.) und liess eineinhalb Minuten vor Ende der Partie durch Plüss’ 2:3 noch einmal Hoffnung aufkeimen. Doch insgesamt zeigte sich Freiburg am Samstag im Passspiel zu fehlerhaft und im Vergleich zu Bern schlicht zu wenig abgeklärt. «Die Chancen waren da», sagte Plüss. Der Stürmer, der in den letzten zwei Spielen drei Tore erzielt hat, hätte seine beeindruckenden Werte durchaus ausbauen können, in der 41. Minute beispielsweise verpasste er mutterseelenallein vor Bührer den 2:3-Anschlusstreffer, weil er nur den Pfosten traf.

Zu sehr von Paradelinie abhängig

Es wäre jedoch völlig vermessen, die Niederlage der Paradelinie zuzuschreiben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in den Spielen eins und zwei ist der Sturm um Plüss, Sprunger und Bykow ganz klar die Lokomotive des Freiburger Offensivspiels. Von den sechs Freiburger Toren in den letzten drei Spielen gehen fünf auf das Konto dieser Linie. Ein bisschen offensive Unterstützung der anderen Sturmlinien stünde dem Freiburger Spiel deshalb gut an. In der Pflicht steht beispielsweise die Linie um Christian Dubé, Simon Gamache und Maxim Suschinsky. Das Trio sorgte am Samstag kaum für Gefahr und stand auch noch bei zwei der drei Gegentore auf dem Eis.

Suschinsky wird morgen in Bern aller Voraussicht nach dennoch zum Einsatz gelangen, da Shawn Heins gemäss Kossmann wohl noch nicht einsatzfähig sein wird. Freiburg will mit aller Macht versuchen, ein entscheidendes Spiel im St. Leonhard zu erzwingen. «Wir müssen druckvoll starten», sagt Sprunger. «Wir wissen, dass Bern letztes Jahr in der Finalserie 3:1 geführt und noch verloren hat. Und wir sind in dieser Saison auswärts stark. Es wird nicht leicht, am Dienstag zu gewinnen, aber es ist machbar.»

«Es wird nicht leicht, am Dienstag zu gewinnen, aber es ist machbar.»

Julien Sprunger

Gottéron-Stürmer

Gottérons Romain Loeffel gegen Michael Loichat. Bild Charles Ellena

Telegramm

Gottéron – SC Bern 2:3 (0:2, 1:1, 1:0)

6700 Zuschauer (ausverkauft).–SR Kurmann/Massy, Kaderli/Wüst.Tore:3. Pascal Berger (Bertschy, Beat Gerber) 0:1. 17. Loichat 0:2. 31. Loichat 0:3. 34. Sprunger (Bykow/Ausschluss Roche) 1:3. 59. Benjamin Plüss (Kwiatkowski) 2:3.Strafen:1-mal 2 Minuten gegen Gottéron, 4-mal 2 Minuten gegen den SCB.

Freiburg-Gottéron:Conz; Ngoy, Birbaum; Kwiatkowski, Abplanalp; Loeffel, Schilt; Hasani, Dubé, Gamache; Mauldin, Jeannin, Knoepfli; Sprunger, Bykow, Benjamin Plüss; Suschinsky, Botter, Vauclair; Cadieux.

 

SC Bern:Bührer; Roche, Beat Gerber; Jobin, Randegger; Collenberg, Furrer; Hänni; Pascal Berger, Ritchie, Campbell; Bednar, Martin Plüss, Rüthemann; Loichat, Gardner, Rubin; Alain Berger, Bertschy, Neuenschwander.

Bemerkungen:Gottéron ohne Heins und Gerber (verletzt), Merola, Mottet, Brügger (alle überzählig), Bern ohne Scherwey (gesperrt), Vermin (verletzt), Kinrade (krank), Sykora (überzählig). 30. Timeout Bern. Gottéron ab 59:07 ohne Goalie.

Die FN-Besten:Plüss, Bertschy.

Stand Serie(best of 7): 2:3.

SC Bern: Der märchenhafte Aufstieg des Michael Loichat

B erns Trainer Antti Törmänen wollte nach der Partie vom Samstag nicht von einem grossen Schritt in Richtung Titel sprechen. «Es ist ein Schritt, weil wir nun einen Sieg mehr auf dem Konto haben. Aber es ist kein grösserer Schritt, als es unsere ersten beiden Siege waren.» Törmänen spielte am Samstag erstmals mit drei ausländischen Stürmern und liess mit Geoff Kinrade einen der beiden kanadischen Verteidiger auf der Tribüne. «Wir haben gewonnen, also ist die Taktik wohl aufgegangen», so der Finne. An der defensiven Grundhaltung änderte die Umstellung freilich nichts. «Freiburg ist ein sehr gutes Team. Wenn man ihnen auch nur ein bisschen Raum gewährt, dann nutzen sie ihn. Besonders im ersten Drittel haben wir jedoch sehr gut gespielt, kaum etwas zugelassen und damit Freiburg frustriert.»

Von Basel in die NLA-Playoffs

Für die Tore sorgten letztlich nicht die Ausländer, sondern unter anderem Michael Loichat. Weil er das 3:0 erzielte und ihm bei Benjamin Conz’ Eigentor zum 2:0 der Treffer ebenfalls zugeschrieben wurde, war er offiziell sogar Doppeltorschütze. Für den französischsprachigen Stürmer des SCB sind die diesjährigen Playoffs so etwas wie ein Märchen. Loichat spielte in dieser Saison eigentlich beim NLB-Kellerteam EHC Basel, drängte sich dort aber mit 42 Punkten in 49 Spielen auf die Playoffs hin für eine B-Lizenz beim SCB auf. Und dort überzeugt der 22-jährige, ehemalige Nachwuchsnationalspieler. Vier Tore hat er in den Playoffs bereits erzielt. «Es ist extrem motivierend, sich als NLB-Spieler in der NLA zeigen zu können. Und wenn dann die Integration stimmt, wie dies in Bern der Fall ist, dann wird alles leicht», so der Neuenburger, der trotz weiterlaufenden Vertrages in Basel wohl auch nächste Saison beim SC Bern spielen wird. «Er ist ein sehr guter Läufer und ein sehr hungriger Spieler», sagt Törmänen über Loichat.

Berner Bullystärke

Hungrig wirkten am Samstag alle Berner Spieler. Es war ziemlich beeindruckend, wie sicher sie in den letzten 20 Minuten die Partie über weite Strecken kontrollierten. Die Bullystärke war einer der Gründe dafür, dass Bern einen Freiburger Ansturm verhindern konnte. Im Schlussabschnitt gewann der SCB neun der zwölf Anspiele. Unter anderem dank Bully-Spezialist Gardner, der nach dem Spiel ganz bescheiden sagte: «Letztlich sorgt immer auch das Glück für den Unterschied. Wenn du das nicht hast, wird es schwierig zu gewinnen. Das hat man heute bei Freiburg gesehen.» Von Euphorie will Gardner noch nichts hören. «Wir wissen, wie hart wir für jeden Sieg kämpfen müssen. Und aus dem letzten Jahr wissen wir, wie schwierig der letzte Sieg sein kann.» fm

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