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Remo Freuler – Geschüttelt und gerührt

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Der grösste Triumph der Schweizer Fussball-Geschichte ist für Remo Freuler ein Moment, „den es vielleicht mal gebraucht hat. Er zeigte uns allen auf, zu was wir fähig sind, wenn wir zusammenhalten.“ Der Viertelfinal-Einzug berührte den 29-Jährigen wie nichts zuvor.

„Der Mister hat mich vergessen.“ Freuler schmunzelt. Es geht um das makellose Penaltyschiessen gegen den WM-Titelhalter Frankreich. Er wollte eigentlich schiessen, aber die ersten fünf Namen waren bereits notiert. „Ich wäre als Sechster dran gewesen. Aber die Geschichte passt mir auch so ganz gut.“ So tickt der 29-jährige Schrittmacher von Atalanta Bergamo. Nie laut, aber auf den Punkt bereit, verlässlich – und nach fünfeinhalb erstklassigen Serie-A-Jahren auch in der Nationalmannschaft inzwischen nahezu unersetzlich.

Die Entwicklung Freulers ist frappant. 2018 stand er keine Sekunde auf dem WM-Rasen. Bei der letzten EM fehlte er auf dem SFV-Radar, die Saison vor dem WM-Out in der vorletzten Minute gegen Argentinien vor sieben Jahren spielte er noch für Winterthur in der Challenge League. Und nun ist er mittendrin, am Schalthebel, der gleichwertige Partner von Captain Granit Xhaka. Unterschätzt wird der Meister der taktischen Rückwärtsbewegung und Balleroberung von niemandem mehr.

Eine magische Nacht

Im Duell mit Frankreich war kein Spieler auf dem Platz mehr unterwegs als der Zürcher Oberländer – 14,61 Kilometer. Es ist nur der statistische Beleg für seinen imposanten Auftritt in einem unfassbaren Spiel gegen die Franzosen. Langsam realisiere er, „was wir geleistet haben“, so der Zürcher. „Es gibt kein Wort, das beschreiben könnte, wie emotional ich war.“ Geschüttelt und gerührt war er.

An etwas Vergleichbares kann sich Freuler nicht erinnern. „Niemand wird diese Partie je vergessen. Diese magische Nacht kann uns niemand mehr nehmen. 99 Prozent tippten auf einen EM-Sieg der Franzosen. Sie hätten drei Teams nominieren können, die den Titel gewinnen könnten.“ Porentief sitzt der Stolz, „diese Weltauswahl unter schwierigsten Bedingungen in die Knie gezwungen zu haben. Drei Tore schiesst gegen sie nur, wer sich nicht versteckt und restlos von sich selber überzeugt ist.“

In der Analyse ist bei Freuler noch jedes Detail präsent: „Nach dem dritten Gegentor hingen bei uns für ein paar Minuten die Köpfe. Wir brauchten etwas Zeit, um uns zu fangen.“ Sie seien komplett ausgepowert gewesen, die Moral verflüchtigte sich für einen Augenblick – bis Vladimir Petkovic im perfekten Moment Wechsel anordnete. Für Ottmar Hitzfeld war das Coaching „überragend“, Freuler teilt die Einschätzung von Petkovics Vorgänger: „Ich bin froh, hat der Trainer so gewechselt. Das war taktisch exzellent und hilfreich.“

Noch mehr Verantwortung

Die Energie der zweiten Reihe verhalf der SFV-Auswahl unter Hochdruck zur wundersamen Wende. Freuler zieht vor jenen Kollegen den Hut, die von der Bank gekommen sind und alle aus der Lethargie gerissen haben. „Sie hatten den Stolz, alles zu zeigen. Mit Herz, mit Kopf, mit der richtigen Technik. Das geht nur innerhalb einer funktionierenden Mannschaft.“ Und für den überragenden Captain Xhaka hält er ein Sonderlob bereit: „Er gibt den Ton an – mit Leistung. Granit ist ein überragender Fussballer mit Ecken und Kanten, der auf dem Platz abliefert. Darum folgen ihm alle!“

Gegen Spanien muss die Schweizer Equipe hingegen ohne ihren gesperrten Taktgeber auskommen. „Sein Ausfall ist tragisch. Aber wir betreiben einen Teamsport. Ein anderer Spieler wird nachrücken und zu 100 Prozent bereit sein“, meldet Freuler. Und klar ist auch, seine eigene Rolle im zentralen Mittelfeld wird sich ohne den Arsenal-Skipper verändern: „Ich werde noch mehr Verantwortung übernehmen.“

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