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Samt aus Italien war die Messlatte

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Am Anfang der Ausstellung über die Samtgewebe im Abegg-Museum steht ein Gemälde des Renaissance-Malers Rogier van der Weyden. Das Bild zeigt, wie die Künstler im 15. Jahrhundert, der Renaissance, die Antike zum Vorbild nahmen. Sie wandten sich der Wirklichkeit zu, versuchten Licht und Schatten, Räumlichkeit und Perspektive darzustellen. Wie der Konservator Michael Peter beim Gang durch die Ausstellung erklärte, ging die gleichzeitig in Italien aufkommende Samtweberei einen anderen, eigenständigen Weg. «Mit flächenhaften, stilisierten Formen feiert sie das Ornament und entwirft monumentale Muster von beispielloser Pracht und Eleganz», betonte er. Er ist überzeugt, dass diese Stoffe bis heute zu den Höhepunkten der europäischen Ornamentkunst gehören.

Umfassende Kollektion

Die Abegg-Stiftung besitzt gemäss Peter vielleicht nicht die weltweit grösste Sammlung an Samtgeweben aus der Renaissance, aber sicher ist sie die umfassendste. Dies macht es möglich, dass in der Sonderausstellung alle charakteristischen Muster und die gesamte Stil-Entwicklung der Samtweberei gezeigt werden können. Diese besonderen Seidengewebe zeichnen sich «durch materielle Kostbarkeit, meisterhafte Technik und grosse künstlerische Fantasie» aus.

Weshalb sich gerade norditalienische Städte wie Florenz, Venedig oder Lucca zu Zentren der italienischen Samtweberei entwickelten, ist noch nicht vollständig geklärt. Zwar wurde in Italien seit dem 13. Jahrhundert Seide hergestellt. Doch das Hauptimport-Gebiet war China. Ein Grund könnte nach Peter der aufkommende Kapitalismus sein. Die Herstellung von Samtgeweben war hochgradig organisiert und Kapital intensiv. Es brauchte also finanzkräftige Unternehmer. Diese mussten den teuren Rohstoff–Seide und Goldfäden–beschaffen, die Webbetriebe organisieren, den Unterhalt der Weber garantieren und den Absatz der Produkte auf die Beine stellen. Ob ein eigener Berufsstand die Entwürfe für die Ornamente herstellte, ist noch nicht klar. Der Fantasie jedenfalls waren keine Grenzen gesetzt. Die Ornamente, etwa Pflanzen, Blattranken, Blüten, Früchte oder Tiere zogen sich oft über zwei Meter in die Länge, bis das Motiv wiederholt wurde.

Besonders beliebte Farben waren neben Gold und Purpur, Blau, Grün und Schwarz. Bei zahlreichen Geweben sind nicht nur Teile des Musters, sondern der gesamte Hintergrund mit Goldfäden gewebt.

Der Herstellung von Samtstoffen liegt laut Peter eine aufwendige Technik zugrunde. Um den Flor zu erzeugen, der die Besonderheit des Samts ausmacht, muss der Webstuhl «programmiert» werden. Die oft dreidimensionalen Ornamente entstehen nicht durch Schussfäden, sondern durch zusätzliche Kettfäden. Für ein Samtgewebe braucht es rund die sechsfache Menge an Rohstoff als bei einem gewöhnlichen Seidengewebe. Konservator Peter ist überzeugt, dass das Einrichten eines Webstuhls anspruchsvoller war, als was die ersten Computer leisten konnten. Er ist denn auch überzeugt, dass die Webstühle als Vorgänger der Computer betrachtet werden können.

In Italien perfektioniert

Die frühesten heute bekannten Samtgewebe stammen aus der Region Zentralasien. Es handelt sich dabei aber um kleinere Medaillons, betont Michael Peter. Die italienische Samtweberei wurde jedoch so weit perfektioniert, dass sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch die türkische und die persische Samtweberei davon inspirieren liessen. «Die italienische Samtweberei ist im 15. Jahrhundert das Mass aller Dinge in der Textilherstellung», hält Peter fest.

Das kostbare Material–Seide- und Goldfäden–sowie der grosse technische Aufwand führten dazu, dass das Samtgewebe zum Kostbarsten gehörte, was man sich damals erstehen konnte. «Nur höchste gesellschaftliche Würdenträger von Kaisern und Päpsten über Fürsten und Bischöfe bis zu vermögenden Handelsfamilien konnten sich solche Stoffe leisten», hielt Michael Peter fest. Die teuren Stoffe sind in jener Zeit laut dem Fachmann Statussymbol, Luxusgut und Standessymbol zugleich gewesen.

Programm

Der Triumph des Ornaments

Die Sonderausstellung «Triumph des Ornaments. Italienische Seidengewebe des 15. Jahrhunderts» in der Abegg-Stiftung in Riggisberg dauert vom 26. April bis zum 8. November. Die Ausstellung ist täglich von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet.ja

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