Murten 15.04.2019

Bei Notfällen punktet das Teamwork

Was tun, wenn ein Notfall eintritt? Die Rettungsdienste demonstrierten es an einer Übung in der Murtner Pantschau.
Die Rettungsdienste und ihre Partnerorganisationen haben am alljährlichen nationalen Tag des Notrufs 144 Einblick in ihren Arbeitsalltag gegeben. Erstmals fand der Anlass in Murten statt.

Dieses Bild bietet sich nicht alle Tage: Ein Helikopter der Rega landet am Sonntagnachmittag auf der Murtner Pantschauwiese am See. Dutzende Schaulustige strömen herbei und bewundern das leuchtend rote Luftfahrzeug. Ein Ernstfall ist zum Glück nicht eingetreten: Anlass für die filmreife Landung ist der nationale Tag des Notrufs 144, der jedes Jahr am 14. 4. durchgeführt wird. In Murten findet die Veranstaltung zum ersten Mal statt. Organisiert hat sie die Vereinigung Rettungssanitäter Schweiz (VRS) im Auftrag der Rettungsdienste im Kanton Freiburg. Bisher war der Anlass drei Mal in der Stadt Freiburg zu Gast. «Künftig möchten wir ihn jedes Jahr in einem anderen Bezirk durchführen», sagt Marc-Henri Nuoffer, Präsident der VRS-Sektion Freiburg. Was positiv sei: Der Bekanntheitsgrad der Nummer 144 sei bei den Leuten bereits gross: «72  Prozent im Kanton kennen sie.»

Ambulanzgründer geehrt

Elf Partner der VRS stellen sich vor, darunter die Sanitätsnotrufzentrale 144, die Ambulanzdienste, ein Samariterverein, die Kantonspolizei, die Feuerwehr der Region Murten sowie weitere Notfallpartner. «Durch die Zusammenarbeit können wir die Überlebenschancen der Patienten verbessern», so Nuoffer.

Auf dem Pantschau-Parkplatz ist gerade eine Notfallübung im Gange. «Dies ist ein Sichtschutz, der die Privat­sphäre der Opfer wahren soll», kommentiert der Murtner Feuerwehrkommandant Claudio Mignot. Und er weist auf ein aktuelles Phänomen hin: «Wir beobachten eine zunehmende Zahl an Menschen, die Unglücksfälle mit dem Handy filmen, anstatt zu helfen, bevor die Rettungskräfte eintreffen.» Auf der simulierten Unfall­stelle befinden sich auch Helferinnen des Care Teams See/Lac und Sense. Sie kümmern sich um die Angehörigen der Opfer. Nicht nur auf Unfallstellen ist das Care Team präsent: Es übernimmt die psychosoziale Erste Hilfe bei Menschen nach verschiedenen belastenden Ereignissen, etwa nach dem plötz­lichen Verlust von Angehörigen oder nach Gewalttaten. Die Arbeit ist vielseitig: Die freiwilligen Helfer hören den Menschen zu und informieren Familienmitglieder. Trix Vogl aus Muntelier ist seit drei Jahren dabei. «Oft sind Menschen in Krisensituationen alleine. Wir sind in diesem Moment einfach für sie da», sagt sie über ihr ehrenamtliches En­gagement.

Wesentlichen Anteil am Aufbau und an der Entwicklung der Rettungsdienste hatte Kurt Liniger: Seine Leistungen werden am Anlass gewürdigt. Vor zwei Wochen wurde der Gründer des Ambulanz- und Rettungsdienstes Murten und Umgebung pensioniert. Was wenige wissen: Kurt Liniger war 1989 auch Gründungspräsident des schweizerischen Rettungssanitäterverbands. Ausserdem flog er 22 Jahre mit der ­Rega als Rettungssanitäter mit. «Er ist eine Legende des Rettungs­wesens», sagt Manuela Spicher, Leiterin der Sanitätsnotrufzentrale 144 Freiburg-Jura, spontan zu den FN. «35  Jahre zie- ­hen in Gedanken vorbei», sagt ­Liniger. Es mache ihn glücklich, die Entwicklung zu sehen und die Ambulanzdienste Murten in gute Hände übergeben zu können.

Notrufnummer 144

Anrufe haben sich seit der Einführung verdreifacht

Der nationale Tag des Notrufs 144 findet jedes Jahr am 14. 4. statt. Das Datum steht als Symbol für die Sanitätsnotrufnummer, die in der ganzen Schweiz gratis verfügbar ist. Der Anlass soll die Bekanntheit der Nummer weiter fördern. Diese wurde vor 20  Jahren in allen Kantonen eingeführt. Medizinisch geschulte Fachleute nehmen die Anrufe entgegen. Sie entscheiden, welche Massnahmen im Notfall einzuleiten sind. Auch geben sie den Anrufenden ­Anweisungen, wie diese Erste Hilfe leisten können, bis die Rettungsdienste eingetroffen sind. «Wir nehmen heute über 100 000 Anrufe pro Jahr entgegen», sagt Manuela Spicher, Leiterin der Sanitätsnotrufzentrale 144 Freiburg-Jura. Die Zahl hat sich seit 1999 verdreifacht. Pro Tag gehen 370 Anrufe ein, 50 Einsätze werden durchgeführt. «Noch im Jahr 2000 bedeuteten sechs Einsätze pro Nacht eine hohe Zahl. Heute sind 15 bis 20 Einsätze der Durchschnitt.»

ea