Courlevon 25.09.2017

Das Museum wächst weiter

Leonard Riesen möchte sein Museum erweitern mit einer originalgetreuen Nachbildung des Bahnhofs Murten im Jahr 1946.
Auch ein Jahr nach der Museumsgründung arbeitet Leonard Riesen fleissig. Seine aktuellen Projekte: einen alten Berna-Lastwagen wieder flottmachen und den Bahnhof von Murten als Modell errichten.

Rauchende und zischende Dampfloks warten auf das Abfahrtszeichen, auf einigen Gleisen sind Güterwaggons abgestellt, und eine Lok fährt gerade auf die Drehscheibe. So sah der Bahnhof Murten im Jahr 1946 aus. Leonard Riesen möchte diese Zeit wieder zum Leben erwecken. Anhand von Gleisplänen, Gesprächen mit dem ehemaligen Bahnhofvorstand und Internetrecherchen baut der bald 11-Jährige den Bahnhof Murten detailgetreu als Modell nach. «Das Jahr 1946 habe ich gewählt, weil damals noch die Dampfloks fuhren», erklärt er in seinem selbst gegründeten Eisenbahn- und Sammlermuseum in Courlevon.

Die Schienen sind bereits verlegt, und auch das Bahnhofgebäude steht schon. Dessen Fassade sieht genauso aus wie das Original. Das Modell habe er nicht gekauft, sondern selbst entworfen, präzisiert der Primarschüler. Er habe das Bahnhofgebäude fotografiert, die Bilder am Computer bearbeitet, anschliessend wie einen Bastelbogen ausgedruckt und zusammengeklebt. Auch das Aussehen des Dachs entspricht dem Original: «Für das Dach habe ich die Sicht von oben von Google Maps ausgedruckt.» Im Juli habe er mit dem Nachbau des Bahnhofs begonnen. «Jetzt fehlen noch die Bahnübergänge, die anderen Gebäude und die Bäume», sagt Leonard.

Der Besuch einer Eisenbahnmesse im schottischen Glasgow habe ihn auf die Idee gebracht, den Bahnhof von Murten nachzubauen. Dort habe er erstmals ein historisch getreues Modell eines Bahnhofs gesehen. Meist würden Modellbahnbauer sich nur in Teilen am Original inspirieren.

Selbst gebaute Dampflok

Im Raum, der im Haus seiner Eltern als Museum dient, fährt eine Dampflok auf einer kreisförmigen Strecke. «Die Dampflok ist ein Eigenbau nach dem Malletsystem», sagt Leonard fachkundig. Solche Loks besitzen zwei eigenständige Fahrwerke und zwei Zylinder. Für den Bau habe er zwei Standardmodelle des Herstellers LGB verwendet und deren Fahrgestelle adaptiert und verlängert. «Als ich in der Bretagne eine Malletlok sah, fragte ich mich, wie diese funktioniert, und habe in Büchern nach Erklärungen gesucht.»

Technik aus früheren Zeiten

Im Museum von Leonard sind aber nicht nur Modellloks und -waggons zu sehen. In Vit­rinen und auf Tischen stehen Modellautos, -schiffe und -flugzeuge sowie diverse alte Hüte, Helme und Uniformen, zum Beispiel von der ehemaligen PTT oder der Feuerwehr in Frankreich. Auch ein Periskop aus den 30er-Jahren – «wahrscheinlich vom Schweizer Militär» – und eine Schulkarte des Kantons Zürich von 1910 gehören zu Leonards Sammlung.

Neben dem Haus steht das auffälligste Objekt: ein Berna-Lastwagen von 1948. Leonard durfte ihn für einen symbolischen Franken übernehmen und arbeitet nun mit seinem Vater daran, den Oldtimer wieder fahrtüchtig zu machen (die FN berichteten).

«In meinem Museum möchte ich Objekte und die Technik aus früheren Zeiten zeigen.» Neue Gegenstände für seine Sammlung finde er auf Flohmärkten und Brocantes im In- und Ausland oder bekomme sie von Verwandten geschenkt. Der Raum im Haus seiner Eltern ist bereits gut gefüllt. Weitere Objekte habe er in seinem Depot, sagt Leonard. Das ermögliche ihm, die Ausstellung regelmässig zu verändern. Seit der Eröffnung vor einem Jahr zählte er 75 Besucher. Die weiteste Anreise hatten Personen aus Genf und Österreich.

Das Engagement für das Museum gehe nicht auf Kosten der Schule, sagt sein Vater Jeorge Riesen. «Leonard lernt hier Gegenstände einzuordnen, Informationen zu recherchieren und auf die unterschiedlichen Interessen der Besucher einzugehen.» Seine Rolle als Vater sei zu unterstützen, aber vor allem «einen Rahmen zu schaffen, damit Leonard seine Ideen und Ziele verwirklichen kann».

Jubiläum

Ein Fest zum ersten Geburtstag

Das Eisenbahn- und Sammler­museum in Courlevon feiert am Samstag, dem 30. September, seinen ersten Geburtstag. Ab 14 Uhr lädt Leonard Riesen zu einem Apéro. Auch einen Wettbewerb wird der Primarschüler veranstalten. Das Museum an der Dorfstrasse 4 ist mittwochs von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Auf Anfrage sind andere Termine möglich. In den Schulferien hat das Museum geschlossen. Mehr Infos auf der Website: www.eisenbahnmuseum.courlevon.ch

jmw