Murten 03.11.2016

Jeden Tag gibt es etwas zu entdecken

Redaktor Anton Jungo hat gestern in Murten den Freiburger Volkskalender 2017 vorgestellt.
Der Freiburger Volkskalender ist ein Begleiter durch das ganze Jahr. Er wurde gestern in Murten feierlich lanciert. Er bietet eine grosse Themenvielfalt aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben Freiburgs.

In der Enge des kleinen Vortragsraumes im Museum Murten sassen gestern Abend dicht gedrängt Dutzende von Gästen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen Deutschfreiburgs. Sie alle hatten einen Bezug zum Freiburger Volkskalender 2017, der dieses Jahr im 108. Jahrgang erscheint und gestern vorgestellt wurde. «Google wird den Volkskalender nie ersetzen, denn viele der Informationen können Sie im Internet nicht finden», sagte Redaktor Anton Jungo vor den Anwesenden – historisch Interessierten, Politikern, den 20 Autoren des Kalenders, Vertretern der Kanisius-Schwestern, die ihn verlegen, und anderen, denen die reichhaltig illustrierte 200 Seiten dicke Publikation seit Jahren wichtig ist. «Ihr beweist mit eurer Anwesenheit hier eure Treue zum Volkskalender», begrüsste sie Anton Jungo.

Laut Jungo ist es den Machern des Kalenders, der stark im Sensebezirk verankert ist, wichtig, dass auch die anderen Regionen Deutschfreiburgs vertreten sind. Deshalb werde der Kalender auch an wechselnden Orten vorgestellt. Dieses Jahr sei der Seebezirk und dessen Hauptort Murten dran. Mit Ueli Johner mit seinem Artikel zur Kirche Kerzers sowie Alain Grandjean mit seinem Beitrag zu Murtens Friedhöfen sind zwei prominente Seebezirkler Politiker und Lokalhistoriker unter den Verfassern.

Ökumenische Namenstagsliste

Zentral sei das breite Angebot, mit dem der Kalender seine zahlreiche Leserschaft informiert und unterhält, führte Jungo weiter aus. Im Vordergrund steht wie schon immer das Kalendarium. Für die Illustrationen war der Sensler Bildhauer Freddy Peissard verantwortlich. Er sei sehr präsent in der Deutschfreiburger Öffentlichkeit, sagte Jungo: «In jeder Gemeinde im Sensebezirk steht ein Kunstwerk von ihm.» Direkt mit dem Kalender verbunden sind auch die Namenstage der Heiligen. «Sie sind ökumenisch zusammengestellt», betonte Jungo, denn die Namenstage der Heiligen stimmten zwischen den beiden Konfessionen nicht immer überein. «Deshalb gibt es eine katholische und eine reformierte Spalte.»

Gedenken an den Frieden

Ein besonderes Augenmerk richten die Autorinnen und Autoren des Freiburger Volkskalenders seit jeher auf historische Themen. Für dieses Jahr hob Jungo den Beitrag der Freiburger Historikerin Kathrin Utz Tremp zum 500. Jahrestag des Friedens von Freiburg hervor. Die Eidgenossenschaft schloss 1516 nach der verlorenen Schlacht von Marignano Frieden mit Frankreich. Der Originalvertrag wird im Freiburger Staatsarchiv aufbewahrt. «Für die Schweiz ist es ein wichtiges Dokument», betonte Jungo. Denn dank dem Vertrag konnte die Eidgenossenschaft trotz des verlorenen Krieges die sogenannt ennetbirgischen Vogteien behalten, jene Gebiete, die heute im Wesentlichen den Kanton Tessin bilden. «Dank diesem Vertrag liegt der neue Gotthardtunnel ausschliesslich auf Schweizer Boden», erklärte Jungo.

Nicht ganz so lange her, aber dennoch schon weitgehend in Vergangenheit geraten: die Kultur der «Ggloschaare». Emil Rudaz schildert seine Erinnerungen an die vielen Stadt- und Landstreicher, die damals, vor Eröffnung des Nachtasyls in der Stadt, seinen Hof in Bertigny bei Freiburg besucht hatten. «Der Autor setzt mit seinem Artikel ein Denkmal für eine Randgruppe der Gesellschaft. So bleiben sie uns in Erinnerung», erläuterte Jungo. Er selbst könne sich noch gut an die mittellosen Besucher erinnern, welche ab und zu auf dem Bauernhof seiner Eltern übernachtet hatten.

Neben historischen behandelt der Kalender aktuelle Themen. So erzählt Ida Bertschy-Bürdel aus Düdingen ein mehrsprachiges Märchen von einer zweisprachigen Freiburger Tageszeitung. Sie ist die letztjährige Trägerin des Preises für Zweisprachigkeit der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft. «Ob diese Idee jemals umgesetzt wird, sei dahingestellt», sagte Jungo.

Paul Fries, Verwaltungsrat des Kanisiuswerks, bedankte sich bei den Schwestern für ihr Engagement zugunsten des Kalenders. «Sie haben immer zu ihm gehalten, auch in schwierigeren Zeiten.»

Zahlen und Fakten

Ein buntes Angebot an Informationen

Die 108. Ausgabe des Freiburger Volkskalenders ist ab sofort im Verkauf. Wie gewohnt besteht es neben dem eigentlichen Kalender aus verschiedenen historischen und aktuellen Beiträgen, einer Chronik des vergangenen Jahres, Mundarttexten, einem Saat- und Pflanzkalender sowie Nachrufen. Der Volkskalender erscheint in 4700 Exemplaren und kostet 19 Franken. Erhältlich ist er in vielen Buchhandlungen und an zahlreichen Verkaufsstellen in Deutschfreiburg. Der Herausgeber ist der Kanisius-Verlag, die redaktionelle Leitung hat Anton Jungo.

fca