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Seit mindestens 2500 Jahren besiedelt

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Seit mindestens 2500 Jahren besiedelt

Bei Grabung nach Funden aus der Römerzeit kam in Bösingen auch Bronzezeitliches zum Vorschein

In Bösingen lebten Menschen, die schon zu Italien Beziehungen pflegten, bevor die Römer selbst in der Gegend Wohnsitz nahmen. Dies ist eine der Überraschungen, die die gegenwärtigen archäologischen Grabungen ans Licht brachten.

Von ANTON JUNGO

Den Beweis für die Beziehungen von Menschen aus vorrömischer Zeit im heutigen Bösingen mit Italien liefern Scherben von Amphoren (grossen Tongefässe). Die Archäologen fanden solche Scherben in einem ehemaligen Wassergraben, der im Grabungsgebiet oberhalb des Schulhauses liegt. Der Graben lief ungefähr parallel zur heutigen Fendringenstrasse. Ob es sich um einen natürlichen Wasserlauf oder um einen künstlich angelegten Kanal handelte, weiss man nicht.

Mit Sicherheit lässt sich aber gemäss Jacques Monnier, der die Grabung leitet, sagen, dass die Scherben aus keltischer Zeit, aus dem ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, stammen. Die Kelten hatten offensichtlich in den Amphoren Wein aus Italien, vor allem aus der Toskana, importiert. Dies zu einer Zeit, bevor in Bösingen das römische Landhaus erstellt worden war.

Das gleiche Grabungsgelände hielt eine weitere Überraschung bereit. Die Archäologen entdeckten ebenfalls Brandgräber aus der Bronzezeit, also aus der Zeit um etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung. «Das ist eine Premiere im Sensebezirk, wenn nicht überhaupt für den ganzen Kanton», betont Jacques Monnier. Spuren der Siedlung, in welcher die bronzezeitlichen Menschen gewohnt haben, hat man bis jetz noch nicht gefunden.

«Die Funde zeigen, dass die Gegend des heutigen Dorfes Bösingen seit mindestens 2500 vor Chr. besiedelt war», führt der Archäologe aus. Die frühe Besiedlung dürfte mit der günstigen topografischen Lage hoch über dem Zusammenfluss von Saane und Sense zusammenhängen.

Nebengebäude der Villenanlage

Auf der Parzelle zwischen Schulhaus und Bauernhof Egger, auf welcher der kantonale archäologische Dienst zurzeit Grabungen durchführt, will die Gemeinde Bösingen ein Mehrzweckgebäude erstellen. Seit langem ist bekannt, dass im Dorfzentrum – im Raum Friedhof/Kirche – einmal eine römische Villenanlage stand. Sie dürfte ein Gelände von 200 mal 400 Metern umfasst haben.

Doch auch ausserhalb der eigentlichen Villenanlage kommen bei Grabarbeiten immer wieder Überreste aus der Römerzeit zum Vorschein. So z. B. auch als man in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts ein neues Schulhaus baute oder zu Beginn der neunziger Jahre, als das Schulhaus und seine Umgebung saniert wurden.
Die Hoffnung der Archäologen war deshalb begründet, dass sie auch auf der Bauparzelle für das zukünftige Mehrzweckgebäude auf Funde aus der Römerzeit stossen würden. Und tatsächlich stiessen sie auf die Fundamente eines Gebäudes. Jacques Monnier geht davon aus, dass es sich um ein Ökonomiegebäude handelt, das zur Villenanlage gehörte. Das Gebäude stand nicht isoliert da. Gefunden wurde auch der Abschnitt eines Weges, der vom Ökonomiegebäude zur Villenanlage führt. «Der Fund ist insofern sehr interessant, als man bis heute eher Villenanlagen kennt als die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude», erklärt er.

Ein stabiler Bau

Das Fundament hat ein Ausmass von 20 mal 15 Metern. Die grosse Menge von Bruchstücken zeigt, dass das
Gebäude mit Ziegeln gedeckt war. Für den Archäologen ein Hinweis auf die Bedeutung des Gebäudes. Das Haus muss sehr stabil gebaut gewesen sein, wenn man bedenkt, dass ein Quadratmeter Ziegeldach nach römischer Bauart bis 40 kg gewogen hat.

Jacques Monnier geht davon aus, dass das Gebäude vom 1. bis circa
ins 3. Jahrhundert nach Christus
genutzt wurde. Zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt wurde es zerstört oder verlassen. «Vielleicht wurde ein neues Gebäude erstellt», rätselt der Archäologe. Nichts weist jedenfalls darauf hin, dass das Gebäude durch einen Brand zerstört wurde.
Welchem Zweck das Gebäude diente, lässt sich noch nicht genau sagen. Offensichtlich muss darin auch eine Schmiede eingerichtet gewesen sein. Schlackenreste weisen jedenfalls darauf hin.

Dem Lebensstil des
Mittelmeerraumes angepasst

Der Ausgrabungsschutt enthielt auch zahlreiche Keramikscherben, die es dem Archäologen erlauben, Schlüsse über die Lebenweise der Bewohner zu ziehen. Gefunden wurden Scherben von Tongefässen, die vor Ort hergestellt worden waren und zur Aufbewahrung von Getreide und anderen Lebensmitteln dienten. Entdeckt wurden aber auch Scherben von Amphoren, die in Spanien, Frankreich und Italien hergestellt wurden. Aus Spanien importierten die Römer «Garum», eine Fischsauce. Aus Frankreich und Italien kam Wein.

Gefunden wurden aber auch Scherben von feinem Keramikgeschirr und von Glas. Glas war zur Zeit der Römer noch sehr kostbar. «Die Funde zeigen, dass die damaligen Bewohner von Bösingen ihren Lebensstil jenem des Mittelmeergebietes angepasst hatten», betont Jacques Monnier.

Tag der offenen Tür

Bevor die Gemeinde Ende September mit den Bauarbeiten für das Mehrzweckgebäude beginnt, wird der archäologische Dienst noch einen Tag der offenen Tür veranstalten. Die Bevölkerung wird dabei Gelegenheit haben die Grabungsstelle und die Fundgegenstände zu besichtigen. Jacques Monnier hebt speziell den guten Kontakt zu den örtlichen Behörden hervor, die genügend Zeit für die Grabungsarbeiten reservierten.

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