Schmitten 08.11.2019

Das Kreuz mit dem Kreuz Schmitten

Die Bauprofile stehen. Doch ob der Umbau des Restaurants in Schmitten wie geplant umgesetzt wird, steht derzeit noch offen.
Gesprächsthema Nummer eins in Schmitten ist derzeit das Hotel-Restaurant Kreuz. Die Bauprofile für den geplanten Neubau ­stehen. Gleichzeitig kündigt das Wirtepaar aber an, auf Ende Jahr den Betrieb aufzugeben und einen Pächter zu suchen.

«Nach achteinhalb ereignisreichen, turbulenten, stressigen, aber auch schönen Jahren ist bei uns Zeit für eine Veränderung», steht auf der Homepage des Restaurants Kreuz Schmitten. Das Wirte­paar Kyra Reichmuth und David Kaeser kündigen an, dass sie «beruflich und privat einige Möglichkeiten wahrnehmen» möchten. Der Betrieb des Restaurants werde auf Ende Jahr eingestellt. Gleichzeitig teilen die beiden mit, dass sie einen Pächter suchen, der den Betrieb auf Januar 2020 übernimmt. Die Verhandlungsbasis für den Pachtpreis liegt gemäss Homepage bei 10 000 Franken.

Grosses Umbauprojekt

Diese Nachricht auf der Internetseite des Hotel-Restaurants Kreuz in Schmitten sorgt für grosse Verwirrung und Spekulationen. Denn gleichzeitig mit der Ankündigung einer Pächtersuche künden die Bauprofile den geplanten Umbau an. Das Baugesuch war im Amtsblatt vom 25. Oktober publiziert worden. Denn die Besitzer David Kaeser und Kyra Reichmuth, die zusammen die Kaeser und Reichmuth GmbH bilden, haben eigentlich grosse Pläne mit dem Gebäude. Sie planten einen kompletten Neubau. Vorgesehen war ein modernes Gebäude mit Dachwohnungen im oberen Geschoss, Hotelzimmern im mittleren Teil sowie einem neuen Restaurant mit Saal im Erdgeschoss und einer Einstellhalle darunter. Der Saal soll Platz für rund 150 Personen bieten.

Saal bewegte das Dorf

Vor allem dieser Saal steht in den Dorfgesprächen im Mittelpunkt. Denn: Als die Eigentümer ihr Bauprojekt angekündigt hatten, war nicht vorgesehen, dass im neuen Gebäude wie im heutigen Restaurant wiederum ein Saal entstehen soll. Dieser Raum, der momentan rund 120 Plätze bietet, wird aber von den Vereinen im Dorf und auch für grössere Privatanlässe rege genutzt.

Die Gemeinde Schmitten hat daraufhin im Gespräch mit den Besitzern eine Lösung gefunden: Die Gemeinde beteiligt sich mit einem zinslosen Darlehen über 650 000 Franken am Bau des Saals sowie an den jährlichen Betriebskosten. Dafür hätten die Ortsvereine diesen zu bestimmten Bedingungen kostenlos oder günstig nutzen können.

Platzt der Deal?

Ob dieser von der Gemeindeversammlung im Dezember 2018 mit grossem Mehr abgesegnet Deal nun zustande kommt, ist heute unklar. «Für uns kam die Ankündigung, dass der Betrieb nicht weitergeht, auch überraschend», sagt Syndic Hubert Schafer auf Anfrage. Mehr Informationen, als was auf der Homepage stehe, habe die Gemeinde auch nicht.

Dort steht: «Nun stellt sich durch die Suche eines neuen Pächters berechtigterweise die Frage, wie es mit dem Projekt weitergeht, ob es realisiert wird und wenn ja mit oder ohne Saal ...» Die Baueingabe sei gemacht und das Bewilligungsverfahren laufe. «Wann und mit wem das Bauvorhaben realisiert wird, ist in Abklärung.»

Kein Blankokredit

Ammann Hubert Schafer bestätigt, dass das Baubewilligungsverfahren nicht gestoppt worden ist. «Es ist eine Privatliegenschaft. Wir können nicht direkt darauf Einfluss nehmen.» Für den Gemeinderat ist heute aber eines klar: «Die Gemeinde hat die Vereinbarung für ein zinsloses Darlehen mit genau dieser Eigentümerschaft und genau für das geplante Projekt abgeschlossen. Es war kein Blankokredit.» Sollte es eine Änderung geben, dann müsste die Gemeindeversammlung eine allfällige neue Vereinbarung gutheissen. «Wir haben bis jetzt noch nichts investiert. Die Gemeinde hat also durch diese neue Situation kein Geld verloren.» Abgemacht sei gewesen, dass die Gemeinde je nach Baufortschritt ihren Anteil am Saal leistet.

Schmitten ohne Dorfbeiz?

Hubert Schafer würde es sehr bedauern, wenn der schlimm­ste Fall eintreten würde, nämlich wenn es zu einer Schliessung des Restaurants Kreuz käme. «Für eine Gemeinde von unserer Grösse wäre es sehr schlecht, keine Dorfbeiz mehr zu haben.» Die Gemeinde sei am Wachsen, habe ein aktives Vereinsleben und damit würden auch die Bedürfnisse nach solchen Lokalitäten steigen. Der Informationsabend zum Ausbauprojekt habe gezeigt, wie gross das Interesse an diesem Saal sei, so der Ammann der Gemeinde mit rund 4000 Einwohnern. «Es bringt uns als Gemeinde in Bedrängnis. Wir sind gefordert, für Vereine und für grössere Privatveranstaltungen neue Lösungen zu finden.»

Die Gemeinde will nun einmal abwarten, bis die Besitzer eine Entscheidung gefällt haben, und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Kein Kommentar

Besitzerin Kyra Reichmuth beantwortete die Anfragen der FN kurz angebunden und wollte die Lage nicht weiter kommentieren: «Es steht alles auf der Homepage», sagte sie. Auf eben dieser Homepage ist zwischen den Zeilen zu lesen, dass die Zukunft unklar ist: «Bis Erhalt der Baubewilligung nehmen wir uns die Zeit, Details und Strategien auszuarbeiten und behalten uns vor, dies intern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu tun.» Auf die Frage, was passiere, wenn auf Januar kein Pächter gefunden werde, sagte sie, dass die Beiz dann halt später verpachtet werde. So oder so werde die Kaeser und Reichmuth GmbH nach dem 31. Dezember den Betrieb nicht mehr weiterführen.

Düdingen

Momentan kein Gastrobetrieb mehr im Bahnhofbuffet

Das Wirtepaar Kyra Reichmuth und David Kaeser besitzt nicht nur das Kreuz in Schmitten. Es betreibt auch das Capri in der gleichen Gemeinde. Zudem hatte es im September 2018 das Hotel-Restaurant Bahnhof in Düdingen übernommen. Seit September 2019 ist der Betrieb des Buffets eingestellt, wie Kuno Philipona, Ammann von Düdingen, erklärt. Das Gebäude gehört der Gemeinde. «Momentan gibt es keinen Pachtvertrag für das Bahnhofbuffet», sagt er auf Anfrage.

Auch im Bahnhofbuffet stehen bauliche Änderungen bevor. Ab 2021 wird im Bahnhofbuffet der regionale Sozialdienst Sense-Unterland der Gemeinden Bösingen, Düdingen, Schmitten, ­Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt eingerichtet. Dafür werden die Räumlichkeiten im zweiten und dritten Obergeschoss – die heutigen Hotel- und Personalzimmer – zu Büros umgebaut. Zudem will die Hirslanden-Gruppe, die vor gut drei Jahren den grossen Buffetsaal zu einem Praxiszentrum umgebaut hat, weitere Flächen für eine Erweiterung ihrer Praxistätigkeit mieten und umbauen.

Das heutige Hotel-Restaurant Bahnhof soll deshalb anfangs 2020 umgebaut werden. Dies hat zur Folge, dass die grosse Küche und der Gastronomiebetrieb verkleinert werden. Vorgesehen ist ein kleineres Restaurant oder Bistro mit maximal 100 Plätzen. Die Planung laufe, sagt Kuno Philipona.

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