Alterswil 13.04.2019

Frühlingsputz bei den Mehlschwalben

Die Mehlschwalben kommen jetzt aus ihrem Winterquartier zurück.
Der Verein Vogel- und Naturschutz Alterswil hat 115 Mehlschwalbennester gereinigt und 14 neue aufgehängt. So ist alles bereit, wenn die Vögel in diesen Tagen aus ihrem Winterquartier zurückkommen.

Der 1941 gegründete Ornithologische Verein Alterswil, der seit diesem Jahr Vogel- und Naturschutz Alterswil (VNA) heisst, setzt sich seit mehr als 50 Jahren für den Schutz der Vögel und der Natur ganz allgemein ein. Das Aufstellen und Reinigen von künstlichen Nisthilfen, unter anderen für die Mehlschwalbe, ist eine wichtige Vereinsaktivität. Zurzeit betreut der Verein rund 350 Mehlschwalbennester verteilt auf 17 verschiedene Standorte. Diese werden in einem Turnus von drei Jahren jeweils im Frühjahr kontrolliert und geputzt.

Nistplätze an Bauwerken

Mehlschwalben sind – wie die Rauchschwalben auch – typische Kulturfolger, die ihre Lebensweise dem Menschen angepasst haben und mit ihm unter einem Dach leben. In Mitteleuropa brüten beide Arten fast ausschliesslich an und in Bauwerken. Während die Rauchschwalben ihr Nest im Inneren von Bauten, meist in Ställen, erstellen, brüten die Mehlschwalben gerne unter Vordächern. Für den Nestbau benötigen sie feuchten Lehm, den sie mit Speichel vermischen und zu einem Nest verkleben. Das Nistmaterial finden sie an feuchten offenen Bodenstellen, in Pfützen oder an natürlichen Ufern.

Da bei uns die Böden immer mehr versiegelt und die Ufer der Gewässer verbaut werden, haben die Schwalben häufig Mühe, genügend Nistmaterial zu finden. So kann das Anbringen von künstlichen Nestern für die Schwalben hilfreich sein. Damit sie erfolgreich brüten können, braucht es ein ausreichendes Futterangebot. Mehl- und Rauchschwalben ernähren sich von Insekten, die sie im Flug jagen.

Im Spätsommer ziehen die Schwalben nach Süden und verbringen den Winter südlich der Sahara, bevor sie dann als erste Frühlingsboten im darauffolgenden Jahr zu uns zurückkehren (siehe auch Kasten).

In luftiger Höhe

Die Mitglieder des VNA nutzen die Zeit, in der die Vögel im Süden sind, um die Schwalbennester zu reinigen und neue anzubringen. Dies ist keine einfache Angelegenheit, denn die Nester befinden sich meist unter Vordächern in mehreren Metern Höhe, wo sie schwer zu erreichen und sicher vor Mardern und anderen Feinden sind. Um an die Nester zu gelangen, wird deshalb ein Traktor mit Frontlader verwendet. Dieser wurde von seinem Eigentümer Marius Stritt und dessen Sohn Beni so ausgestattet, dass die Nestkontrolleure ihre Arbeit effizient und sicher ausführen ­können.

Andreas Roth, der die Nestputz­aktion koordiniert, ist mit den Resultaten von 2019 zufrieden. Von den 115 kontrolliert Nestern waren 59 benutzt worden. In einigen Fällen stellte sich zwar heraus, dass es nicht Mehlschwalben, sondern Spatzen oder sogar Fledermäuse waren, die die künstliche Nisthilfe besetzt hatten. Doch das ist nicht weiter tragisch, denn auch diese Arten verdienen es, gefördert zu werden. Zu den 115 gereinigten Nestern kommen noch 14 neu angebrachte Nester dazu. Diese stehen nun bereit, um in einigen Wochen die Mehlschwalben, die aus ihrem Winterquartier zurückkommen, zu empfangen.

Jacques Studer ist Biologe. Er betreibt in Freiburg ein Ökobüro und ist im Bereich Naturschutz und Umweltbildung tätig.

Brutvogelatlas

Mehlschwalbe in der Schweiz

Die Mehlschwalbenbestände nahmen in den letzten 20 Jahren in der Schweiz stark ab. Dies geht aus dem Brutvogelatlas 2018 hervor. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Mehlschwalbe ist ein Langstreckenzieher. Vier bis fünf Monate verbringt sie im Brutgebiet, zwei auf dem Herbst- und Frühlingszug und fünf bis sechs Monate im Winterquartier. Lebensraumveränderungen haben verheerende Auswirkungen. Auch der in der letzten 20  Jahren beobachtete Rückgang der Insekten, ihrer Nahrungsgrundlage, beeinträchtigt die Art. Und letztlich leiden die Mehlschwalben unter der heutigen Bauweise und dem Sauberkeitsfimmel: Es fehlt an Nistmöglichkeiten, der Kot wird als lästig empfunden, die Nester entfernt und die Pfützen und offenen Bodenstellen, die das Baumaterial für die Nester liefern, versiegelt. Die Mehlschwalbe ist ein Indikator für den Zustand unsere Umwelt. Ihr Rückgang sollte den Menschen zum Nachdenken und Handeln anregen.

js