Tafers 12.02.2020

Sensebezirk will das Energie-Label wieder

Tafeln an einigen Sensler Ortsschildern, hier in Tafers, weisen auf das Label Energiestadt hin.
Die 17 Sensler Gemeinden streben dieses Jahr zum dritten Mal die Bestätigung des Labels Energiestadt an. Dieses Ziel zu erreichen, ist nicht einfach, weil die Anforderungen an die Energie-Regionen im Vergleich zur letzten Zertifizierung gestiegen sind.

Seit einigen Wochen sieht man unter einzelnen Ortstafeln im Sensebezirk eine zusätzliche Plakette, ein blau-weisses Schild mit der Aufschrift «Energiestadt Sensebezirk – die Region mit Energie». Zwölf dieser Tafeln sind an den wichtigsten Einfallachsen in den Sensebezirk angebracht worden.

Mit dieser Signalisierung macht die Region Sense sichtbar, was seit 2011 gilt, nämlich, dass die 17 Gemeinden gemeinsam Träger des Labels Energiestadt sind. Das Label zeichnet Gemeinden aus, die eine nachhaltige Energiepolitik verfolgen, die ein Energiemanagement führen und gezielt energiepolitische Massnahmen umsetzen, und zwar in ganz verschiedenen Bereichen: in der Mobilität, bei kommunalen Gebäuden und Anlagen, in der Versorgung und Entsorgung, bei der Raumplanung und in der Kommunikation. In der Schweiz gibt es mittlerweile 451 Energiestädte, 24 davon im Kanton Freiburg.

Erneuerung steht bevor

Alle vier Jahre muss das Label bestätigt beziehungsweise erneuert werden. Im Rahmen dieses Re-Audits werden die erfolgten und geplanten Massnahmen in den oben genannten Bereichen analysiert und bewertet. Ein ausgeklügeltes Punktesystem ermöglicht es festzustellen, ob und wo sich der Labelträger im Vergleich zur vorherigen Zertifizierung verbessert hat. Um das Label zu erhalten, müssen weiterhin mindestens 50 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden. Beim letzten Re-Audit hat der Sensebezirk 57 Prozent erzielt.

Eine ganze Region

Eine Besonderheit ist, dass ein ganzer Bezirk das Label Energiestadt trägt, das, wie der Name schon sagt, eigentlich primär für Gemeinden und nicht für Regionen vorgesehen ist. Der Sensebezirk ist vor rund 15 Jahren als Pilotregion in den Energiestadtprozess eingestiegen. So richtig Schwung bekommen habe «Energiestadt» ab 2010 im Rahmen der regionalen Richtplanung und der darin eingebetteten regionalen Energieplanung (siehe Kasten), sagt Marcel Gutsch­ner von der NET Nowak Energie & Technologie AG aus St.  Ursen.

Er ist von den Sensler Gemeinden als Energieberater engagiert worden. «Der Sensebezirk war damals Pionier im Kanton und vermutlich auch in der Schweiz.»

Region muss Beweise liefern

«Das Label wieder zu erreichen, ist nicht einfach», sagt Albert Studer, Präsident der Energiekommission der Region Sense. Die Anforderungen für das Erreichen des Labels seien mit der Entwicklung gestiegen. So werde zum Beispiel für die Erreichung der maximalen Punktzahl bei der Elektrizität und der Wärme eine zunehmend nachhaltigere, erneuerbarere und effizientere Versorgung vorausgesetzt.

Es braucht also konkrete Massnahmen und Tatbeweise. «Diese erbringen wir zum Beispiel bei der Wärmeversorgung der kommunalen Gebäude: Sie erfolgt im Sensebezirk bereits zu zwei Dritteln aus erneuerbaren Energien, was mir für einen ganzen Bezirk aussergewöhnlich hoch scheint. In anderen Bereichen haben wir noch mehr Potenzial nach oben», so Albert Studer.

«Es gibt – vereinfacht gesagt – drei Herausforderungen, die die Gemeinden bewältigen müssen», fasst Energiestadt-Berater Marcel Gutschner zusammen. Die eine Herausforderung sei, überhaupt etwas zu tun. Viele Sensler Gemeinden seien aktiv und setzten Massnahmen um. «Häufig weiss man darüber aber anderswo nicht wirklich Bescheid.» Eine weitere Herausforderung sei, die Massnahmen zu kommunizieren, auch über die allfällige Kreditvorlage in der Gemeindeversammlung hinaus. Dies gehöre ebenfalls zur Vorbildfunktion der Gemeinden.

«Im regionalen Ansatz gibt es schliesslich die besondere Herausforderung, dass wirklich alle Gemeinden im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitmachen und auch dann am Ball bleiben, wenn es Wechsel im Gemeinderat und in der Verwaltung gibt.»

Impulse von anderen

Das Label Energiestadt unterstütze in dem Sinne die Gemeinden auch. Es zeige auf, wo sie stünden, und vermittle Anregungen, wie andere Gemeinden ein Thema anpackten. Auf diese Weise trage das Label dazu bei, dass es kontinuierlich und ressortübergreifend vorwärtsgehe. «Die Herausforderungen im Energie- und Klimabereich steigen. Mit dem Label Energiestadt gibt es sozusagen einen passenden Werkzeugkoffer für die Gemeinden, hier gezielt und effizient aktiv zu sein. Die Gemeinden haben eine wichtige Rolle, denn sie sind am nächsten bei der Bevölkerung und beim Gewerbe», führt der Energieberater aus.

Die jetzt angebrachten Energiestadt-Tafeln seien ein Mosaikstein in der Kommunikation. «Sie sind Verdienst und Verpflichtung zugleich: Der Sensebezirk ist Energiestadt und engagiert sich für eine nachhaltige Energie- und Klimapolitik mit lokaler Wertschöpfung und hoher Lebensqualität», fasst er zusammen.

«Die Energiestadt-Tafeln sind Verdienst und Verpflichtung zugleich.»

Marcel Gutschner

Energieberater der Sensler Gemeinden

Rezertifizierung

Arbeiten laufen parallel zur Revision des Richtplans

Geplant ist, dass der Sensebezirk die Rezertifizierung für das Label Energiestadt im kommenden Sommer abgeschlossen hat. Derzeit laufen die Vorarbeiten. Diese bestehen unter anderem darin, die Daten aller Gemeinden zusammenzutragen. So führt zum Beispiel jede Gemeinde eine Energiebuchhaltung zum eigenen Verbrauch in ihren Gebäuden und Anlagen. Die Rezertifizierung ist ebenfalls Anlass dafür, den kommunalen Massnahmenkatalog im Bereich Energie und nachhaltige Entwicklung zu aktualisieren und sich unter den Sensler Gemeinden auszutauschen.

Die Arbeiten für den Rezertifizierungsprozess zur Wiedererlangung des Energiestadt-Labels laufen ähnlich wie vor zehn Jahren parallel zum regionalen Richtplan. Dieser muss aufgrund neuer Anforderungen revidiert werden, was momentan geschieht. Die beiden Dinge haben zwar an sich nichts miteinander zu tun, doch die Energie ist ein Teilbereich der Richtplanung, und umgekehrt ist die Planung eines der Hauptthemen im Energiestadt-Prozess. So können bei den Arbeiten an beiden Projekten Synergien genutzt werden, wie Simon Ruch, Geschäftsführer der Region Sense, erklärt.

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