unihockey 12.09.2019

Floorball Freiburg vor Herausforderung

Trainer Stefan Hayoz: «Gerne würde ich einen krassen Wechsel vollziehen, muss aber langsam vorgehen.»
Ein neuer Trainer, ein stark verjüngtes Team und eine Serie von elf Auswärtsspielen bis Ende November – Floorball Freiburg startet am Samstag bei Davos-Klosters in eine schwierige Saison in der Nationalliga B.

Der NLB-Club Floorball Freiburg hat ziemlich turbulente Zeiten hinter sich. Zuerst war da in der letzten Saison die Playoff-Qualifikation in extremis, dann folgten der Abschied vom langjährigen Trainer Richard Kaeser, die Ankündigung eines Coaching-Duos als dessen Nachfolger, von dem dann doch nur einer der beiden designierten Headcoaches übrig blieb, und schliesslich der Exodus an routinierten Spielern – es lief wahrlich einiges in den letzten Wochen und Monaten bei den Freiburgern.

Stefan Hayoz und Marc-­An­dré Schorno hatten zuletzt das U21-Team des Vereins zusammen betreut. Gleiches war nun ursprünglich für das Fanion­team vorgesehen. Im Juli gab der Club dann aber bekannt, dass man nun doch nur auf Hayoz als einzigen Headcoach setze. «In Diskussionen mit den Spielern hat der Vorstand entschieden, nur auf einen Trainer zu setzen. Es hätte genauso gut auch Marc-André sein können, mit dem ich bei den Junioren gut zusammengearbeitet habe», erklärt Ha­yoz, der nicht mehr gross zurückblicken will. Vielmehr freut er sich auf die Herausforderung, das NLB-Team führen zu können. «Ich habe nun lange genug Junioren trainiert und wollte eine Stufe höher arbeiten.»

Akzent liegt auf der Offensive

Grundlegend verändert hat sich sein Job indes nicht. Die Equipe wurde erheblich verjüngt, ein gutes Dutzend U21-Spieler hat den Sprung zu den Aktiven vollzogen – mitunter zwangsläufig, weil zahlreiche arrivierte Leistungsträger der Freiburger zurückgetreten sind oder neu in unteren Ligen spielen werden. Zuweilen spielten dabei wohl auch Meinungsverschiedenheiten eine Rolle, wie Hayoz durchschimmern lässt. «Wir waren zu wenig vorausschauend. Nun haben gleich neun erfahrene Spieler auf einen Schlag aufgehört statt alle Jahre vielleicht zwei bis drei. Im Nachhinein ist man immer klüger. Wenn wir früher miteinander gesprochen hätten, hätten wir diesen Aderlass womöglich verhindern können.» Teils habe bei den Rücktritten auch der grosse Aufwand mit drei wöchentlichen Trainings plus den Spielen am Wochenende eine Rolle gespielt. «Job, Privatleben, irgendwann muss man sich entscheiden.»

Der Vorteil der Verjüngung sei, dass er als ehemaliger Assistent von Kaeser und Juniorentrainer jeden Spieler kenne. «Jetzt daraus ein Team zu formen, ist die Challenge, die Chemie zwischen Alt und Jung zu finden und Gas zu geben.» Stefan Hayoz hat viel vor. Seine Vorstellungen vom Unihockey würden sich von jenen Kaesers ziemlich unterscheiden. «Gerne würde ich einen krassen Wechsel vollziehen, muss aber langsam vorgehen. Neu erfinden kann man das Unihockey nicht, aber jeder hat seine eigene Philosophie.» Es müsse einen Umbruch geben, nicht nur wie geschehen im Kontingent, sondern auch was die Taktik anbelangt. Hayoz sagt, dass er das offensive Spiel bevorzuge. «Vielleicht fast ein bisschen zu viel. Aber ich habe mit diesem jungen Team nichts zu verlieren. Ob das Resultat 9:6 oder aber 4:2 heisst, spielt keine so grosse Rolle. Darum sage ich, dass ich lieber offensiv zu verteidigen versuche.»

Auswärtsspielserie als Chance

Erschwert wird die Aufgabe des neuen Trainers durch den Umstand, dass die Freiburger alle elf Spiele der Hinrunde auswärts bestreiten müssen, da die Turnhalle Heilig Kreuz renoviert wird. Darob hadern will er nicht. «Banden, Tore und Ball sind auswärts und zu Hause gleich. Natürlich haben wir in Freiburg viel Publikum. Aber es kann für mein junges Team sogar ein Vorteil sein, wenn nicht alle Bekannten und Freunde auf der Tribüne mitfiebern», sucht Hayoz das Positive. «Deshalb verstehe ich diese Serie von Auswärtsspielen gar als Chance. Wir werden sehen, wo wir stehen, und können allenfalls in der Rückrunde angreifen.» Möglich, dass dann je nach Tabellensituation noch ein Ausländer gesucht wird. Bisher hat es dafür an den nötigen Finanzen und dem richtigen Spieler gefehlt. «Mich stört das nicht», sagt Hayoz, «lieber gebe ich einem Jungen die Möglichkeit, einige Minuten in der NLB zu spielen, als dass ich einen Ausländer habe, der die Erwartungen nicht erfüllt.»

Waren zuletzt die Playoffs das Saisonziel, so habe sich das Team bewusst keinen Rang als Vorgabe gesetzt. «Wir wollen etwas aufbauen und werden sehen, was herausschaut. Wichtig ist zuerst einmal der Ligaerhalt, alles andere ist Zugabe.»

Saison 2019/20

Kader Floorball Freiburg

Tor: Maxime Perroulaz (neu, Floorball Köniz, U21), Stefan Krattinger. Verteidigung: Samuel Andreas Heini (neu, Freiburg, U21), Michele Marc Weibel, David Wolfer (neu, Freiburg, U21), Mathis Andrey (neu, Freiburg, U21), Basil Aerschmann, Roman Strahm (neu, SV Wiler-Ersigen, U21), Jan Köstinger, Loic Barbey. Sturm: Loris Roulin, Thomas Zürcher, Arnaud Perroulaz, Olivier Müller, Jessy Ducommun (neu, Freiburg, U21), Noé Sprunger (neu, Freiburg, U21), Romain Charrière (Neu, Freiburg, U21), Luca Davet (neu, Freiburg, U21), Elia Aerschmann (neu, Freiburg, 3. Liga), Matthias Zürcher, Moris Stöckli (neu, Thun, NLA), Benjamin Zurich (neu, Freiburg, U21), Jean Philipp Brodard, Ivan Streit. Trainer: Stefan Hayoz. Assistent: Olivier Perroulaz.

Abgänge: Marc Hayoz (Freiburg 3.  Liga), Jannick Staub (Freiburg 4.  Liga), David Frischknecht (Köniz, 3. Liga), Sebastian Stöckli, Jvan Streit, Isaia Schneeberger, Daniel Kaeser, Jonathan Stirnimann, Tanguy Meyer, Damien Zuffrey (alle Rücktritt).