Fussball 26.02.2018

YB siegt mit Hängen und Würgen

Der FC Sion und Marco Schneuwly – hier im Duell mit YBs Djibril Sow (r.) – bleiben im Tabellenkeller der Super League.
Super-League-Leader Young Boys hatte mit dem Tabellenletzten Sion mehr Mühe als erwartet. Dank einem Tor von Guillaume Hoarau gewannen die Berner 1:0. Einen 2:1-Sieg gab es für Luzern gegen Thun.

Bei Minustemperaturen im Stade de Suisse brauchten die Young Boys im Wortsinn mehr Zeit als gewohnt, um auf ihre Betriebstemperatur zu kommen. Zum ersten Mal in der Rückrunde gelang ihnen in der ersten Halbzeit nicht nur kein Tor, sie konnten sogar froh sein, gegen zunächst starke Walliser nicht sogar in Rückstand zu geraten. Der Sittener Stürmer Marco Schneuwly setzte in der 44. Minute einen Flachschuss an den Pfosten.

Nach der Pause holten die Berner das zuvor Versäumte dann aber ohne Verzögerung nach. Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Guillaume Hoarau im Strafraum zwischen den Sittener Innenverteidigern zu viel Platz hatte und eine Flanke von Loris Benito mit dem Kopf wuchtig ins Tor stiess. Es war im vierten Spiel der Rückrunde schon der sechste Treffer von Hoarau.

Das Tor öffnete den Young Boys mehr Räume, als sie vor der Pause vorgefunden hatten. Es gab nun mehr Szenen vor dem Sittener Tor, und der Sieg war letztlich verdient. Doch unter dem Strich bleibt das Fazit, dass YB die schwächste Leistung seit der Winterpause zeigte. Zum einen, weil die Berner in der ersten Halbzeit gegen die gut organisierte Defensiv- und Kontertaktik des FC Sion enttäuschend ideen- und harmlos agierten. Zum anderen, weil sie in der Schlussphase mit den vielen Chancen fahrlässig umgingen. Erst zum dritten Mal in dieser Saison hatten die Young Boys in einem Heimspiel weniger als zwei Tore erzielt.

Sion nicht wie ein Absteiger

So ganz zufrieden konnten die Berner trotz dem Sieg und trotz der nun elf Punkte Vorsprung auf den FC Basel also mit dem Abend nicht sein. Das hatte nicht nur mit der eigenen Leistung zu tun. Torschütze Hoarau schied nämlich nach 73 Minuten aus. Die Geste des Franzosen könnte auf eine Muskelverletzung hindeuten.

Der Tabellenletzte FC Sion präsentierte sich gerade in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase nicht wie ein Absteiger. Der neue Trainer Maurizio Jacobacci hat das Team innert kürzester Zeit erstaunlich kompakt und solidarisch auf- und eingestellt. Die Sittener waren defensiv gut organisiert und zeigten Moral, als sie den Leader in den letzten Minuten nochmals in Bedrängnis brachten. Marco Schneuwly, Pajtim Kasami und Adryan kamen dem Ausgleich drei Mal ziemlich nahe.

Der befreiende Jubelschrei von Adi Hütter nach dem Schlusspfiff war vielleicht das grösste Kompliment für die Leistung der Walliser.

Luzern mit Seoane weiter ungeschlagen

Der FC Luzern feierte derweil seinen dritten unter seinem neuen Trainer Gerardo Seoane. Matchwinner beim glücklichen 2:1-Heimsieg über Thun war der zweifache Torschütze Pascal Schürpf.

Der Ex-Basler profitierte bei beiden Treffern von ungenügenden Abwehraktionen des Thuner Goalies Djordje Nikolic, der Weitschüsse von Ruben Vargas und Hekuran Kryeziu nach vorne, direkt in die Füsse von Schürpf abwehrte und zweimal brutal bestraft wurde. Ironie des Schicksals: Der Luzerner Doppeltorschütze hätte wahrscheinlich gar nicht gespielt, wenn die beiden anderen FCL-Stürmer Tomi Juric und Shkelqim Demhasaj nicht gesperrt gewesen wären.

Die Thuner beklagten nicht nur in diesen beiden Szenen vor der Pause viel Pech. Nicolas Hunziker sah seinen Kopfball in der 24. Minute vom Aussenpfosten in Behind prallen. Drei Minuten später landete auch ein Freistoss von Matteo Tosetti am Aussenpfosten. Mehr als der zwischenzeitliche Ausgleich durch Sven Joss wollte den Gästen nicht gelingen, obwohl sie auch im zweiten Durchgang die besseren Möglichkeiten als der Gastgeber besassen. Hunziker düpierte die immer wieder unaufmerksame und langsame Luzerner Innenabwehr unmittelbar nach dem Wiederanpfiff gleich zweimal, beide Abschlüsse landeten jedoch nicht im Tor.

Die Luzerner verzeichneten in der zweiten Halbzeit erst in der 85. Minute die einzige Torchance: Christian Schneuwly traf jedoch nur an die Latte. Es wäre der vierte Treffer des gebürtigen Wünnewilers in Folge gewesen. Mit vereinten Kräften vermochten die Luzerner ihren dritten Sieg im vierten Spiel dieses Jahres und unter ihrem neuen Trainer über die Distanz zu bringen. Die Abstiegszone ist nun bereits zehn Punkte entfernt.sda