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Volle Keller und sinkende Exporte: So steht es um den Gruyère

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Lange ging es steil bergauf mit dem beliebten Freiburger Käse. Seit vergangenem Jahr laufen die Geschäfte mit dem Gruyère nicht mehr ganz so gut. Eine Übersicht.

«Alle haben gehofft, dass es weitergeht wie während Corona-Zeiten.» Diesen Satz hört man nicht oft. Aber für Philippe Bardet, den Direktor der Sortenorganisation Gruyère AOP, ging es während dieser Zeit steil aufwärts. Laut dem Jahresbericht der Organisation stieg die Gesamtproduktion von Gruyère AOP seit 2017 von rund 29‘500 Tonnen auf eine Rekordmenge von 33‘400 Tonnen im Jahr 2021.

Dann folgte die Ernüchterung: Nach dem jahrelangen Aufwärtstrend nahm die Nachfrage des Freiburger Traditionskäse 2022 ab. Und erst im Juni dieses Jahres beschloss die Sortenorganisation, die Produktion um 10 Prozent zu senken. Volle Lager und sinkende Exporte setzen dem Gruyère AOP zu. «Für die Milchproduzenten, Käser und Händler wird 2023 nicht das beste Jahr», sagt Bardet im Gespräch mit den FN. Und erst vor wenigen Tagen ging folgende Schlagzeile durch die Medien: «Erstmals mehr Käse in die Schweiz importiert als exportiert». Das beschäftigt auch Bardet: «Das lese ich natürlich ungern.» Umso dankbarer sei er, dass der Verkauf im Inland bis Ende Juli im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Plus verzeichne.

Philippe Bardet, Direktor der Sortenorganisation Gruyère AOP.
Archivbild Alain Wicht/La Liberté

Meistproduzierte Käsesorte

Ein Blick in die Zahlen zeigt: Seit 2012 wurde in jedem Jahr mehr Käse ausgeführt als eingeführt. Aber die Differenz ist zunehmend kleiner geworden. Und nun droht die Handelsbilanz zum ersten Mal zu kippen: In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden insgesamt 4548 Tonnen Käse mehr exportiert als importiert. Bis Ende Jahr könnte sich dieses Verhältnis noch zugunsten der Exporte verändern, aber die Tendenz ist klar: Die Exporte sinken, die Importe nehmen zu.

Auch die Exportzahlen des Gruyère AOP – der meistproduzierten Käsesorte der Schweiz – sind gesunken. 2021 wurden rund 14‘200 Tonnen Gruyère exportiert, 2022 waren es noch rund 13‘300 Tonnen. Mit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine sei die positive Entwicklung «abrupt gestoppt» worden. Und auch das laufende Jahr hat laut Philippe Bardet nicht gut angefangen. Seine Einschätzung:

Die Teuerung im Ausland macht unser Produkt zu teuer.

Die wichtigsten Abnehmer für Gruyère AOP sind die EU und die USA. So exportierte die Schweiz im Jahr 2022 von den insgesamt rund 33‘000 produzierten Tonnen Gruyère 7500 Tonnen in die EU und 4000 Tonnen in die USA. Im Vergleich zum letzten Jahr exportiere man aktuell rund 10 Prozent weniger. Besonderes Sorgenkind sei aktuell Belgien. «Dort exportieren wir im Moment nur die Hälfte von dem, was wir letztes Jahr exportieren konnten», sagt Bardet.

Gruyère AOP ist der meistproduzierte Käse der Schweiz. 
Archivbild Keystone

Lebensmittel als wichtiger Zweig

Doch welche Auswirkungen hat diese Entwicklungen auf die Freiburger Wirtschaft? Denn immerhin rund 50 Prozent der Gesamtmenge Gruyère AOP werden im Kanton Freiburg produziert. Jerry Krattiger, Direktor der Wirtschaftsförderung des Kantons Freiburg, schätzt, dass durch die Reduktion der Gruyère-Exporte dieses Jahr rund 25 bis 30 Millionen Franken weniger erwirtschaftet werden. Zur Einordnung: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Kantons Freiburg beträgt rund 20 Milliarden Franken. Davon werden rund 5 Milliarden Franken durch den Export erwirtschaftet. Davon wiederum rund 17 Prozent durch den Export von Lebensmitteln. «Im Vergleich zur restlichen Schweiz ist das viel», sagt Krattiger. Darum beobachte man die Entwicklungen rund um den Käseexport genau. «Wir hoffen, dass es sich hier nur um eine vorübergehende Entwicklung handelt. Die jetzige Situation kann aber auch auf einen gewissen Kaufkraftverlust in wichtigen Exportmärkten wie USA und der EU hinweisen», so Krattiger.

Jerry Krattiger, Direktor der Freiburger Wirtschaftsförderung.
Jean-Baptiste Morel

Käsereien sind flexibel

Dass die Gruyère-Produktion um 10 Prozent eingeschränkt wird, spüren in erster Linie die Milchlieferanten und Käsereien im Kanton. So etwa Christian Wenger von der Käserei Alterswil. Sein Betrieb verarbeitet jährlich rund 1,2 Millionen Liter Milch. Unter anderem werden daraus normalerweise rund 32 Tonnen Gruyère gemacht. Dieses Jahr werden es nur 28 Tonnen sein. Wenger produziert auch noch andere Käsesorten und ist darum nicht ausschliesslich auf die Erträge von der Gruyère-Produktion angewiesen. Ähnlich sieht es bei Julien Jungo in Plaffeien aus. Obwohl er wesentlich mehr Gruyère herstellt – normalerweise sind es 340 Tonnen und dies fast ausschliesslich für den Export –, könne er die gedrosselte Gruyère-Produktion mit anderen Käsesorten ein wenig abfedern, so Jungo. Beide Käser sind sich aber einig: «Wir hoffen natürlich, dass es nächstes Jahr wieder besser wird.» 

Milchproduzenten: Niemand ist zufrieden

Und ganz am Anfang der Produktionskette stehen die Milchlieferantinnen und Milchlieferanten. Für sie spricht André Brodard vom freiburgischen Milchverband: «Niemand ist aktuell zufrieden, aber im Moment ist die Mengeneinschränkung für die Milchproduzenten tragbar.» Das Hauptproblem seien aktuell in erster Linie die vollen Käsekeller. «Wir haben nicht genügend Platz für die neue Produktion.» Darum sei es sinnvoll und richtig gewesen, dass sich die Sortenorganisation im Juni zu einer Mengenreduktion entschieden haben. Auch wenn die 10 Prozent nicht einfach so weggesteckt werden könnten. Die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte hätten aktuell zwei Möglichkeiten: einen Teil ihrer Kühe verkaufen oder einen grösseren Teil der Milch als günstigere Industriemilch abgeben. «Aber lieber ist uns diese Einschränkung als eine Preisreduktion», betont Brodard. 

Milchproduzenten müssen aktuell grössere Mengen ihrer Milch an die Industrie verkaufen.
Archivbild Sarah Neuhaus

Wie sich die Lage weiterentwickeln wird, ist unklar. Handelt es sich lediglich um ein paar schlechte Jahre, oder muss man von einer dauerhaften Entwicklung ausgehen? Philippe Bardet von der Sortenorganisation Gruyère AOP sagt:

Wir spüren schon jetzt eine leichte Verbesserung.

«Ich hoffe, dass sich die Situation im Laufe des nächsten Jahres wieder erholen wird.»

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