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«Wegkommen von der Marktlogik»

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«Wegkommen von der Marktlogik»

Autor: Hannes Währer

Erst zwei Jahre sind seit der Gründung des Vereins Hochspannung unter den Boden (HSUB) verflossen, und schon verschaffen sich die Gegner der Hochspannungsfreileitungen mit der Wahl von Nationalrat Jean-François Steiert zum Präsidenten einen direkten Draht ins Bundeshaus.

Steiert erklärte denn auch, er sei gewählt worden, um die Sache der Organisation in Bern voranzutreiben. «Die Bundesdepartemente müssen letztlich tun, was das Parlament ihnen befiehlt», so der Nationalrat. Dagegen sei der Einfluss von Gemeinden und Kantonen auf den Bund äusserst beschränkt.

Zeitgewinn kompensiert Mehrkosten

Während des zweiten Teils der Veranstaltung mit Referaten von Steiert, Werner Gander, Leiter der Sektion Elektrizitäts- und Wasserrecht vom Bundesamt für Energie (BFE), Andrea Müller, Azienda Elettrica Ticinese (AET), und Alessandro Magri von der Firma Nexans Suisse SA wurden neue Kabeltechnologien und konkrete Verkabelungsbeispiele präsentiert. Im Vordergrund stand dabei die erdverlegte 400-kV-Linie Mendrisio-Cagno, die von der Absichtserklärung bis zur Inbetriebnahme in nur sechs Jahren realisiert wurde und seit zwei Jahren in Betrieb ist. Andrea Müller (AET) erklärte dazu: «Die AET entschied sich für die Kabelvariante, weil damit viel Zeit eingespart werden konnte. Die Erträge aus dem Stromfluss über die neue Leitung kompensierte die Mehrkosten für die Kabellösung gegenüber einer verspäteten Freileitung.» Letztlich habe die Erstellung der erdverlegten Kabelleitung nur rund das Doppelte einer Freileitung gekostet.

Damit zieht das staatliche Unternehmen ein bedenkenswertes Fazit. Immerhin wurde beispielsweise mit der Planung der 380-kV-Freileitung Yverdon-Galmiz bereits 1976 begonnen.

Neue Grundlage für Kostenberechnung

Auch Steiert kritisierte, bisher habe bei der Planung von Hochspannungsleitungen ein rein betriebswirtschaftlich definierter Kostenfaktor im Vordergrund gestanden. «Neu müssen auch volkswirtschaftliche und gesellschaftspolitische Kriterien einbezogen werden», so der Nationalrat.

Eine Forderung, der sich Werner Gander vom BFE nicht widersetzte, im Gegenteil: «Wir müssen neu überlegen, wie die Kostenberechnung für Hochspannungsleitungen zu definieren ist.» Dazu müsse man die Stromwissenschaft beiziehen, um beispielsweise Faktoren wie Stromverlust einzubeziehen, der bei Kabelleitungen um einiges geringer ist als bei Freileitungen. Zudem erklärte Gander ohne Umschweife: «Es gibt Werte, die mehr zählen als Geld.» Die Diskussion über eine optimale Leitungsführung dürfe sich nicht einseitig um die Kosten drehen.

Der Konsument bezahlt

Allerdings müsse man bei der Kostenfrage auch bedenken, wer am Schluss dafür bezahle. Zurzeit überwälze die Stromwirtschaft die Kosten für den Bau von Leitungen zu 100 Prozent auf die Konsumenten.

Weiter erklärte er, das BFE sei keineswegs kategorisch für die eine oder andere Leitungsvariante, im Einzelfall müsse die optimalste Lösung zum Einsatz kommen.

Auch Alessandro Magri räumte ein, dass eine erdverlegte Leitung nicht immer die optimale Lösung darstelle und sagte: «Die Kombination von Freileitungen mit unterirdischen Kabelabschnitten bietet einen vollwertigen Weg, den Bewilligungsprozess stark zu beschleunigen.» Während der Diskussion bestätigte Gander, dass beim BFE bereits ein Mischprojekt mit Kabel- und Freileitungen in der Pipeline sei.

Auch Steiert sprach sich für einen pragmatischen Ansatz aus. «Mit eindimensionalem Denken fährt man bloss gegen die Wand», erklärte er. Auch wissenschaftliche Studien würden keine absolute Gewissheit bringen, da es keine neutralen Studien geben würde. Das Problem der Hochspannungsleitungen könne deshalb nur über den gesellschaftlichen Konsens gelöst werden. Dafür müsse das Links-Rechts- beziehungsweise Grün-Nicht-Grün-Schema aufgegeben werden, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Dazu gehöre eine Neuausrichtung der noch immer an den Gegebenheiten der 70er und 80er Jahre orientierten Netzplanung auf die künftig teilweise dezentrale Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen.

Wirtschaftslastig informiert

Fast paradox klang es, als Gander der HSUB zu ihrer Gründung vor zwei Jahren gratulierte. Das BFE begrüsse es, damit einen neuen Ansprechpartner gefunden zu haben. «Bisher wurden wir teilweise zu wirtschaftslastig informiert», sagte Gander. Der Leiter der Sektion Elektrizitäts- und Wasserrecht beim BFE erklärte zudem, man könne den Wert der Motion Fournier, welche die Ausarbeitung eines Vergleichsschemas für Kabel- und Freileitungen anregte, nicht hoch genug einschätzen. «Das BFE kann dadurch zum ersten Mal eine gesamtheitliche Betrachtungsweise der Problematik erarbeiten.

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