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Wind kannst Du nicht sehen, aber was er tut

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Wort zum sonntag

Wind kannst Du nicht sehen, aber was er tut

Autor: Urs Zimmermann

Es war vor acht Jahren, kurz vor Pfingsten. Ich war neu in Bad Zurzach und hatte meine erste Pfingstpredigt vorzubereiten. Über den Heiligen Geist wollte ich sprechen – natürlich –, und am liebsten wäre mir gewesen, ich hätte eine Darstellung des Heiligen Geistes zum Ausgangspunkt meiner Predigt machen können. Allerdings sollte es nicht irgendeine Darstellung sein, sondern eine, die in meiner neuen Pfarrkirche, dem Zurzacher Verenamünster, zu sehen ist. Aufgefallen war mir bis anhin zwar noch keine. Aber das Münster ist uralt und voller Bilder, bestimmt findet sich etwas Entsprechendes. Ich machte mich auf die Suche.

Im Mittelschiff des Münsters hängen Bildtafeln. Sie erzählen das Leben der heiligen Verena. Andere Bildtafeln finden sich in den Seitenschiffen. Das Thema da ist der heilige Nepomuk. Nirgends aber eine Darstellung des Heiligen Geistes. Indirekt schon, er wirkte ja im Leben dieser Heiligen. Aber direkt, also als Taube, Feuer, Sturm oder Pfingsgeschehen … nichts.

Bei der Kanzel wurde ich dann fündig. Direkt am Schalldeckel ist eine einfache Taube angebracht: Der Heilige Geist. Aber … für eine Predigt gab diese Taube nichts her. Nur ein Vogel eigentlich, geschnitzt, silbern und weiss gefasst.

Also weitersuchen. Auf einem Marienbild dann eine zweite Taube. Unscheinbar klein, leider. So klein, dass sie vom Kirchenschiff aus nicht mehr zu sehen war . Sie war ungeeignet, Ausgangspunkt für meine Pfingstpredigt zu sein. Im Chor sah ich mir das Chorgestühl an. Jahrhundertelang wurde hier «Veni creator spiritus» gesungen, aber dargestellt war der Heilige Geist nirgends. Ernüchternde Feststellung: Im Verenamünster gibt weder ein Bild vom Pfingstgeschehen noch eine gut sichtbare Darstellung des Heiligen Geistes. Schon wollte ich an meinen Schreibtisch zurück, als ich dann doch noch fand, was ich suchte.

Eine Frau betrat das Münster. Sie führte ein Kind an der Hand. Grossmutter mit Enkel, dachte ich. Beim Weihwassergefäss bekreuzigten sich die beiden und setzten sich dann. Die Frau betete.

Es kam mir vor, als wollte mir der Heilige Geist eine Lektion erteilen: «Was suchst Du mich in Bildern oder Statuen?», liess er mich verstehen, «mein Ort ist doch das Leben!»

Und wirklich, den Heiligen Geist kann man nicht sehen. Nur sein Wirken ist sichtbar. Und war er nicht gerade am Werk, da vor mir, bei Grossmutter und Enkel?

Mir schien es so. Denn wo jemand glaubt, wie diese Frau, da ist Heiliger Geist. Wo jemand betet, da ist Heiliger Geist, und wo jemand einem andern einen Dienst erweist, da ist Heiliger Geist. Und wahrscheinlich tat sie das, diese Frau. Sie hütete ihren Enkel.

Den Geist kann man nicht sehen, nur sein Wirken. Oder mit den Worten des Theologen und Kirchenmusikers Markus Jenny: Wind kannst Du nicht sehen, aber was er tut: Felder wogen, Wellen wandern in der Flut. Geist kannst du nicht sehen; doch wo er will sein, weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein.

Urs Zimmermann ist Pfarrer in Bad Zurzach, priesterlicher Mitarbeiter im Pfarreienverband Zurzach-Studenland und betreut die Wallfahrt zur Heiligen Verena.

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